Erzbischof Koch rügt Diskriminierung christlicher Flüchtlinge

Pfarrer Dr. Josef Wieneke, Emmanuel Sfiatkos, Diakon Amill Gorgis, Prof. Dr. Ulrike Kostka, Erzbischof Koch und Pfarrer Murat Üzel im Gespräch mit den Flüchtlingen. Foto: Walter Wetzler

Berlin Der Berliner Erzbischof Heiner Koch will sich auch auf Bundesebene für einen besseren Schutz christlicher Flüchtlinge einsetzen. "Ich werde das noch einmal in der Deutschen Bischofskonferenz zum Thema machen und habe nächste Woche ein Treffen mit dem CDU/CSU-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder", sagte Koch am Montag in Berlin nach einer Begegnung mit christlichen Flüchtlingen aus Syrien. Christliche Flüchtlinge hätten auch in Deutschland Angst vor Verfolgung und Diskriminierung. "Es gab keine Pauschalverurteilungen, aber sie haben hier ihre Erfahrungen gemacht, und die sie massiv."

Koch erklärte, er sei für einen besonderen Schutz derer, die als Minderheit "so furchtbare Dinge erleben, wie sie die christlichen Flüchtlinge jetzt geschildert haben". Zugleich betonte er, dass etwa eine Kontingent-Lösung zur Aufnahme christlicher Flüchtlinge nicht die grundlegenden Probleme lösen würde.

Die Berliner Caritasdirektorin Ulrike Kostka nannte als wichtiges Thema die "Befähigung von Sicherheitsfirmen". Die Gleichbehandlung aller Flüchtlinge müsse Vorrang haben: "Unabhängig von der Religion müssen die Rechte eines jeden gewahrt werden und es darf keine Bevorzugungen geben." Die Caritas organisiere regelmäßig Treffen aller Betreiber von Flüchtlingsheimen in Berlin mit dem Ziel, dass dort alle Religionen friedlich zusammenleben könnten und jeder seine Religion praktizieren dürfe.

"Wenn Menschen nicht mehr schlafen können, weil sie Angst haben, aufgrund ihrer Religion verfolgt zu werden, dann läuft hier in Deutschland etwas schief", so Kostka. Gemeinsam mit Koch war sie im Gemeindehaus der Pfarrei Sankt Matthias in Berlin-Schöneberg mit rund 30 Flüchtlingen zusammengetroffen. Die Pfarrei beherbergte dort in den vergangenen zweieinhalb Jahren übergangsweise rund 100 Asylbewerber.

Der Vorsitzende des Ökumenischen Rats Berlin-Brandenburg (ÖRBB), Emmanuel Sfiatkos, betonte: "Auch wenn es vielleicht nur Einzelfälle sind, so ist die Diskriminierung und Bedrohung von christlichen Flüchtlingen in den Unterkünften doch ein Problem, das dringend angegangen werden muss." Anfang März hatte sich der Rat mit einem offenen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Sozialsenator Mario Czaja (CDU) gewandt. Die Arbeitsgemeinschaft aus 30 Kirchen erklärte, die Lage der christlichen Flüchtlinge in den Berliner Unterkünften gebe "Anlass zu großer Sorge", es sei mehrfach zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen.