„Man muss doch froh sein als Katholik in Deutschland!“

Foto: Walter Wetzler

Der Bischof von Stockholm Kardinal Anders Arborelius in Berlin, Brandenburg/Havel und Magdeburg
Wenn er Bischof von Stockholm nach Deutschland kommt, dann auch immer, um sich zu bedanken für die Unterstützung seines extremen Diaspora-Bistums. Arborelius ist Bischof der gut 120.000 Katholiken in ganz Schweden. Sie machen rund 1,2 Prozent der Bevölkerung aus, wächst aber – so Arborelius – vor allem durch Zuwanderung von Arbeitsmigranten etwa aus Polen und von den Philippinen sowie durch Flüchtlinge aus dem arabischen Raum, die mit Rom unierten orientalischen Kirchen angehören.
Aus der schwedischen Perspektive ist Berlin mit einem Katholikenanteil von rund 9% im Land Berlin keine wirkliche Diaspora. Interessant auch seine Sicht auf das wiedervereinigte Berlin. Arborelius, der Deutschland sehr gut kennt und ausgezeichnet deutsch spricht, sagt: „Ich kenne das geteilte Berlin, jetzt bin ich im geheilten Berlin“. Er dankt für so viel „Gutheit“, das herzliche Willkommen und das große Interesse an seiner Kirche: „Man könnte so viel tun in Berlin und kommt hierher. Ich bin dankbar für die Erfahrung, dass man uns freundlich gesinnt ist.“

Seinen deutschen Zuhörern wünscht er mehr Optimismus und Selbstbewusstsein: „Es gibt so viel gutes unter den Katholiken in Deutschland aber sie verstehen es selbst nicht. Man muss doch froh sein als Katholik in Deutschland! Die Deutschen sagen immer: ‚es wird schlimmer‘, aber das stimmt nicht!“
Mit dem Pastoralen Personal des Erzbistums war er zur Wallfahrt in Brandenburg/Havel. Dort wurde der österreichische Bauer Franz Jägerstätter hingerichtet, weil er den Dienst mit der Waffe verweigert hatte. Dessen Martyrium, dessen Zeugnis bringt ihn auf sein eigentliches Thema, das er bei Walter Kasper entliehen hat: „Nur als Zeugen sind wir überzeugend“. Das ist seine Erfahrung, wenn jemand katholisch werden will in Schweden, dann nur, weil er jemand kennen gelernt hat, der ein Zeugnis seiner Glaubensüberzeugung gegeben hat. Daraus folgt für Arborelius: Je extremer die Minderheitensituation, desto wichtiger ist das Zeugnis eines jeden Christen von seinem Glauben geben. „Und wenn einer Zeugnis gibt, hat der Andere Mut, auch von seinem Glauben zu reden.“

Für den ersten Schweden auf dem Stockholmer katholischen Bischofsstuhl, einen Karmeliten, hat Martyrium, also Zeugnis, immer auch eine mystische Dimension: „Jeder Mensch ist ein Mysterium, jeder Mensch kann uns etwas von Gott zeigen. Denn jeder Mensch ist geschaffen nach Gottes Abbild.“
Aus dieser Haltung entspringt auch sein offener und optimistischer Blick auf die Gesellschaft: „Die zeigt oft eine viel größere Offenheit für Gott als wir für möglich halten, wir träumen oft von einer Gesellschaft wie es früher war in Altbayern oder Südpolen. Aber die gibt’s nicht mehr, nicht einmal mehr in Altbayern.“
Gleichzeitig ist er nicht blauäugig. „Man sagt, Schweden sind konfliktscheu, aber man kann nicht Konflikten ausweichen“, und Konflikte gibt es, auch innerhalb seines Bistums. Den einen dauert die Messe in polnischer Sprache zu lang, die anderen wollen nur Gottesdienste in Schwedisch zulassen, da ist vieles zu klären.

Das Erzbistum Berlin und das Bistum Stockholm sind Nachbarn. Wenn Kardinal Arborelius zu „die pastorale!“ nach Magdeburg fährt, dann bleibt er bei seiner Botschaft und die besteht aus Dankbarkeit, Optimismus – oder besser Gottvertrauen – und Martyrium, Glaubenszeugnis.