Seelsorge für den Stadtmenschen

Foto: Markus Nowak

Seit fünf Jahren macht das Herz-Jesu-Kloster Berlin „pastorale Experimente“ – am 21. April 2018 öffnet die internationale Gemeinschaft am „Tag der offenen Klöster“ ihre Klosterpforte.

Ein gewisses Herzklopfen haben sich die Patres Ryszard Krupa SCJ und Markus Mönch SCJ erhalten, wenn sie am Altar Besucher begrüßen. Nicht vor den regelmäßigen Gottesdiensten in der Klosterkirche Mater Dolorosa. Das kleine „Lampenfieber“ tritt bei den beiden vielmehr vor den unterschiedlichen Aktionen des Herz-Jesu-Klosters auf. „Wir wissen nie, ob das Format bei den Menschen ankommt“, sagt Pater Mönch. „Wir sind aber immer guter Dinge und lagen nie daneben“, sagt Pater Krupa. Seit fünf Jahren versucht die Ordensgemeinschaft, die Menschen in Berlin mit innovativen Angeboten anzusprechen – mit stetigem Erfolg.

Kindergottesdienste mit Plüschtieren, Andachten für Singles, Wandertage im Brandenburger Umland oder Kneipengespräche über den Glauben – das Herz-Jesu-Kloster geht innovative Wege in der City-Pastoral. Nicht alle Aktionen des Klosters seien „kirchentypisch“, sagt Pater Mönch. „Aber gerade das wollen wir: Die Kirchenschwelle insbesondere auch für Menschen ebnen, die der Kirche nicht nahestehen.“ Das gehe vor allem mit neuen Formaten, was auch nicht immer ein leichtes Unterfangen war, erinnert sich Pater Krupa an die Anfänge des Klosters in Berlin.

„Was die Menschen bewegt“

„Wir sind nach Berlin gekommen, um für die Menschen da zu sein“, sagt der Ordensmann. Seine Mitbrüder leiten daher die katholische Pfarrei Corpus Christi, die Gemeinde der portugiesischsprachigen Katholiken und Pater Krupa als auch Pater Mönch sind zusätzlich in der Krankenhausseelsorge tätig. „Wir wollten ganz bewusst in den Osten der Stadt, wo die Katholiken in der Minderheit sind.“ Zunächst arbeitete das Kloster eng mit dem Erzbistum bei der sogenannten „Suchendenpastoral“ zusammen. „Wobei wir selbst die Suchenden waren“, erinnert sich Pater Krupa. Denn zuerst galt es, die Menschen kennenzulernen und nach Wegen zu suchen, wie man ihnen begegnen kann. „Wir wollten verstehen, was die Menschen bewegt, und ihnen eine Antwort aufzeigen, die aus dem Glauben an Jesus kommt“, sagt Pater Krupa.

„Wir versuchten es über die Kunst“, sagt Pater Mönch. „Denn Kunst öffnet die Herzen.“ Ob Konzerte in der Klosterkirche oder Theaterstücke in der Aula des Edith-Stein-Schulzentrums. Langsam sprach sich herum, dass sich im Innenhof der Greifswalder Straße 18 eine Art „Kulturkiezkloster“ etabliert. Hinzu kamen Versuche, auch außerhalb der Klostermauern Veranstaltungen durchzuführen. Doch hier sei der Wettbewerb in Berlin hart, erinnert sich Pater Mönch an das Ausbleiben von Gästen.
Herausforderung neue Besucher anzusprechen

Dennoch gaben die Herz-Jesu-Priester die Mission ihres Gründers Leo Dehon nicht auf. „Geht zu den Menschen“ sagte einst der französische Theologe, und so bietet Pater Krupa etwa monatliche Gespräche über den Glauben in einer Kiezkneipe an. „Wir wollen die Menschen treffen, wo sie sind. Und wenn es an der Kneipentheke ist“, sagt der polnische Pater. „Gerade junge Menschen kommen selten in die Kirche, sind dagegen oft abends in Bars.“ Als „gesetzt“ gilt das Kloster im Bötzowkiez beim jährlichen Straßenfest oder dem „lebendigen Adventskalender“.

Dutzendfach waren die pastoralen Innovationen des Klosters in den Medien der Hauptstadt und sogar bundesweit. „Wenn die Kirche Tinder spielt“ lautete die Überschrift der „Welt“ über die Singles-Andachten im Februar oder „Prost, Priester! Die nächste Runde geht auf Gott“ schrieb die Boulevard-Zeitung „Berliner Kurier“ über die Reihe „Über Gott bei Gagarin“. Oft ist viel Augenzwinkern dabei. „Wie in manchen Flyern, mit denen wir uns neue Zielgruppen erschließen“, sagt Pater Krupa. „Wir müssen eine weltliche Sprache sprechen, um attraktiv zu sein.“ Denn neue Besucher werden nur selten über die „Vermeldungen“ im Gottesdienst angesprochen, so die Erfahrung.

