"Ich habe so viel Gutes empfangen!" Schwester Thérèse zu Ihrer Ewigen Profess

Am Samstag, den 25. Juni 2022 um 11 Uhr, feierten Marie-Thérése Gerstner und Magdalena Wojcik von der Gemeinschaft Missionare Identes ihre Ewigen Gelübde in der Pfarrkirche Heilig Kreuz in Frankfurt (Oder). Es ist ein schönes Zeichen: Eine deutsche und eine polnische Schwester feiern gemeinsam mit ihrem Orden, ihren Familien, Freunden und Bekannten in der Stadt an der Oder ein großes Brücken-Fest für die Kirche. Die beiden Idente Missionarinnen haben nach 10 Jahren entschieden, sich für immer an Christus zu binden. Eine tiefgreifende Entscheidung, die Fragen provoziert. Schwester Thérèse, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Biblische Exegese hier am Zentralinstitut für Katholische Theologie (IKT) in Berlin, haben wir dazu einige Fragen gestellt:

Was sagt deine Familie dazu, dass du in einen Orden eingetreten bist?

Meine Familie kann nicht all zu viel sagen - sie sind selbst schuld! Meine Eltern haben mir mit der Muttermilch den Glauben eingeflösst. Bei ihnen habe ich gesehen, dass das Leben mit Gott und für Gott das Schönste war. Schon als ich neun war, sind wir mit der ganzen Familie nach Ecuador/Südamerika mitten in den Dschungel gezogen, um der Kirche dort Beistand zu leisten. Das Leben mit Gott erwies sich immer als spannend, erfüllt, freudig.

Sie hätten mich zwar lieber in einem Kloster gesehen als in einer neuen Gemeinschaft wie uns Missionare Identes, aber mein Vater hat mir nur eine Bedingung gestellt: “Ich vertraue Gott und dir. Du musst mir aber zeigen, dass du hier heilig werden kannst.”

Gab es Momente, wo du an deiner Entscheidung gezweifelt hast oder sie sogar bereut hast?

Zweifel gab es viele, besonders am Anfang. Alles war sehr anders, von dem, was ich mir selbst unter Ordensleben vorgestellt hatte. Das war und bleibt auch immer wieder die Schwierigkeit: sich von den eigenen Vorstellungen zu befreien, von dem, was man selbst als das Wichtigste und Beste erachtet. Ich hatte am Anfang grosse Angst, ob das wirklich Gottes Weg war. Besonders schwer war der Eintritt in die Gemeinschaft. Ich war sehr verunsichert und wollte zurücktreten. Die Erinnerung an Heilige, die auch stark an ihrer Berufung gezweifelt hatten, gab mir Kraft. Sobald ich den Schritt gewagt hatte, war ich so voller Freude, dass es mir klar wurde, dass es nur von Gott kommen konnte.

Bereut habe ich es nie. Was könnte man bereuen? Ich habe nur so viel Gutes empfangen.

Und in der Zukunft? Wo siehst du dich?

Zum Glück muss ich mich darum gar nicht so viel sorgen, darum kümmert sich ja mein Himmlischer Vater. Er hat immer viele Überraschungen. Noch vor zwei Jahren hatte ich Angst, nach Deutschland versetzt zu werden. Ich war 23 Jahre im Ausland gewesen und empfand die deutsche Welt als fremd und kalt. Nach einundhalb Jahren hier, haben sich auch diese Vorurteile als falsch erwiesen. Wo immer ich landen werde, egal in welcher Mission, ich weiss, ich habe die beste himmlische und menschliche (gemeinschaftliche) Familie, die mir zur Seite steht. Ich bin gespannt!

Hattest Du den Wunsch, Kinder zu haben?

Natürlich! Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als Mutter zu sein. Das war das Schwerste (nicht das Keuschheitsgelübde!). Aber, mit Maria, empfängt man dadurch eine andere Art von universaler Mutterschaft. Menschen im geistlichen Leben zu ernähren, für alle da zu sein… Besonders wunderbar ist natürlich die Kinder- und Jugendpastoral.

Was war dein schönster Moment?

Schwer zu sagen. Ich glaube, letztendlich sind das Schönste immer die Begegnungen, die tiefen, wahren Begegnungen. Und die sind alle einzigartig, so dass man schwer sagen kann, welche die schönsten sind. Besonders ergreifend waren natürlich die ersten ganz tiefen Begegnungen mit Christus, in der Eucharistie: sich bewusstwerden, von dem unendlichen Geschenk, der unfassbaren Liebe, die man empfängt. Meine ersten Jahre in Indien waren auch einzigartig: inmitten viel Leid (persönlich und um mich herum) hatte die Freude noch einen ganz anderen Klang.

Was war dein lustigstes Erlebnis?

An einen konkreten Moment kann ich mich jetzt nicht erinnern. Aber das Gemeinschaftsleben ist die meiste Zeit ziemlich lustig. Lustig sind die vielen Missverständnisse, weil wir immer in einem Sprach-Mischmasch leben; lustig sind die Verschiedenheiten; lustig wird es besonders, desto mehr man lernt, über sich selbst zu lachen. Dafür war diese letzte Zeit hier in Deutschland sehr fruchtbar: ich stosse die ganze Zeit an meine Grenzen und gebe mir und anderen viel Grund zum Lachen.

Was gibst du Anderen mit auf ihren Weg?

“Déjate llevar” - lass dich tragen, von Gott angetrieben, Vertrauen.

Infos zum Orden:

Das Wort Idente leitet sich her aus einem Gebot des Evangeliums: Id, das heißt, „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Menschen.“ (Mk 16,15). Es bedeutet, ein Wanderer mit Christus zu sein und sich mit ihm zu identifizieren, vor allem in seinem Bekenntnis zum Himmlischen Vater.

Das Institut Id von Christus dem Erlöser, Missionarinnen und Missionare Identes ist ein Institut des geweihten Lebens nach päpstlichem Recht, gegründet von Fernando Rielo Pardal auf Teneriffa (Spanien) am 29. Juni 1959. Der Orden besteht aus Männern und Frauen, die in zwei Zweigen organisiert und durch einen Präsidenten verbunden sind.
Es gibt den zölilbatärlebenden Zweig, die Idente Familie und verschiedene weitere Gründungen wie die Idente Jugend.

Das Charisma: streben nach Heiligkeit auf Grundlage des Evangeliums. Das wird durch eine geistliche Begleitung, die eine regelmäßige asketisch-mystische Prüfung in Gemeinschaft ist, konkret gelebt.

Die apostolische Mission: Geistliche Begleitung, Erleben von Gemeinschaft und Glauben ermöglichen, vor allem die Begegnung mit Jugendlichen sowie den apologetische Dialog mit der Wissenschaft zu suchen.

Im Erzbistum Berlin ist der Orden seit mehr als 20 Jahren beheimatet, aktuell in der Pfarrei St. Maria Magdalena Oderland-Spree und in der Berliner Pfarrei St. Matthias Schöneberg.