Alles rund um FußballplätzeAusstellung der Caritasgalerie in Berlin-Wedding: Fotos von Klaus Schiedt

Foto: Gunnar Lammert-Türk

Zwanzig mittelgroße Schwarz-Weiß-Fotos schmücken bis zum 11. Juli den Flur im Erdgeschoss der Caritaszentrale des Erzbistums Berlin. Entstanden sind sie eher zufällig. Der in Berlin lebende Fotograf Klaus Schiedt machte im August 2006 mit Freunden an der polnischen Ostseeküste Urlaub. Es regnete viel, was den Frauen den Strandaufenthalt verdarb, die Männer durchstreiften mit dem Fahrrad die Gegend.

Bald drängte sich ihm Motive auf: Fußballtore und Bolzplätze. Einmal bemerkt, entdeckte er sie immer wieder: Mal kleine, mal große Tore, aus Holz gebaute und aus Metallrohren geschweißte, solide und morbide, stabile Gebilde mit festem Netz als Teil eines richtigen Fußballfeldes mit Bankreihen für Besucher und flüchtige Konstruktionen, ausreichend, um einen Ball dorthin zu lenken, mal ohne, mal mit zerrissenem Netz, manche schon in Auflösung begriffen. Abgestellt an Schuppen, auf erneuten Einsatz oder langsames Vergehen wartend, in Gebrauch vor Häuserwänden, am Dorfrand. Ein Thema in Variationen hatte sich ohne Zutun dem Fotografenauge angeboten, äußerst komprimiert, in nur einer Woche. „Das war wie ein Geschenk“, erinnert sich Schiedt.

Nach Tankstellen nun Fußballtore

Den Fotografen, der gern ein Motiv in seinen vielfältigen Erscheinungsformen festhält – so etwa mit seiner 2005 erstellten Reihe „Tankstellen. Verwitterte Säulen der Mobilität“, damals auch in der Caritasgalerie gezeigt – begeisterte zudem das Licht, das vor und nach dem Regen herrschte. „Es machte alles weich, tauchte es wie in Watte, wie in eine Wolke.“ Diese Stimmung ist auf den Fotografien gut wahrzunehmen. Das „weich machende“ Licht versetzt die festgehaltenen Motive in eine Atmosphäre zwischen Entschwinden und Auftauchen, Werden und Vergehen. Und auch bei den gezeigten Toren und Plätzen ist es nicht gewiss, ob sie schon verlassen wurden, noch oder wieder genutzt werden.

Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, dass kaum Menschen zu sehen sind. Das war kein Vorsatz, obgleich Schiedt, der Schwarz- Weiß-Fotografien farbigen Aufnahmen vorzieht, lieber Gegenstände, Spuren der Menschen festhält als sie selbst. „Es reizt mich“, erklärt er, „Dinge davon erzählen zu lassen, wie Menschen leben und gelebt haben.“

„Abseits“ hat er seine Ausstellung genannt. Das ist zunächst einmal ein Terminus aus der Fußballsprache, passend zur Fußballweltmeisterschaft in Brasilien. Gleichzeitig bezeichnet dieser Titel aber auch das, was sich abseits aufhält, was ins Abseits rückt, ins Abseits unserer Wahrnehmung und ins Abseits der Zivilisation. Deren in den Fotos eingefangenen Rudimenten haftet etwas Melancholisches an, wie auch der flachen Landschaft Kaschubiens in der Woiwodschaft Pommern, wo die Fotos entstanden sind. Zugleich wirken die Fußballspuren verschmitzt und humorvoll.

Einfallsreichtum trotz bescheidener Umstände

Sie verweisen so nicht nur auf die Poesie und Ruhe der Gegend vor und nach dem Regen, nicht nur auf die Bescheidenheit der Lebensumstände, sondern auch auf den Einfallsreichtum und die Lebensfreude der Bewohner. Zwei davon hat Schiedt etwas herausgehoben, zwei Jungs, den einen stolz vor dem Tor, den anderen mit breitem kindlichen Lächeln vor den Häusern einer Siedlung.

Öffnungszeiten: Caritas-Galerie (Residenzstraße 90, Berlin-Gesundbrunnen): Mo-Do 8 bis 17 Uhr / Fr 8 bis 15 Uhr