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Nicht nur Sandkastenspiele

10. August 2018 Cornelia Klaebe

Das eigene Umfeld gestalten: „Frühstück auf der Bahnhofstraße“ 2016. | Foto: Ökumenische Umweltgruppe Lichtenrade

Seit 2007 bemühen sich die Mitglieder der Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade um den Naturschutz. Sie fangen bei sich selbst an, machen aber auch vor der Politik nicht Halt.

„Wir halten das, was wir tun, für einen Ausdruck des christlichen Glaubens“, ist Georg Wagener- Lohse überzeugt. Reinhart Kraft ergänzt: „Es ist aber auch die schlichte vernünftige Notwendigkeit, unabhängig davon, ob ich an Gott glaube.“ Die Rede ist von den Aktivitäten der Ökumenischen Umweltgruppe Lichtenrade. Hinter dem etwas sperrigen Namen des Zusammenschlusses katholischer und evangelischer Christen aus dem südlichen Berliner Stadtrandgebiet stecken etwa 15 Mitglieder, die sich auf die Fahnen geschrieben haben, so viel sie können für die Umwelt zu tun.

Dabei seien die Mitglieder „saufleißig“, sagt Reinhart Kraft nicht ohne Stolz. Denn er ist schon an der Gründung maßgeblich beteiligt gewesen und führt mittlerweile eine Liste von knapp 60 Veranstaltungen und Aktionen der Gruppe. Die erste, quasi die Gründung, war im Januar 2007: Die ehemalige Friedensgruppe der katholischen und evangelischen Kirchengemeinden Lichtenrades las gemeinsam den UN-Klimabericht. Sie reagierte mit Erschrecken über die Veränderung des Klimas und die daraus resultierenden Folgen. Man blieb nicht untätig, sondern organisierte für Januar 2008 eine dreitägige Klimakonferenz in Lichtenrade. „Daran nahmen 50 bis 60 Leute aus dem kirchlichen Umfeld teil“, erinnert sich Wagener-Lohse.

Auf der Tagung, sagt Kraft, wurde eine Erklärung verabschiedet: „Was erwarten wir von der Politik, der Kirche und uns selbst?“ Dieses „uns selbst“ nahm die Gruppe fortan sehr ernst. Immer wieder beschäftigt sie sich damit, was der einzelne beitragen kann – Fahrradurlaub, faire Geldanlagen, Obst und Gemüse aus der Bio-Kiste und nachhaltig produzierte Kleidung sind nur einige Beispiele. Aber auch kollektiv wurde die Gruppe aktiv: Sie setzte sich ein für eine Solaranlage auf dem Dach des evangelischen Gemeindehauses, besuchte die Klimakonferenz in Kopenhagen 2009 und begleitete sie mit Fürbittandachten in der Salvatorkirche, las die Enzyklika „Laudato Si“ und informierte sich immer wieder auf gemeinsamen Ausflügen.

Einmischung in den Städtebau

Aber: „Wir haben nicht nur Sandkastenspiele gemacht“, betont Reinhart Kraft: Als am S-Bahnhof Lichtenrade ein Einkaufszentrum gebaut werden sollte, ging es in die Lokalpolitik, um „die Umwelt vor der Tür“ zu schützen. „Der Investor wollte ein Einkaufszentrum mit über 300 Parkplätzen, wie auf der grünen Wiese“ erinnert sich Kraft. Das Problem: Das passte nicht zu den kleinen Straßen der Umgebung. Dem Bezirksbürgermeister überreichte die Gruppe 1770 Unterschriften, mit der Forderung, eine Untersuchung über den zusätzlichen Autoverkehr durchzuführen. Auf den Protest der Umweltgruppe hin wurde der Plan für das Einkaufszentrum zurückgezogen. Für ihr Engagement erhielt sie 2011 den Ökumenischen Umweltpreis.

Nachdem auf diese Weise die Gestaltung der eigenen Umgebung in das Blickfeld gerückt war, engagierte sich die Umweltgruppe auch weiter für das Zentrum von Lichtenrade. Sie veranstaltet das „Frühstück auf der Bahnhofsstraße“, das später an die Alte Mälzerei verlegt wird – ein Ort, den sich die Gruppe als „lebendiges Zentrum“ mit Marktplatz und Begegnungsmöglichkeiten für Lichtenrade wünscht.

Diesen Sommer beschäftigt sich die Gruppe insbesondere mit den Umweltschäden durch Plastik, besuchte eine Mülltrennungsanlage und veranstaltete einen Workshop. Ihr Fazit: Da nur 20 Prozent des Altplastiks wiederverwertet werden und der Rest der Umwelt sehr schadet, sollte wo immer möglich auf Plastik verzichtet werden. Die Mitglieder finden dafür Möglichkeiten – um Gottes Schöpfung zu schützen.

Die Ökumenische Umweltgruppe lädt ein zum abfallfreien Umweltfest vor der Alten Mälzerei, Steinstraße 37-41, Berlin-Lichtenrade am 25. August von 14 bis 17.30 Uhr.