Wurstl con KrautiRom in Berlin: Prälat Tobias Przytarski hat in der Ewigen Stadt Theologie und Kirchenrecht studiert

Foto: Walter Wetzler

Den Papst, die Weltkirche und 2000 Jahre Christentum erleben – das hatte den 15-jährigen Tobias Przytarski derart überwältigt, dass sich der bis dato Ungetaufte für den katholischen Glauben entschied. Zur Bistumswallfahrt im Oktober kehrt er nach Rom zurück.

Prälat Tobias Przytarski ist auf ein humanistisches Gymnasium gegangen, auf dem es üblich war, Rom oder Griechenland zu besuchen. Seine Klassenfahrt ging nach Rom, dort ist er – praktisch nebenbei – erstmals der katholischen Kirche begegnet. Doch er sollte den Glauben dort in Rom noch viel intensiver kennenlernen: Prälat Przytarski studierte dort später auch Theologie und Kirchenrecht. „Der damalige Theologenreferent Prälat Haendly teilte mir mit, dass es der Wunsch des Bischofs sei, dass ich nach Rom gehe“, erzählt er heute. „Ich denke, dass hatte nichts mit meiner Person zu tun, die Alt-Germaniker hatten Kardinal Bengsch einfach davon überzeugt, dass es nach vielen Jahren sinnvoll sei, wieder Priesteramtskandidaten aus Berlin nach Rom zu schicken.“

Das Studium in Rom beschreibt Przytarski als äußerst spannend, vor allem wegen seiner Internationalität: „Es kommen Menschen aus aller Herren Länder, auch aus anderen Kontinenten.“ Von 1980 bis 1985 studierte er dort. Quasi zwischendurch empfing er 1984 seine Priesterweihe.

Flug- oder Bahnstreik? Oder beides?

Obwohl er als Seminarist „vergleichsweise separiert gelebt“ habe, konnte er doch „tiefer in die Lebensverhältnisse eintauchen“, beschreibt er sein Leben in Rom. „Vor Weihnachten haben wir uns immer gefragt: ‚Na, wo wird jetzt gestreikt? Am Bahnhof? Am Flughafen? Oder sowohl als auch?‘“ Typisch für Rom sei aber auch, dass dessen Bewohner – und Italiener allgemein – lieber improvisieren als planen. „Das ist erst nett“, urteilt Przytarski wohlwollend, „doch irgendwann merkt man dann, wie sich einem die Faust in der Tasche ballt ...“

Und dann ist da natürlich noch der „kreative Umgang mit Verkehrsregeln“, wie der Prälat sich ausdrückt: „Es ist ein ungeschriebenenes Gesetz in Rom, dass jemand, der ein weißes Taschentuch aus dem Fenster hält, eine Hochschwangere ins Krankenhaus fährt“, hat Przytarski erfahren. Einmal hat er beobachtet, dass die Polizei einen einzelnen Autofahrer angehalten hat, der genau das getan hat – ohne schwangere Frau oder einen anderen Notfall an Bord. „Der Carabinieri nahm den Führerschein dieses Autofahrers – und zerriss ihn! Ungeschriebene Gesetze zu brechen ist manchmal schlimmer als gegen schriftlich fixierte Regeln zu verstoßen.“

Die Lieblingsorte des Prälaten

Sein Lieblingsort in Rom ist das Pantheon – das Vorbild der St.- Hedwigs-Kathedrale. „Während der Bistumswallfahrt singt dort für uns der Hedwigschor. Das Pantheon wird dann extra für uns geschlossen.“ Auch die Basilika Santa Prassede, seine Primizkirche, empfiehlt er als Ziel während der Bistumswallfahrt: „Sie ist wegen ihrer Mosaiken bekannt und die Geißelsäule Christi wird dort aufbewahrt.“

Von einer Fahrt ans Meer sollten die Wallfahrer hingegen lieber absehen. „Als ich dort gelebt habe, war es dort nicht angenehm“, umschreibt Przytarski dreckige Strände. „Aber das kann sich inzwischen natürlich geändert haben. Ich empfehle für eine Fahrt hinaus dennoch das Landesinnere. Frascati, Tivoli oder Castel Gandolfo, die Sommerresidenz des Papstes.“ Wer trotzdem lieber ans Wasser will, dem legt der Prälat den Nemisee ans Herz.

Innerhalb von vier Tagen Bistumswallfahrt sollte niemand Heimweh bekommen. Doch wer sich von etwas typisch Deutschem in Italien überraschen lassen will, kann in der Kirche Santa Maria dell‘Anima die Architektur einer deutschen Hallenkirche besichtigen. „Deutsche Bäcker und ihr Brot waren im 16. Jahrhundert in Rom sehr angesagt. Viele von ihnen haben für diese Kirche gestiftet“, weiß Przytarski. „Zahlreiche deutsche Künstler haben die Kirche ausgestattet. Trotzdem ist die Gesamtwirkung dann doch ziemlich römisch.“ Heimweh hatte Przytarski während seines Studiums eigentlich nicht. Dennoch: Die „Heimweh- Bastion“ des Studenten Przytarski war ein für die Italiener exotisches Restaurant. Dort stand beispielsweise „Wurstl con Krauti“ auf der Speisekarte.