"Schluss mit der Männerkirche"Auf ein Wort mit Barbara John

Foto: Michael Baudisch, Pfarrvriefservice.de

Verängstigt zieht eine Schildkröte Kopf und Beine unter den Panzer und wartet. Nachdem die größten Gefahren vorbei zu sein scheinen, krabbelt sie munter weiter. So wurde der Bevölkerung in der Zeit des Kalten Krieges filmisch die richtige Schutzhaltung bei Atombombenexplosionen vorgeführt.

Abwartend, gefahrbewusst und darauf hoffend, unbeschadet weiter zu machen wie bisher – so erleben Frauen im Berliner Katholischen Frauenbund trotz Eingeständnissen von Scham die Reaktionen der Amtskirche auf die Missbrauchsstudie. Darin geht es um tausendfache sexuell-körperliche, psychische und geistliche Gewalt an Kindern und Erwachsenen, begangen von Priestern. Wir wissen aus neueren Befragungen (Universität Ulm), dass die Zahlen wahrscheinlich nur eine untere Größe der Gewaltdelikte darstellen. Die Kirche schwieg jahrzehntelang und hätte ihr Schweigen fortgesetzt, wenn sich nicht die Opfer selbst an die Öffentlichkeit gewandt hätten. Ähnlich verhält es sich mit dem Missbrauch an Ordensfrauen in Klöstern, dokumentiert in dem Arte-Film „Gottes missbrauchte Dienerinnen“.

Wir Frauen im KDFB sind uns im Klaren darüber, dass wir mitschuldig sind, wenn wir dem Vertuschen und den Tätern durch Schweigen Raum geben. Wie sollen Täter, Mitwisser und Vertuscher Verbrechen aufklären und verhindern helfen, die sie selbst begangen, gekannt und totgeschwiegen haben?
Frauen bilden weltweit die Mehrheit der Getauften. In Weiheämtern kommen sie allerdings nicht vor. So sieht die kirchenrechtlich festgeschriebene Missachtung, Geringschätzung und zugewiesene Unterordnung von Frauen in der katholischen Kirche aus, die in erster Linie dem Klerus und der Darstellung von weiblicher Hingabe und Gehorsam dient.

Das kann so nicht bleiben.

Die Kirche zu verlassen ist eine Option, stärkt aber nur das bestehende klerikale Machtgefüge. Deshalb fordern wir KDFB-Frauen den Berliner Erzbischof Koch auf, sich für den Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern einzusetzen, in der Bischofskonferenz und im Vatikan.