Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Fachtag zur Prävention sexualisierter Gewalt: „Verunsicherung ist professionell!“

Foto: Angela Kroell

Die Organisatoren des Katholischen Netzwerks Kinderschutz eröffneten den dritten Fachtag zur Prävention sexualisierter Gewalt in der Katholischen Akademie mit einem Kurzfilm. Kinder und Jugendliche gaben darin direkte Denkanstöße und machten den Erwachsenen im Saal mit einem charmanten Augenzwinkern ihre Rolle bewusst.

Rund 150 berufliche und ehrenamtliche Mitarbeiter aus kirchlichen Schulen, Einrichtungen und Verbänden waren gekommen, um sich auszutauschen und zu diskutieren. Zwei Vorträge führten im Anschluss tiefer ins Thema des Tages.  Zum einen stand das Phänomen Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen im Fokus, zum anderen Nähe und Distanz als Herausforderung.  Anna-Katharina Gohlke, Kinderschutzbeauftrage der Sancta Maria-Schule der Hedwigsschwestern ist jeden Tag mit dieser Herausforderung konfrontiert: „Ich bin in meinem Umgang mit den Kindern viel selbstkritischer geworden.“

"Nein sagen" und Grenzen ziehen

In praxisorientierten Workshops wurde am Nachmittag das Spannungsfeld zwischen Berührungsangst und Grenzüberschreitung ausgelotet, wurden Methoden für die tägliche Arbeit vermittelt und die eigenen Erfahrungen institutionsübergreifend  besprochen. Rollenspiele in einer lockeren Atmosphäre dienten beispielsweise dazu, das eigene Empfinden von Nähe und Distanz sowie Grenzüberschreitungen kennen zu lernen, um ein feineres Gespür für Kinder und Jugendliche zu entwickeln. Die praktischen Übungen der Fachreferentin für Prävention Ulli Freund etwa lassen sich unkompliziert auf die Lebenswelt der Kinder übertragen. Dabei ginge es nicht nur darum, den Kindern das „Nein sagen“ beizubringen, denn damit übertrage man die Verantwortung für den Schutz des Kindes fälschlicherweise auf das Kind selbst. Vielmehr müsse dem Kind die Erfahrung eigener Grenzziehungen und deren Akzeptanz ermöglicht werden. Dies sensibilisiere das Kind im Fall einer körperlichen Annäherung eines Erwachsenen, weil dann eine Grenzüberschreitung für das Kind deutlich erkennbar sei.

Verunsicherung ist professionell

Kerstin Zimmermann, Präventionsbeauftrage im Caritasverband für das Erzbistum Berlin, freute sich in ihrem Workshop über den regen Austausch und konkrete Methoden für schwierige Situationen in der Praxis. Besonders der Satz „Verunsicherung ist professionell“ war für sie ein wichtiger Impuls: „Selbstkritik ist ein Zeichen von Fachlichkeit. Man muss sich immer fragen, was das Kind braucht und muss trotz Unsicherheit im Alltag dem Kind gegenüber beständig sein.“

Nach einem guten halben Jahr Vorbereitungszeit mit seinen sechs Kolleginnen und Kollegen im Katholischen Netzwerk Kinderschutz blickt auch Burkhard Rooß, Präventionsbeauftragter im Erzbistum Berlin, auf einen gelungenen Fachtag mit einer positiven Grundstimmung zurück. Das erklärte Ziel, neuen Mut zur professionellen Beziehung zum Kind zu machen, dürfte erreicht sein.