Lampenfieber auch nach fünf Jahren

Der Erfolg kann sich sehen lassen: Bei besonderen Konzerten wie der adventlichen Reihe „Jazz before Christmas“ ist die Klosterkirche mit bis zu 200 Besuchern restlos gefüllt, bei den geistlichen Wanderungen kommen zwischen 20 und 30 Personen mit, eine ähnlich starke Gruppe versammelt sich alle zwei Monate zu Taizé-Meditationen und bei Weinverkostungen. „Das zeigt, dass die Menschen offen sind für kirchliche Angebote, auch in einer solch bunten Stadt wie Berlin“, glaubt Pater Markus. Und so hören sie nicht auf, sich neue Formate auszudenken und sie auszuprobieren.

So wurde schon 2016 ein urbaner Klostergarten im Innenhof gepflanzt und Teilnehmende konnten sich Blumenbeete pachten. 2017 begannen die Ordensmänner „Mit der Bibel im Gepäck“ alle drei Monate zu wandern und merkten, dass viele Berliner den Jakobsweg in Brandenburg ebenso schätzen. In diesem Jahr sind daher Zwei-Tagestouren durch die Mark geben. „Die Seelsorge ist bei uns ganz individuell“, sagt Pater Krupa. Und weil sie nicht wissen, wie ihre neuen Formate ankommen, bringen sie dieses gewisse „Lampenfieber“. Und das ist gerade das Besondere.

Ein wenig Lampenfieber wird die Gemeinschaft aus vier Patres auch am 21. April 2018 haben. Denn beteiligt sie sich am „Tag der offenen Klöster“. Die Deutsche Ordensobernkonferenz veranstaltet den bundesweiten Aktionstag unter dem Motto „Gut. Wir sind da.“ und die Berliner Kommunität bietet dazu ein buntes Programm. Start ist um 14:45 Uhr mit Kaffee & Kuchen, um 15:15 Uhr sprechen Dominikanerinnen, die zuvor in den Kloster gearbeitet haben, von Ihrem früheren Alltag, um 16:00 Uhr wird die Kunsthistorikerin Dr. Christine Goetz auf die Geschichte des Gebäudekomplexes eingehen, ab 16:45 Uhr ist eine Besichtigung des Klosters möglich, um 17:30 Uhr gibt es eine Anbetung & Vesper. Eintritt zu allen Veranstaltungen kostenfrei.

Hintergrund

Vier Herz-Jesu-Priester aus drei Ländern bilden die internationale Kommunität der Dehonianer in Berlin. Das ehemalige Katharinenstift, in dem das Kloster der Herz-Jesu-Priester liegt, zählt zu den ältesten Gebäuden der Greifswalder Straße in Berlin-Prenzlauer Berg: Im roten Backsteinbau aus dem Ende des 19. Jahrhunderts lebten und wirkten einst Dominikanerinnen. Heute befindet sich an dieser Stelle auch das Edith-Stein-Schulzentrum, das junge Menschen für soziale Berufe vorbereitet.

Unter dem Namen Herz-Jesu-Kloster Berlin bietet der Orden unterschiedliche Veranstaltungen, um Berührungspunkte auch für Menschen, die der Kirche nicht nahe stehen, zu bieten: Vom Anlegen eines urbanen Klostergartens über Gottesdienste für Singles am Valentinstag oder Hip-Hop-Konzerte mit rappenden Priestern. Eingeladen sind alle Menschen, unabhängig davon, ob religiös geprägt oder ohne Konfession.

Darüber hinaus sind die Patres aus Brasilien, Deutschland und Polen in der Pastoral tätig und leiten die Pfarrei Corpus Christi und die portugiesischsprachige Gemeinde in Berlin und sind als Krankenhausseelsorger aktiv.
Die katholische Gemeinschaft der Herz-Jesu-Priester wurde von dem Franzosen Leon Dehon (1843-1925) gegründet, von dem auch die Ableitung des Namens Dehonianer stammt. Weltweit gibt es 2.300 Ordensangehörige in 42 Ländern, allein mehr als 60 in Deutschland.

Zum zweiten Mal laden die Ordensgemeinschaften in Deutschland und darüber hinaus im Jahr 2018 zu einem Tag der offenen Klöster ein. Unter dem Motto Gut. Wir sind da. öffnen am 21. April 2018 viele Klöster ihre Pforten. Wir laden zu einem Fest der Begegnung ein.