Applaus für das FlüchtlingsheimCaritas und Alexianer geben ein neues Dach über dem Kopf

Innerhalb weniger Tage mussten die Mitarbeiter des Alexianer St. Hedwig- Krankenhauses in Berlin-Mitte ihre Büros im Elisabeth-Haus verlassen. Als sie Ende November bei einer Mitarbeiterversammlung erfuhren, warum, brandete Applaus auf: Es sollte ein Flüchtlingsheim werden.

Das berichtet Alexander Grafe, Regionalgeschäftsführer der Alexianer St. Hedwig Kliniken Berlin GmbH: „Ich bin wirklich stolz auf die Truppe. Denn einige sind nur vier Wochen vorher überhaupt eingezogen.“ Weder Anwohner noch Mitarbeiter erfuhren zunächst von dem Vorhaben, dass am 8. Dezember aus dem Elisabeth-Haus ein Flüchtlingsheim werden sollte. „Wir wollten gegenüber den Mitarbeitern und auch den Anwohnern so transparent wie möglich sein und sie ins Boot holen, aber wir wollten erst sicher sein, dass alles klappt“, erläutert Grafe. Caritas-Regionalleiter Frank Petratschek soll das Haus als „gute Option“ bezeichnet haben und als auch alle anderen beteiligten Institutionen grünes Licht gaben, wurden die Mitarbeiter informiert.

Die Anwohner wurden zu einer Versammlung eingeladen und anliegende Institutionen bekamen Briefe. „Wegen der vielen verschiedenen Religionen und Konfessionen, die hier ansässig sind, heißt der Kiez hier ‚Toleranzviertel‘“, sagt Grafe. „Und jeder hier hat diesem Namen alle Ehre gegeben.“ Zu der Versammlung seien zwar nicht viele gekommen, aber die, die kamen, boten sofort Hilfe an und die, die nicht kamen, standen in der kommenden Woche im Sekretariat oder schrieben E-Mails, um ebenfalls zu fragen, wie sie sich nützlich machen könnten, erzählt Grafe weiter.

Auch die Rabbinerin Gesa S. Ederberg von der jüdischen Gemeinde in der Nähe des Krankenhauses wollte das Vorhaben unterstützen und Schüler des jüdischen Gymnasiums halfen, die Betten im neuen Flüchtlingsheim aufzubauen.

Werke der Barmherzigkeit ohne Gewinnstreben

Dabei sei das Krankenhaus gar nicht der richtige Ansprechpartner, denn die Alexianer stellen „nur“ das Haus zur Verfügung. „Ohne merkantile Interessen!“, betont Grafe. Er begründet das Engagement des St. Hedwig- Krankenhauses in Zusammenarbeit mit der Caritas-Flüchtlingshilfe damit, dass sie alle nun zeigen können, dass sie die Werke der Barmherzigkeit nicht nur in einem beruflichen Kontext umsetzen können und wollen.

Dauerhafte Notunterkunft soll im Sommer fertig sein

Die Betreuung von etwa 100 Flüchtlingen, die im Rahmen ihres Asylersuchens nach Berlin kommen, übernimmt die Caritas. Zusammen mit den Alexianern reagiert sie damit auf die zunehmende Not von Flüchtlingen und fehlenden Unterbringungsmöglichkeiten in Berlin.

Die Flüchtlinge können hier bis zum 30. Juni wohnen. Danach wird der Caritasverband für das Erzbistum Berlin eine dauerhafte Flüchtlingsnotunterkunft in einem ehemaligen Klostergebäude des Ordens der Schwestern vom Guten Hirten in Berlin-Reinickendorf zur Verfügung stellen, das bis dahin fertig gestellt sein wird und die Flüchtlinge dann aufnehmen kann.

„Ich freue mich sehr, dass ein weiterer katholischer Träger Verantwortung übernimmt und sich für Flüchtlinge einsetzt“, so Ulrike Kostka, Direktorin des Caritasverbandes für Berlin. „Vor der Not und dem Leid dieser Menschen darf man nicht die Augen verschließen. Auch wenn wir nicht alles auffangen können, ist es doch unsere Pflicht zu helfen, wo es möglich ist. Die Kirche und ihre Caritas sind hier gefragt.“ 

Hinweis

Wer sich ehrenamtlich für die Flüchtlinge engagieren möchte (zum Beispiel mit Benefizkonzerten oder Freizeitangeboten für Kinder) kann sich an Katja Eichhorn wenden: Caritasverband für das Erzbistum Berlin, Residenzstraße 90, 13409 Berlin-Reinickendorf, Tel.: 0 30 / 6 66 33 12 79, Fax: 0 30 / 6 66 33 11 95 oder E-Mail: k.eichhorn(ät)caritas-berlin.de