Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Freie Zeit zwischen Himmel und MeerZinnowitzer Begegnungs- und Familienfreizeitstätte St. Otto wird 100

Foto: Anja Goritzka

Mit einer heiligen Messe und einem Festakt begehen Gäste, Ehemalige und Freunde zusammen mit Erzbischof Heiner Koch am 16. Januar den Geburtstag der Begegnungs- und Familienfreizeitstätte St. Otto in Zinnowitz auf Usedom.

Seit 100 Jahren ist St. Otto im Bistum der Begriff für Ferienfreizeiten und Kindererholungswochen direkt an der Ostsee und so manche Erzieherin erinnert sich gerne an die Zeit ihrer Aspirantur im St.-Otto-Heim.

Zwei Marienschwestern von der Unbefleckten Empfängnis kamen im Winter 1916 auf Geheiß des damaligen Ottovereins von Berlin nach Zinnowitz auf die Insel Usedom. Laut Chronik fingen Schwester M. Raphaela Feike und Schwester M. Philomena May bei null an: Das Hauptgebäude stand, doch die Fenster waren zerschlagen und nirgends fand sich ein Ofen. Dennoch betreuten die beiden schon in der folgenden Sommersaison die ersten 40 Kinder, die zur Kur nach Zinnowitz kamen. Die Marienschwestern führten dieses Heim später dann unabhängig vom Ottoverein.

Neben Landwirtschaft und Küchenführung sollte die Pflege der Kinder auch über die zwei großen Kriege hinaus und während der DDRZeit ihre Hauptaufgabe bleiben. Die Ausbildung katholischer Erzieherinnen kam nach dem Zweiten Weltkrieg noch hinzu. Die „Aspirantinnen“ aus Vorpommern, Brandenburg und Berlin mussten ein Jahr ihrer Ausbildung im St.- Otto-Heim absolvieren: Mitarbeit im Heim und die Betreuung der Kinder standen täglich auf dem Arbeitsplan. Die jungen Frauen konnten das Gelände außerdem selten verlassen, da es mitten im Grenzgebiet der DDR lag.

Die Kinder und auch die angehenden Erzieherinnen schliefen in großen Sälen. Diese finden die Besucher in der Begegnungs- und Familienferienstätte heute nicht mehr. Vielmehr laden im Haupthaus, dem Monika-Haus, Einzel- und Doppelzimmer mit Hotelstandard zum Verweilen ein. Aber auch die fünf Häuser zwischen der Alfred-Bengsch- und der neuen Christophorus-Halle mit Amphitheater bieten Raum für größere Gruppen: Hier verbringen katholische Gemeinden ihre Religiösen Kinderwochen. Auch für Zelte ist genügend Raum zwischen den Kiefern und dem großzügigen Kinderspielplatz hinter dem Amphitheater. Hier finden traditionell unter wechselndem Motto im Sommer die Bistumsjugendtage des Erzbistums Berlin statt. Seit 1996 bietet St. Otto für Touristen freie Zeit für Himmel und Meer. Damals erwarb das Erzbistum Berlin das Heimgelände und wandelte es zur Begegnungs- und Ferienstätte um.

Die letzten beiden Marienschwestern verließen im November 2004 Zinnowitz. Doch St. Otto so ganz ohne Schwestern? Kaum vorstellbar! Der damalige Rektor und heutige Pfarrer von Stralsund, Andreas Sommer, setzte sich dafür ein, dass ein anderer Orden Schwestern entsandte. Seit Dezember 2005 führten die Franziskanerinnen von Vöcklabruck, Schwester Agnes und Schwester Luzia, die Ordensarbeit vor Ort weiter. Neben den Schwestern sorgen derzeit 20 Mitarbeiter für das leibliche und geistliche Wohl der Gäste.

Aber nicht nur Katholiken kommen nach Zinnowitz. „Wir sind offen für alle Urlaubsgäste. Bei der Anmeldung spielt es keine Rolle, ob der Gast christlich ist“, bestätigt Pfarrer Olaf Polossek, der seit 2012 als Pfarrer für Usedom die Ferienstätte mitleitet. Dennoch wären die Gäste schon überwiegend christlich und viele sind nicht das erste Mal zu Gast. „Gerade bei unseren Familienfreizeiten im Sommer spüren wir eine gelebte Ökumene. Evangelische Familien bringen oft eine intensivere Spiritualität mit“, ergänzt er weiter und betont die Relevanz der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten gerade in einer Diasporasituation wie in Vorpommern.

Die heilige Messe mit Erzbischof Heiner Koch zu „100 Jahre St.-Otto-Heim“ beginnt am 16. Januar um 16 Uhr in der Begegnungs- und Familienfreizeitstätte St. Otto, Dr.-Wachsmann- Straße 29, in Zinnowitz.