Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Panama - Wir haben noch nicht genug

Nach der Sonntagsmesse mit Papst Franziskus im Metropark war der Weltjugendtag (WJT) 2019 offiziell beendet. Am Abend kehrte ich mit meinen drei Mitbewohnern zu unseren Gasteltern zurück, die uns noch bis zu unserer Abreise am Mittwoch den 30.01 bei sich aufnahmen. An dieser Stelle sei ein großes Dankeschön an unsere Gasteltern Jutta und Billy gerichtet, sowie an alle Familien, die während des WJTs Pilger aufgenommen und so die Zeit in Panama noch wertvoller gemacht haben. Jutta und Billy hatten für die meiste Zeit des WJTs sogar acht Pilger bei sich im Haus (am Rande des Dschungels) untergebracht. Mehrmals betonten sie, dass ihr Haus unser Haus sei. Darüber hinaus waren sie sehr neugierig was wir in "ihrem" Land erleben und waren auch offenen Herzens, um über ihre eigene Geschichte und aus ihrem Leben im schönsten Land der Welt zu berichten. In jedem Fall hatten sie zu jedem Pilger, der ihnen mehr oder weniger zugeteilt wurde, ihr Ja gesprochen. Dankeschön!

Am Montag stand für unsere gesamte Berlin-Gruppe der Besuch bei zwei Adveniat-Hilfsprojekten an. Eine Gruppe besuchte eine ambulante Hilfseinrichtung für Drogenabhängige. Ich fuhr gemeinsam mit zwanzig hellwachen Berlinern mit dem Bus zum "Casa Hogar el buen Samaritano". Ein Haus, dessen Türen für HIV-Infizierte offen stehen.

Kurz vor seiner Abreise hat auch Papst Franziskus dieses Hilfsprojekt besucht. Seine Ansprache an diesem Ort ist hier zu finden: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-01/papst-franziskus-panama-wjt-2019-aids-zentrum-wortlaut-rede.html 

Momentan leben im Haus Hogar achtzehn Bewohner. Ein großer Teil davon begrüßte uns auch direkt bei der Ankunft am Haus und schaffte Raum für Begegnung. Anschließend gab uns der Leiter des Hauses einen Überblick über die Arbeit in der Hilfseinrichtung und über das Leben mit HIV. Für mich ist es bemerkenswert, dass diese chronische Krankheit mit Medikamenten und einer bestimmten Lebensweise in den Griff zu bekommen ist und die infizierten Menschen ein klares Ziel für ihre Zukunft haben können. Gegen Ende unseres Besuches durften wir noch zwei Zeugnisse zweier junger Bewohner hören. Ich bemerkte dabei, wie wichtig es für diese Menschen ist, einen Ort gefunden zu haben, an dem sie ankommen und aufbrechen dürfen und an dem die Barmherzigkeit Gottes in der Nächstenliebe konkret wird.

Sightseeing und Ausflug mit Hindernissen

Am Nachmittag hatte ich mich entschieden die Altstadt von Panama zu besichtigen. Ohne die vielen Pilger ist die Casco Viejo (wie die Altstadt genannt wird) mit ihren vielen kleinen Plätzen und Kirchen, Gebäuden aus der Kolonialzeit und natürlich der Meeresnähe ein nahezu idyllischer Ort. In den Abendstunden konnte ich dann noch an der Uferpromenade die Weite des Pazifiks genießen, ehe es zurück zu meinen Gasteltern an den Rand des Dschungels ging.

Der Dienstag war für uns ein richtiger Ausflugstag. Mit zwei Bussen durchquerten wir das Land von der Pazifik-bis zur Atlantikküste und machten einen kurzen Halt in der kleinen Hafenstadt Portobelo. Die Festungsanlagen des Hafens sind schon sehr zerfallen, dienen uns aber noch für einige Karibik-Schnappschüsse an den Kanonen der Kolonialzeit.

Unser zweites und eigentliches Ziel ist der Strand auf der Insel "Isla Grande", auf die wir mit mehreren Motorbooten gebracht werden. Leider kommen unsere zwei Gruppen nicht zeitgleich auf der Insel an, da einem Reifen an einem der Busse die Luft ausging. Da wir als Pilger nicht Mitglied in einem panamaischen Autoclub sind, brauchte es mehr als ein Anruf, um den kaputten Reifen zu ersetzen. Vor allem aber brauchte es Geduld, die wir aber zum Glück zuvor mit der Pura-Vida-Mentalität in Costa Rica gelernt hatten. Während also der eine Teil unserer Gruppe am Straßenrand schwitzte, konnte ich das Baden in der Karibik schon über mich ergehen lassen ;-)

Abschied nehmen

Am Mittwoch morgen feierten wir ein letztes Mal die Heilige Messe in Panama, zu der auch unsere Gastfamilien eingeladen waren.

Die Gemeinde Jean-Marie Vianney wird uns gut in Erinnerung bleiben. Hier wurden wir herzlich empfangen, hier wurden wir herzlich verabschiedet. Die Fahrt mit dem Bus zum Flughafen verlief ohne Probleme und unser Flugzeug hob pünktlich Richtung Deutschland ab. Die Reise durch Raum und Zeit verging für mich ziemlich schnell. Am Temperaturunterschied von über zwanzig Grad Celsius zwischen Panama und Deutschland kann dies aber sicher nicht gelegen haben.

Die Pilgerfahrt geht weiter

Siehe ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort. (Lk 1,38). Maria nahm das Geschenk Gottes mit Liebe an und bewahrte es in ihrem Herzen. Ich komme nun auch beschenkt nach Berlin zurück.
Wie kann ich nun die Geschenke der Begegnungen, die Freude am Evangelium und die Erfahrung der Einheit in Christus bewahren? Heute haben mich dazu zwei Dinge aus dem Tagesevangelium angesprochen: Geduld und Zuversicht.

Ich danke allen die den Weltjugendtag 2019 in Panama und Costa Rica für uns möglich gemacht haben und hoffe auch, dass wir mit unseren Eindrücken die Freude auf unserer Pilgerreise teilen konnten.