Weiter gehen!Kommentar für die evang. Wochenzeitung „Die Kirche“ zum Treffen von Papst Franziskus mit dem Lutherischen Weltbund in Lund am 31. Oktober 2016

Die Erklärung von Lund reiht sich ein in die große und nunmehr fast 50-jährige Tradition katholisch-lutherischer Konsensgespräche. Dank ihnen können die Kontroversen früherer Jahrhunderte in Fragen der Rechtfertigung, der Eucharistie, des Amtes sowie von Schrift und Tradition zu einem großen Teil als überwunden gelten. So hielt es bereits 2013 die „Internationale Lutherisch/Römische Kommission für die Einheit“ fest. Natürlich bleiben in bestimmten Fragen erhebliche Differenzpunkte bestehen. Aber die Lund-Erklärung bekräftigt doch den eingeschlagenen Weg vom Konflikt zur Gemeinschaft mit allem Nachdruck. Und das mit der größtmöglichen Autorität: Nicht theologische Kommissionen, sondern der Präsident des Lutherischen Weltbundes, Mounib Younan, und Papst Franziskus erklären übereinstimmend ihren Willen zur Gemeinschaft. „Alle lutherischen und katholischen Gemeinden und Gemeinschaften“, also auch wir in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz und im Erzbistum Berlin, werden aufgefordert, „unerschrocken und schöpferisch, freudig und hoffnungsvoll (...) die große Reise, die vor uns liegt, fortzusetzen.“ Dahinter können wir nicht mehr zurück.

Die verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinden haben schon in der früheren DDR ein tiefes geistliches, aber auch sehr praktisches Miteinander erfahren. Einer half dem anderen zu leben und zu überleben, gegen den enormen politischen und gesellschaftlichen Druck, der damals herrschte. Noch heute ist etwas zu spüren von diesem Miteinander, das sich damals bewährte: Die gelebte Ökumene des Alltags ist hierzulande prägend geworden, ja, weithin selbstverständlich. Auch auf der Ebene der Kirchenleitungen herrscht ein aufrichtiges und herzliches Miteinander. Selbst wo man theologisch nicht im Konsens ist, wird die Sicht des anderen als Bereicherung und konstruktive Anfrage, aber nicht als Bedrohung gesehen und angenommen. Ökumene ist weit mehr als nur der kleinste gemeinsame Nenner in theologischen und auch in ethischen Fragen.

Wir sind auf dem Weg, doch noch lange nicht am Ziel. Wohl niemand erfährt die Trennung schmerzlicher als die, „die ihr ganzes Leben teilen, aber Gottes erlösende Gegenwart im eucharistischen Mahl nicht teilen können. Wir erkennen unsere gemeinsame pastorale Verantwortung, dem geistlichen Hunger und Durst unserer Menschen, eins zu sein in Christus, zu begegnen“, schreiben Präsident Younan und Papst Franziskus. Auch mir brennt die Frage der Eucharistiegemeinschaft in konfessionsverbindenden Ehen auf der Seele. Natürlich kann ich nicht einfach darüber schweigen, dass die Eucharistiegemeinschaft aus katholischer Sicht immer die Kirchengemeinschaft zur Voraussetzung hat – mit all den Fragen und Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben. Aber ich will auch an dieser Stelle gerne das mir Mögliche tun, um meine Verantwortung wahrzunehmen – „unerschrocken und schöpferisch, freudig und hoffnungsvoll“.