Schlaglicht

aus dem Erzbistum Berlin

Wie klinge ich eigentlich?Die Stimme des Erzbistums bei Radio Paradiso

Foto: nh

Die Stimme eines Menschen sagt viel über ihn aus. Sie vermittelt nicht nur reine Information, sondern erzeugt auch Stimmungen. „Die Stimme ist ein ganz wichtiger Faktor“, findet Susanne Trotzki. Die Moderatorin von Radio Paradiso erklärt im Interview, was eine gute Stimme ausmacht und worauf etwa bei einer Predigt im Gottesdienst zu achten ist. „Wer eine Predigt hält, sollte wissen, wie er seine Stimme einsetzt“, sagt sie.

Frau Trotzki, Sie sind „die Stimme“ des Erzbistums bei Radio Paradiso. Achten Sie als Moderatorin im Umgang mit Menschen eigentlich in besonderer Weise auf die Stimme?

Die Stimme ist tatsächlich immer das Allererste, was mir auffällt. Häufig lerne ich Menschen nur am Telefon kennen, etwa Hörer meiner Sendung. Bei solchen Gesprächen kann ich mich ausschließlich auf die Stimme einlassen. Zugleich weiß ich, dass ich dem Gegenüber mit meiner eigenen Stimme Vertrauen schenken kann. Ich finde, die Stimme ist ein ganz wichtiger Faktor.

Was macht für Sie diesen Faktor, also eine „gute Stimme“, aus?

Das ist knifflig. Es kommt natürlich darauf an, was vermittelt werden soll. Auf jeden Fall kann eine Stimme durch den Klang das Gesagte unterstreichen und Stimmung erzeugen. Das ist ein hohes Gut. Spreche ich über ein ernstes Thema, etwa über Tod und Sterben, ist die Tonlage natürlich völlig anders als bei einer lockeren Unterhaltung. Neulich hatte ich zum Beispiel eine Mutter im Gespräch, die ihren Sohn durch Krebs verloren hat. Da musste ich in der Gesprächsführung schon darauf achten einerseits nicht zu sentimental oder pathetisch zu klingen und andererseits der Situation und der Ernsthaftigkeit des Themas durch einen würdevollen Klang gerecht zu werden.

Jüngst ging es in Ihrer Sendung „Kirchplatz“ um die Frage, wodurch sich jemand auszeichnen sollte, der vor einer Gemeinde steht und predigt. Er sollte zwar kein Schauspieler sein, sich aber doch manches abgucken: nicht nur eine bewusste Körpersprache, sondern auch die passende Stimme. Worauf ist bei einer Predigt im Gottesdienst stimmlich unbedingt zu achten?

Die Botschaft sollte auch durch die Art und Weise, wie sie erzählt wird, fesseln. Unerlässlich ist, dass laut und deutlich genug gesprochen wird. Aber auch andere Faktoren klassischer Rhetorik können eine Predigt packend gestalten. Geht die Stimme etwa am Satzende etwas runter, kann das ein probates Mittel sein. Auch kann man versuchen, durch gezieltes Stellen von Fragen das Innere der Zuhörer zu erreichen. Wer eine Predigt hält, sollte auf jeden Fall genau wissen, wie er seine Stimme einsetzt. Manche mögen das vielleicht nicht für wichtig erachten. Ich denke aber, dass sich die meisten Geistlichen dessen sehr bewusst sind.

Welche Stimmen von Prominenten finden Sie besonders markant?

Die Stimme verführt ja auch dazu, die eigene Phantasie einzusetzen und als „Kind der Hörspielkassette“ bin ich schon recht früh an markante Sprecherstimmen herangeführt worden. Wohl auch deshalb achte ich bis heute im Kino auf die deutschen Synchron-Stimmen der Hollywood- Schauspieler. Ganz faszinierend sind zum Beispiel Dietmar Wunder für Daniel Craig, Leon Boden für Denzel Washington oder Daniela Hoffmann als Julia Roberts.

Und Geistliche? Was hat etwa Papst Franziskus für eine Stimme?

Papst Franziskus passt fantastisch in unsere mediale Zeit. Seine ersten Worte als Papst auf dem Balkon des Petersdoms in Rom waren „Buona sera“, ganz einfach und für jeden verständlich: „Guten Abend“. Das kam sehr gut an, das war großartig. Der Papst konzentriert sich auf das Wesentliche und er weiß, was die Menschen bewegt. Das entfaltet sich natürlich auch in seiner Stimme – als einen prägenden Bestandteil der Aura.

Wie nehmen Sie die Stimme von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki wahr?

Auch Kardinal Woelki weiß sehr gut, wie er seine Stimme einsetzen kann. Er ist ein junger, sehr dynamischer Kardinal, der vor allen Dingen dann brilliert, wie ich finde, wenn er sich im Gespräch auf seinen Gegenüber einlässt, egal ob das ein erfahrener Medienprofi ist oder ein ganz normaler Bürger. Wenn er frei von festen Texten ist, spürt man das Charisma, das er hat, und je nach #ema die Ernsthaftigkeit oder auch den Witz und Charme – in seinem gesamten Auftreten, seinen Worten und seiner Stimme.

Und was halten Sie von Ihrer eigenen Stimme?

Sie ist nicht zu hoch, nicht zu tief, sondern voll. Ich habe mich gut an sie gewöhnt. (lacht)

Wie kann man die Stimme verbessern? Welchen Tipp für Jedermann gibt die Radiomoderatorin?

Laut lesen hilft, jeden Tag ein bisschen, egal ob es ein Werbeplakat ist, ein Kochrezept, ein Zeitungsartikel oder eine Stelle aus der Bibel. Wie klinge ich eigentlich? Das ist eine Frage, die jeden fasziniert. Anfangs mag es vielen noch etwas befremdlich erscheinen, die eigene Stimme zu hören. Lautes Lesen trainiert die Stimme und auch das Selbstbewusstsein.