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„Klein und wirksam“

20. April 2018 Cornelia Klaebe

Im weiteren Verlauf der Sitzung verabschiedete der Diözesanrat Satzung und Wahlordnung für die Pfarrei- und Gemeinderäte. Lesen Sie mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben.

Der Diözesanrat beschäftigte sich auf seiner Frühjahrs-Vollversammlung mit der Kirche in Brandenburg. Außerdem setzte sich die interne Diskussion um Verfahrensweisen fort.

In seiner Frühjahrsvollversammlung hat der Diözesanrat sich mit dem Thema „Kirche in Brandenburg – klein und wirksam“ beschäftigt. Passend zum Thema tagte er in der katholischen Marienschule in Potsdam. Einleitend begrüßte Schulleiter Thomas Rathmann die Laienvertreter des Erzbistums in seiner Schule und berichtete über deren Geschichte, die Wertevermittlung in der Schule, aber auch über Probleme – wie etwa die bessere Bezahlung von Lehrkräften an staatlichen Schulen und den damit verbundenen Konkurrenzdruck im Wettkampf um gutes Personal.

Respekt vor der Leistung der Gläubigen

In einer Diskussion im „Fishbowl“- Format (Bedeutung etwa „Goldfischglas“) wurde dann das Thema kontrovers angegangen. Moderatorin war Elisabeth Zschache, Diskussionsteilnehmer Landtagsvizepräsident Dieter Dombrowski (CDU), Helge Meves von der Bundesgeschäftsstelle der Linken, Schulleiter Thomas Rathmann und Diözesanratsmitglied Andreas Kaczynski, der brandenburgischer Vorstandsvorsitzender des Wohlfahrtsverbands „Der Paritätische“ ist. Auf zwei freie Plätze im Stuhlkreis konnten sich jeweils Zuhörer setzen, die sich in die Diskussion einschalten wollten.

Zur These, die Kirche in Brandenburg sei „klein und wirksam“ gab es vielfältige Zustimmung. Als Beispiel wurde die Existenz von drei katholischen Schulen genauso angeführt wie die Aktivität von Pfarrern in Flüchtlingshilfe- Initiativen. Landtagsvize Dombrowski, selbst Katholik, erzählte von beeindruckenden Glaubenszeugnissen der Diaspora- Gemeinden in den Dörfern.

Dieser Respekt vor dem großen Engagement prägte auch den weiteren Gesprächsverlauf: Dass man sich manchmal noch mehr Präsenz wünschen würde, aber dass bei der geringen Zahl von Katholiken es sehr beachtlich sei, was diese schon auf die Beine stellten. Gerade der konfessionslose Meves machte sich stark für Feiertagsruhe und gegen verkaufsoffene Sonntage: „Das sind sicher Tage der Besinnung für Christen, aber auch für alle anderen ist jeder Tag, der nicht durchökonomisiert ist, ein Gewinn“, sagte er. Einig waren sich die Diskutanden schließlich, dass die Kirche im Bereich der Wertevermittlung nicht ersetzbar sei.

Erneut nahm in der weiteren Sizung ein Ringen um Verfahrensfragen viel Raum ein. Im November hatten sieben Mitglieder beantragt, die Strukturen und Verfahrensweisen des Diözesanrats zu überarbeiten. Insbesondere wünschten sie sich mehr Beteiligung der Mitglieder (der Tag des Herrn berichtete). Als Schritt zur Umsetzung führte der Geschäftsführende Ausschuss jetzt erstmals eine Beteiligung an der Themenfindung ein: Für die nächste Sitzung im Herbst sollte sich die Versammlung für eins von zwei vorausgewählten Themen entscheiden: „Die Enzyklika Laudato si“ oder „Europa zwischen Identität und Selbstzerfleischung“.

Einige der Antragstellerinnen vom November zeigten sich unzufrieden mit diesem Versuch, ihrem Anliegen gerecht zu werden. Dass der Geschäftsführende Ausschuss eine Vorauswahl aus den zehn eingegangenen Themenvorschlägen getroffen hatte und die Versammlung nur noch zwischen zweien wählen konnte, nicht aber eigene einbringen, kritisierte Elisabeth Zschache: „Ich halte zum Beispiel das Thema Ehrenamt für viel relevanter“, sagte sie. Kristin Wedekind hielt den Ansatzpunkt nicht für ein gutes Signal für mehr Beteiligung der Mitglieder: „Ich erwarte nicht, dass alles sofort umgesetzt wird. Aber dass Sie einen Fahrplan, eine Idee geben“, sagte sie.

Vorstand will Diskussion reflektieren

Dem Vorwurf, mit den Antragstellern sei nicht hinreichend gesprochen worden, widersprachen Karlies Abmeier und Sebastian Tacke aus dem Vorstand. Sie verwiesen auf ein Gespräch, das am 9. Januar stattgefunden habe. Auch, dass Wedekind als Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses beteiligt an der Entwicklung des Verfahrens gewesen sei, das sie jetzt selbst kritisierte, merkten Vorstandsmitglieder an. Der Vorstand werde die Diskussion in seiner nächsten Klausur reflektieren, kündigte der Vorsitzende Bernd Streich an.

In den Diözesanpastoralrat, der sich zum 30. Juni neu konstituiert, wählte der Diözesanrat Maria Bexten, Burkhard Wilke, Gregor Podschun, Maria Sternemann und Elisabeth Zschache. Im weiteren Verlauf der Sitzung verabschiedete der Diözesanrat Satzung und Wahlordnung für die Pfarrei- und Gemeinderäte. Lesen Sie mehr dazu in einer der nächsten Ausgaben.