Auf Glaubenswegen begleiten

Foto: Walter Wetzler

Erzbischof Heiner Koch hat am 24. April zwei Männer zu Ständigen Diakonen geweiht. Joachim Sponholz (61) ist der Ältere der beiden. Mit dem Tag des Herrn sprach er über seine veränderte Rolle in der Kirche.

„Alle reden einen plötzlich mit ‚Herr Diakon‘ an“, erzählt Joachim Sponholz. Der 61-Jährige ist am 24. April, einen Tag vor dem Sonntag des Guten Hirten, von Erzbischof Heiner Koch zum Ständigen Diakon im Erzbistum Berlin geweiht worden. Dass ihn jetzt auch langjährige Weggefährten aus seiner Heimatgemeinde als Diakon ansprechen, daran habe er gemerkt, dass sich seine Rolle mit der Weihe geändert hat. Und die Gemeinde hat ihren neuen Diakon auch gleich in den Dienst genommen: Am 25. April durfte er erstmals gemeinsam mit seinem Pfarrer am Altar stehen und die Predigt halten.

In seiner Heimatgemeinde St. Theresia vom Kinder Jesu in Berlin-Buckow ist Joachim Sponholz bereits seit vielen Jahren aktiv, hier war er Vorsitzender des Pfarrgemeinderates und Gottesdienstbeauftragter.
Den Rollenwechsel zum Diakon hat er bewusst vollzogen, sich in der Gemeinde für einige Zeit rar gemacht. Während der Ausbildung war er Praktikant in St. Nikolaus im Berliner Vorort Blankenfelde, jetzt kehrt er wieder in seine angestammte Pfarrei zurück. Und dort wird er auch dringend benötigt, denn ab Anfang kommenden Jahres entsteht hier der neue Pastorale Raum Berlin Lichtenrade/Buckow/Mariendorf/Tempelhof.

Zur Zeit gibt es dort zwei Pfarrer, und „beide sind froh, dass es Menschen gibt, die sie bei ihrer Arbeit unterstützen“, erzählt Diakon Sponholz. Daneben ist er für eine weitere Verwendung vorgesehen, die – wie er sagt – sehr gut zu seinem Charisma passt. In dem Pastoralen Raum soll ein Geistliches Zentrum entstehen, das Menschen auf ihrem Lebens- und Glaubensweg geistlich begleiten soll. Joachim Sponholz ist ausgebildeter Exerzitienleiter und Geistlicher Begleiter – damit bringt er das nötige Rüstzeug für diese Aufgabe mit. Der kürzlich verstorbene Exerzitienleiter Pater Hubertus Tommek SJ, der zu den Pionieren der Charismatischen Erneuerung in Berlin gehörte, war viele Jahre lang sein geistlicher Lehrmeister – und der Jesuitenpater war es auch, der Joachim Sponholz half, seine Berufung zum Diakon zu erspüren und zu erkennen. „Während einer Exerzitienwoche mit Pater Tommek habe ich relativ deutlich erfahren, dass eine gute Beziehung zum Herrgott nicht zwingend darin besteht, permanent zu meditieren – sondern dass mindestens die Beziehung zum Mitmenschen ebenso dazugehört. Und das war die klare Ansage: Jetzt kümmere dich mal ums Diakonat.“

Diakonat steht in seinem Leben an Platz drei

Als Diakon, so erzählt er, sehe er seine Aufgabe darin, Menschen auf ihrem Weg zu begleiten, mit ihnen ein Stück ihres Weges gemeinsam zu gehen. Dabei kann sich Diakon Sponholz auf den Rückhalt seiner Familie verlassen. „Das erste, was ich beim Erzbistum beibringen musste, war die schriftliche Einverständniserklärung meiner Ehefrau“, erinnert er sich. Und die hat er auch bekommen. Seine Frau – selbst in der Gemeinde aktiv – habe den Weg stets unterstützt. „Wichtig ist, dass wir als Paar immer noch unsere Zeiten haben. Da achten wir beide drauf“, erzählt der neu geweihte Diakon. Auch habe es ein Extra-Gespräch mit dem Erzbischof und den Ehefrauen der beiden Weihekandidaten gegeben. In der Ausbildung sei ihnen zudem beigebracht worden, dass sie in erster Linie Ehemänner bleiben, dann Menschen im Zivilberuf – und dann erst Diakone.

Da kam es ihm auch zugute, dass die sechs Kinder mittlerweile alle aus dem Haus sind, auch die sechs Enkelkinder leben weiter weg. Mit diesem Rückhalt konnte er den vierjährigen Ausbildungsweg auf sich nehmen, der Corona-bedingt im vergangenen Jahr vorwiegend ins Digitale verlagert wurde.

Die Auswirkungen der Pandemie machen sich auch jetzt noch bemerkbar: Bei der Weihe in der St.-Joseph-Kirche in Berlin-Wedding durften beide Weihekandidaten maximal 31 Gäste mitbringen, und bei seinem ersten Altardienst als Diakon am Sonntag nach der Weihe konnten statt der üblichen rund 120 nur 40 Personen dabei sein. „Man sieht also gar nicht so viele, aber die paar, mit denen ich mich später unterhalten konnte, waren sehr positiv angetan“, erzählt Diakon Sponholz. Ein großes Lob sei unter anderem vom ehemaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden gekommen: „Ich habe gar nicht gedacht, dass Sie das so schön machen!