Reingelesen

Mehr Platz für Evas Haltestelle

08. Oktober 2018 Cornelia Klaebe

Auf der Baustelle (v. links): SkF-Vorsitzende Dagmar Löttgen, Bezirksstadtbaurat Ephraim Gothe und der Amtsleiter des Bezirksamtes Mitte, Michael Schlese. | Foto: Cornelia Klaebe

Als „Evas Haltestelle“ der Mietvertrag gekündigt wurde, drohte die Tagesstätte für wohnungslose Frauen selbst obdachlos zu werden. Ein privater Eigentümer in Berlin-Wedding vermietet ihr jetzt eine frühere Apotheke.

Die drohende Obdachlosigkeit von „Evas Haltestelle“ ist abgewendet: Zum Beginn der Kältehilfe- Saison Anfang November sollen die neuen Räume die Tageseinrichtung für obdachlose Frauen in der Müllerstraße 126 im Berliner Wedding bezogen sein.

Beratung, Aufenthalt und gemeinsames Kochen

Dort wird zurzeit gebohrt, gehämmert und gemalert, um Räume für Beratung, Aufenthalt, Büros sowie eben die Notunterkunft im Winter zu bieten. In einer Küche kann gemeinsam gekocht werden, aber auch Waschmaschinenräume und Badezimmer haben ihren Platz.

Besonders freuen sich die Betreiberinnen vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) darüber, dass sie sogar mehr Platz haben als in der bisherigen Unterkunft in der Bornemannstraße. „Hier können wir statt bisher zehn nun sogar 20 Notübernachtungsplätze für den Winter anbieten“, sagt die Berliner SkF-Vorstandsvorsitzende Dagmar Löttgen und dankt für die breite politische Unterstützung für den Umzug. Diese habe zu einer Teilfinanzierung des Projekts durch den Bezirk Berlin-Mitte geführt. Bezirksbaustadtrat Ephraim Gothe (SPD) erklärte, das Projekt werde für zwei Jahre mit je 70 000 Euro gefördert. Eine weitere Finanzierung stellte er in Aussicht.

Ab jetzt Teilfinanzierung durch den Bezirk

Gothe hob die Wahl des Standorts in einer früheren Apotheke hervor. Der offene Eingangsbereich hinter einer großen Glasfront erleichtere ein niedrigschwelliges Angebot: „Hier kann man tief hineinschauen und sieht von außen, was drinnen ist“, freut er sich. Er dankte dem Eigentümer der Immobilie, der sie zu einer „anständigen Miete“ überlassen habe. „Mit der nun bewilligten Teilfinanzierung durch den Bezirk können wir unser Angebot am neuen Standort ausweiten und so täglich mehr als 100 Frauen Rat und Unterstützung anbieten“, so Löttgen. Bisher sei das Angebot allein aus Eigenmitteln und Spenden finanzert worden. Spenden würden auch weiterhin dringend benötigt, um das Bestehen des Projekts zu sichern.

Evas Haltestelle ist als frauenspezifische Tagesstätte für wohnungslose Frauen seit 1997 im Wedding verankert und seitdem eine niedrigschwellige Anlaufstelle für Frauen, die auf der Straße leben oder von Obdachlosigkeit bedroht sind. In Berlin leben nach Schätzungen des SkF 2500 bis 3000 obdachlose und wohnungslose Frauen. Die frauenspezifische Hilfeeinrichtung ist nötig, weil in gemischten Einrichtungen viele Frauen Übergriffe – auch sexueller Art – befürchten.

Infos: www.skf-berlin.de, 030 / 4 77 53 27 31