Hoher Staatsbesuch inmitten von Plattenbau und Brache Bundeskanzlerin besucht katholisches Jugendprojekt in Marzahn

Fotos: Bundesregierung / Jesco Denzel

Fotos: Bundesregierung / Jesco Denzel

Fotos: Bundesregierung / Jesco Denzel

Fotos: Bundesregierung / Jesco Denzel

Fotos: Bundesregierung / Jesco Denzel

KNA. Großer Staatsbesuch im tiefen Osten Berlins: Am Tag der Anschläge in Brüssel hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an ihrem Terminplan fest und besucht inmitten von Plattenbauten und trostlosen Brachen eine katholische Einrichtung für benachteiligte Jugendliche in Marzahn.

Die Jugendlichen - zwischen 16 und 25 Jahren - sind aufgeregt und freuen sich. Als die Kanzlerin aus ihrer Limousine steigt, applaudieren sie. Merkel möchte sich die Einrichtung, die sie auf einen Beruf vorbereiten soll, anschauen und mit einigen von ihnen reden.

Die 23-jährige Monique ist eine von ihnen. Sie hat einen vierjährigen Sohn und ist im fünften Monat schwanger. Monique ist froh darüber, in der Einrichtung Hilfe zu bekommen und einen festen Tagesablauf zu haben.

Für die jungen Erwachsenen bietet die Gegend im Osten von Berlin keine großen beruflichen Perspektiven. Grund genug für zwei katholische Orden - die Heiligenstädter Schulschwestern und die Salesianer Don Boscos -, dort junge Menschen ohne Schulabschluss und solche, die arbeitslos sind, zu unterstützen.

"Wir freuen uns natürlich sehr darüber", hatte Schwester Margaretha Kühn, die Geschäftsführerin der Einrichtung, im Vorfeld gesagt. Für die Jugendlichen bedeute der Besuch der Kanzlerin eine große Wertschätzung.

Nicht das erste Mal empfängt die Einrichtung Gäste aus der Politik: Vor rund drei Jahren war die damalige Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) dort. Grütters und Pau, in deren Wahlkreis die Einrichtung liegt, kommen regelmäßig in das vom Bund geförderte Haus.

Bereits vor elf Jahren zogen die Salesianer in den Berliner Osten und verließen ihr erstes Quartier, ein Jugendheim am Wannsee, in dem für einige Zeit auch der Rapper Bushido als Jugendlicher wohnte. Der damalige Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS) und Provinzialvikar der Salesianer, Pater Franz-Ulrich Otto, mietete ein Ladenlokal am anderen Ende der Stadt und richtete dort eine Beratungsstelle für benachteiligte Jugendliche ein.

Ein Jahr später erwarben die Salesianer das Nachbargebäude, in dem zuvor das Hochbauamt Marzahn untergebracht war. Zusammen mit den Heiligenstädter Schulschwestern und dem sozialpädagogischen Berliner Kinder- und Jugendzirkus "Cabuwazi" starteten sie ein Projekt unter dem Titel "Manege", bei dem Jugendliche handwerkliche Grundkenntnisse erwerben können. Bei der Namensgebung ließen sie sich vom benachbarten Zirkuszelt inspirieren. In den ersten Jahren konnten sich die Teilnehmer nach den Kursen auch als Artisten versuchen.

Derzeit sind rund 300 junge Menschen in der "Manege" beschäftigt, die meisten sind zwischen 16 und 25 Jahre alt. Viele müssen erst einmal zu einem strukturierten Tagesablauf zurückfinden. In den Maler-, Metall- und Holzwerkstätten und im Küchenbereich können sie handwerkliches Know-how erwerben. Außerdem vermittelt das Zentrum ein Betriebspraktikum und bietet Förderunterricht vor allem in Mathematik und Deutsch. Etliche schafften es im Anschluss, einen Ausbildungsplatz zu bekommen

Merkel habe ihr aufmerksam zugehört, erzählt Monique im Anschluss. Und die Kanzlerin nimmt sich Zeit. Mit drei Jugendlichen spricht sie über ihre Arbeit in der Einrichtung, hört sich ihre Lebensgeschichte an. Anschließend nimmt sie sich Zeit für die verschiedenen Arbeitsbereiche. Zum Statement für die Journalisten erscheint sie fast eine halbe Stunde später.

Vor ihnen spricht sie von einem "sehr, sehr wichtigen Projekt". Die Mitarbeiter und Helfer leisteten großartige Arbeit, vor allem für die jungen Erwachsenen, die bereits über 18 Jahre sind. Bei den bisherigen Beschäftigungsmaßnahmen fielen sie oft durch das Raster. Sie kündigte deshalb eine gesetzliche Initiative an. Der Bundestag berate bereits über eine Maßnahme für die Betroffenen, so Merkel. Sie solle benachteiligten Jugendlichen helfen, ihre Berufsperspektiven zu verbessern.

Anschließend fährt Merkel zurück ins Kanzleramt. Und gibt dort ihr Statement zu Brüssel. Beim Abschied jubeln ihr die Jugendlichen zu.