Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Ostdeutsche Bischöfe fordern Engagement für Flüchtlinge

Magdeburg (KNA) Die ostdeutschen Bischöfe haben in ihren Weihnachtsbotschaften ein stärkeres Engagement für Flüchtlinge gefordert. Mehrfach rückte dabei auch die asylkritische Pegida-Bewegung in den Fokus. Der katholische Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, kritisierte in seiner Weihnachtspredigt im Magdeburger Dom, den Flüchtlingen begegne "statt Gastfreundschaft oftmals Abwehr und Misstrauen, gelegentlich sogar Sarkasmus".

Richtung Pegida sagte Feige: "Es ist kurios, dass man damit christliche Werte verteidigen will, zu denen doch ganz wesentlich Respekt vor den anderen, Nächstenliebe und Barmherzigkeit gehören." Stattdessen schürten die Initiatoren Misstrauen und Angst, erklärten Ausländer zu unerwünschten Personen oder bedrohten sie sogar. Der Bischof rief die Gläubigen dazu auf, sich nach "Kräften und Möglichkeiten" für Flüchtlinge einzusetzen. Das könne im politischen Bereich ebenso sein wie im karitativen.

Der Bischof von Dresden-Meißen, Heiner Koch, erklärte an Heiligabend in der katholischen Dresdner Kathedrale, die "tiefe Sehnsucht des Menschen nach Heimat" verbinde Flüchtlinge und viele Pegida-Demonstranten. Die einen seien "verletzt durch furchtbare Erfahrungen in der verlorenen Heimat, die anderen angstvoll im Blick auf drohende Heimatlosigkeit durch eine von ihnen befürchtete Überfremdung und Bürokratisierung". Er sei überzeugt, dass "die Fremden, die Migranten und Asylanten, die zu uns kommen, Helfer beim Aufbau unserer gemeinsamen Heimat sind. Ohne sie wären wir ärmer, würden wir heimatloser", so Koch.

Der evangelische Landesbischof Sachsens, Jochen Bohl, erklärte bei der Weihnachtlichen Vesper, in Sachsen könne nicht im Entferntesten die Rede davon sein, dass die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft überfordert sei. Er kritisierte den Streit vergangener Jahre um Migration und "illusionäre Vorstellungen von Multikulturalität". Unstrittig sei die Verpflichtung des Staates zu Humanität. "Und dazu gehört die Aufnahme von Flüchtlingen", betonte Bohl.

Gegen Fremdenfeindlichkeit und für Menschen in Not, sprach sich auch Erfurts katholischer Bischof Ulrich Neymeyer aus. In seinem Weihnachtswort für MDR Thüringen sagte Neymeyer, er sehe mit Sorge, dass Flüchtlingen nicht nur Wohlwollen, sondern auch massive Ablehnung begegne. Weihnachten feiern, bedeute jedoch auch sich den Mittellosen und Schwachen sowie den Fremden zuzuwenden. Es ist für Neymeyr das erste Weihnachtsfest als neuer Bischof des Bistums Erfurt.

Die mitteldeutsche Landesbischöfin Ilse Junkermann kritisierte in ihrem Weihnachtswort, dass "Angst, ja auch Hass" geschürt werde gegenüber Flüchtlingen, die vor Krieg und Verfolgung Schutz in Deutschland suchten. "Menschen in Notsituationen brauchen Hilfe, bevor sich ihre Verzweiflung gewaltsam Bahn bricht", mahnte Junkermann. Sie rief dazu auf, sich der Angst vor Fremden und Fremdenfeindlichkeit entgegenzustellen, und appellierte an die Politik, gerade in kritischer Situation im Gespräch zu bleiben.

Der katholische Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt mahnte in der Christmette im Dom der Neißestadt mit Blick auf den Flüchtlingsstrom nach Deutschland: "Angesichts  dieser Menschen, sollten wir nicht vergessen, dass die meisten Katholiken hierzulande auch aus einer Flüchtlingsfamilie stammen, einen "Migrationshintergrund" haben, oder  - die Älteren unter uns - selbst vertrieben wurden oder geflohen sind.

Der Diözesanadministrator des Erzbistums Berlin, Tobias Przytarski, erinnerte am ersten Weihnachtstag in der Sankt Hedwigskathedrale daran, dass auch Jesus als Kleinkind ein Flüchtlingsschicksal erlitten habe, als er mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen musste. Er sprach mit Blick auf die humanitären Krisen in der Welt von einer "erschreckenden Bilanz" für 2014. Millionen Menschen seien auf der Flucht, hätten Angehörige verloren durch Krieg, Bürgerkrieg und Terror, oder seien von Seuchen, Hunger und Elend betroffen.

Der Landesbischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Markus Dröge, erklärte an Heiligabend im Berliner Dom: "Die Christlichkeit unserer Gesellschaft verteidigen wir nicht durch Ausgrenzung, sondern indem wir die Werte des Christentums stark machen: die Würde jedes einzelnen Menschen, der Schutz der Schwachen und Hilfe für die, die in Not sind."

Mit Blick auf die Pegida-Initiative ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") äußerte Dröge Verständnis dafür, dass viele "durch sehr persönliche, soziale Nöte motiviert, aus Sorge vor Arbeitslosigkeit oder Altersarmut" demonstrierten. Sie dürften jedoch nicht Flüchtlinge und Migranten zum Sündenbock machen. "So ernst die Sorgen dieser Mitbürgerinnen und Mitbürger zu nehmen sind, so sehr muss es einen Aufstand gegen die Verdrehung der Tatsachen und die Schuldzuweisung an die Schwächsten geben."