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Flirten auf katholisch

12. Juni 2017 Von Genevieve Hesse

Foto: Kathklub

Für die Single-Party für Katholiken empfiehlt Dominikanerpater Michael, sich „peu à peu“ zu umarmen. Carlo Murru vom Kathklub ist da direkter und möchte das Näherkommen mit Musik beschleunigen.

Mit einem Zitat aus der Bibel begrüßt Dominikanerpater Michael die rund hundert Frauen und Männer im Festsaal der Gemeinde Sankt Paulus. An diesem Samstagabend im Mai findet zum elften Mal seit fünf Jahren eine Single-Party für Katholiken in Berlin-Tiergarten statt. Wer dabei ist, hat sich einige Tage vorher
mit Vornamen, Alter und Hinweis auf die eigene Gemeinde angemeldet. Am Empfang verteilt der
Veranstalter Carlo Murru Etiketten mit Vornamen – Duzen ist angesagt. Das Mindestalter ist 21, viele Teilnehmer sind unter 40 – vereinzelt sind aber auch graue oder weiße Haare zu erkennen.

Fromme Worte und gedimmtes Licht

„Alles hat seine Zeit“, bezieht sich der Geistliche auf das Buch Kohelet: „Eine Zeit für die Klage“ und eine „für den Tanz“, eine „zum Umarmen“ und eine, um „die Umarmung zu lösen“. Heute sollten die Gäste es sich „gut gehen lassen“ – dennoch beim Tanzen die Umarmung „schön langsam, peu à peu“ gestalten. Auf der kleinen Bühne ergänzt Carlo den frommen Part mit einem spitzbübischen Hinweis auf das gedimmte
Licht später beim Tanz: „Mit der Umarmung darf es dann auch etwas schneller gehen“.

Die Teilnehmer haben selbst für die leibliche Verpflegung gesorgt. Was übrig bleibt, wird einem Obdachlosentreff gespendet. Nach dem Essen folgt ein Spiel mit Bingo zum Kennenlernen und Zeit zum freien Austausch. Anschließlich wird bei Popmusik getanzt. Im Laufe des Abends folgen die Gäste eher dem geistlichen Rat und gehen gesittet katholischmiteinander um. Carlo weiß von drei Ehen, die in fünf Jahren aus dem Kathklub entstanden sind: „Es sind aber sicher mehr, nicht alle berichten darüber. Ich weiß außerdem, dass Einige eine Weile nicht mehr kommen – und dann wieder als Single.“ In ihrer polnischen Gemeinde entdeckte die 38-jährige Agata einen Werbezettel von Kathklub. Sie hat ihre 30-jährige Freundin Emilia überzeugt, heute Abend mitzukommen.

Sie wollen sich „überraschen lassen“. Emilia wirkt etwas skeptisch, aber sie findet es hier immerhin besser als im Internet: „Ich bin altmodisch, ich möchte die Menschen lieber direkt erleben. Ein Foto kann sehr irreführend sein.“ Beide wünschen sich einen katholischen Mann, damit wir „nach der Verliebtheit auch in der Zukunft die gleichen Prioritäten haben, um die Kinder zu erziehen und gemeinsam in die Kirche zu gehen“.

Ohne Druck zum Liebesglück

Der 35-jährige Paul ist nicht unbedingt da, um „mit Druck“ eine Partnerin zu finden. Er freut sich einfach, „ein bisschen unter Katholiken zu sein“. Das sei in Berlin nicht so einfach und nach der Messe sei er eher der andächtige Typ, der nicht „das große Gespräch“ suche. Genauso „unverkrampft“ ist der 32-jährige
Georg zum fünften Mal dabei.

Mit der einen Frau, die er hier mal kennenlernte, ist es nichts geworden: „Sie hatte andere Vorstellungen über den Glauben. Sie wollte nur einen Mann, der bereit ist, in ihre Glaubensgemeinschaft zu kommen. Das war mir zu viel.“ Johannes aus Friedrichshain möchte sein Alter nicht verraten. Ihm gefällt beim Kathklub die „vertrauensvolle Atmosphäre, weil dieselbe Basis da ist“. Er findet es schön, hier immer wieder dieselben Leute zu treffen und mit ihnen zu feiern. „Carlo macht es sehr gut, wir lieben ihn“, schwärmt er.

Er musste schon mal Freunde bremsen, die auch kommen wollten, obwohl sie schon eine Partnerin haben: „Da üben wir eine gewisse, soziale Kontrolle aus“. Sollte Johannes eine Frau finden, dann kann er sich nicht vorstellen, dass sie nicht katholisch oder mindestens christlich ist. Der 57-jährige Wasław wirkt gelassen an einem runden Stehtisch. Eine katholische Frau fände er „sehr gut“, er kann sich aber vorstellen, eine nicht-gläubige Frau mit seiner „Überzeugungskraft in diesen Sachen“ anzustecken. Er lebt von seiner Frau seit sieben Jahren getrennt, aber er hat noch nicht den Impuls gehabt, sich scheiden zu lassen: „Wenn ich eine Partnerin habe – dann vielleicht.“

Wer sein Glück im Frühling nicht gefunden hat, kann es im Herbst am 18. November erneut probieren.
Anmeldungen unter: www.kathklub.org