Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

"Werk der Liebe und Zuwendung"Abschied der Arenberger Dominikanerinnen

Nach 78 Jahren tätiger Nächstenliebe lösen die Arenberger Dominikanerinnen ihren Konvent in Michendorf in diesem Jahr endgültig auf. In einem großen Dank- und Festgottesdienst bedanken sich die Pfarrgemeinde St. Cäcilia, geistliche Wegbegleiter, Schülerinnen, Mitarbeiter, Freunde und Kommune am Sonntag, 26. Mai 2019 für die langen Jahre des unermüdlichen Wirkens und des überzeugenden Glaubensbekenntnisses.

Im April 1941 gründeten vier Arenberger Dominikanerinnen, Schwestern der Heiligen Katharina von Siena, auf dem Wolkenberg in Michendorf einen kleinen Konvent. Das Leben als Ordensgemeinschaft aber war massiv erschwert von behördlicher Willkür. Dennoch betrieben die Schwestern in sehr beengten räumlichen Verhältnissen ein Erholungsheim. Nach Luftangriffen auf Niederlassungen in Berlin im Jahr 1943 kamen zahlreiche Schwestern und mit ihnen eine Flut neuer Aufgaben auf den Michendorfer Konvent zu. Das Kriegsende spülte unzählige Verwundete in die Gegend um Berlin: über Nacht schafften die Schwestern provisorischen Platz für zahllose Patienten.

Gottesdienst zu feiern war von Beginn an noch ungleich schwieriger: Erst 1943 konnten die Schwestern in einer umgebauten Garage einen ersten Gottesdienst auf eigenem Gelände feiern. Die Einweihung der heute noch von St. Cäcilia genutzten Josephskapelle – entstanden in einer ehemaligen Remise – feierten die Schwestern im Sommer 1946.

Auch nach dem Krieg machten staatliche Behörden den Schwestern das Leben schwer und erzwangen 1947 die Umgestaltung des Krankenhauses in eine Kinderheilstätte, Grundstein für die endgültige Aufgabe auf dem Wolkenberg. Mitte der 1950e-Jahre erfolgte dann der Schritt hin zum Heim für geistig behinderte Kinder; seither war die Förderung, Begleitung und Unterstützung mehrfach schwerstbehinderter Kinder der Schwerpunkt des Norberthauses. Auf dem Wolkenberg erfüllten die Dominikanerinnen ein Werk der Liebe und Zuwendung; sie fanden trotz schwieriger äußerer Bedingungen Mittel und Wege, den Kindern ein erfülltes und freudvolles Leben zu schenken, Kindern, die oft von ihren Familien verlassen waren und vor der Gesellschaft versteckt werden sollten. Damit diese Kinder ihr liebgewordenes Zuhause nicht verlassen mussten, entwickelten sie parallel eine Wohnstätte für geistig behinderte Erwachsene. So leben heute zahlreiche Schützlinge der Schwestern im Haus St. Norbert in Michendorf. Sie bereichern das Leben der Pfarrei St. Cäcilia auf ihre ganz eigene unnachahmliche Weise voller Freude am Leben und am Nächsten.

Die von den Dominikanerinnen in schwieriger Zeit und unter widrigsten Bedingungen unter zwei totalitären Systemen aufgebaute Einrichtung tätiger Nächstenliebe übergab die Kongregation 1997 in die neue Trägerschaft des Deutschen Ordens. Nach und nach verließen Schwestern Michendorf, um andernorts für ihren Orden tätig zu sein; einige aber durften als „Rentnerinnen“ bleiben. Die besondere räumliche Situation und das außergewöhnliche Charisma dieser Schwestern macht die sehr enge Verbundenheit des klösterlichen Alltags mit dem Gemeindeleben möglich.

Den Schwestern verdankt die Pfarrgemeinde St. Cäcilia ihren ganz besonderen Charakter als inklusive Gemeinde mit einer ausdrücklichen Willkommenskultur für alle Menschen. Gemäß ihrer Ordensregel tätig – beschaulich arbeiten und beten die verbliebenen sechs Schwestern unter ihrer Priorin Sr. M. Waltrudis für die Pfarrgemeinde, für die Menschen, denen sie auf ihren Gängen durch den Ort begegnen, für ihre liebgewordenen Bewohner des Hauses St. Norbert. Ihr Leben stand und steht vollständig im Zeichen tiefster Frömmigkeit und der Bereitschaft, das ganze Sein in den Dienst Gottes und der Menschen zu stellen. Nach 78 Jahren geht nun eine Ära zu Ende. Herzlichen Dank und Gottes Segen!

Interview mit Priorin Sr. M. Waltrudis