Aussähen gegen die ArmutDie Action 365 und das Stipendienwerk Samenkorn

Foto: Gunnar Lammert-Türk

Sie leben in Guatemala, kommen aus kinderreichen Familien und armen Verhältnissen. Erwin Amilton Calel Coló, Anibal García Calachij, María José Xiloj Chicoj und Ana Aracely Carillo Chacaj waren zu Besuch in Berlin.

Die vier Guatemalteken stammen aus dem alten Volk der Maya, das noch heute im eigenen Land unterprivilegiert ist. Durch Ordensschwestern und ihre Heimatgemeinden haben sie Kontakt zum Stipendienwerk Samenkorn erhalten, das die deutsche Journalistin Maria Christine Zauzich vor mehr als 20 Jahren begründet hat. Aufgrund ihrer guten schulischen Leistungen und ihres christlichsozialen Engagements erhalten sie von dort ein Stipendium und können so Agrarwissenschaft, Jura und Vorschulpädagogik studieren, um später mit ihrer Arbeit die Lebensverhältnisse des eigenen Volkes zu verbessern.

Vier Wochen waren sie in Deutschland zu Gast, die letzten Tage in Berlin bei Klaus-Peter Heyduck und seiner Frau, die sich beide für das Stipendienwerk und seinen guatemaltekischen Partnerverein Proyecto Ija’tz (in der Maya-Sprache „Kaqchikel“ das Wort für Maiskorn) engagieren.

Aktion für andere an 365 Tagen im Jahr

Zu Samenkorn sind die beiden über die Action 365 gekommen. 365 steht für die Tage des Jahres, die die Mitglieder an einem Bibelwort ausrichten, Action für den Einsatz für andere, der sich daraus für sie ableitet. Entstanden ist die Aktion unter dem Einfluss der Jesuitenpatres Wolfgang Tarara und Johannes Leppich, der mit seinen Straßenpredigten vor allem in den 50er und 60er Jahren für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Ökumenisch ausgerichtet, ist sie eine missionarisch und sozial engagierte Laienbewegung.

Pater Leppich übernachtete bei Schwiegereltern

Heyduck hat die Aktion über seine Frau kennengelernt. Pater Leppich übernachtete immer mal im Haus ihrer Eltern. „Da hat sie mich zu den Treffen mitgeschleift“, sagt er grinsend, „und das hat mich sehr angeregt. Seitdem bin ich dabei.“ Inzwischen ist er Sprecher des Berliner Teams der Aktion, die neben Deutschland auch in der Schweiz, in Österreich und Liechtenstein Teams hat.

Wie ihr Berliner Pendant bestehen auch sie aus etwa zehn Mitgliedern, katholische und evangelische Christen, die sich einmal im Monat zum Lesen, Meditieren und Ergründen eines Bibelwortes treffen und dreimal im Jahr als Ausdruck ihrer geistlichen Gemeinschaft nach einer festen Liturgie das aus altchristlicher Tradition stammende Agapemahl feiern. Daneben geben sie Gebetbücher, Plakate und geistliche Schriften heraus und sorgen so für christliche Öffentlichkeitsarbeit.

Es geht ihnen aber auch um gesellschaftliches Handeln, das sich aus der Beschäftigung mit dem Schriftwort ableitet. So haben sie sich vor etwa 40 Jahren in so genannten „entwicklungspolitischen Wohnzimmergesprächen“ mit der Ungleichheit in der Welt befasst. Als Konsequenz daraus entstand ein Projekt, das Kaffeebauern in Guatemala beim Aufbau einer eigenen Produktion – inklusive Lagerung, Vermarktung und Transport zu den Abnehmern – unterstützt und ihren hochwertigen Kaffee zu einem fairen Preis, der 15 Prozent über dem Weltmarktpreis liegt, bezieht. Auch das Erzbistum Berlin gehört zu den Abnehmern.

Über dieses christlich motivierte Engagement schrieb die Journalistin Maria Christine Zauzich einige Male und so erfuhren die Teams der Action 365 und mit ihnen die Heyducks von dem von ihr ins Leben gerufenen Stipendienwerk.

Für sie, die noch nicht in Guatemala waren, ist es eine große Freude, die vier Stipendiaten in ihrem Haus zu Gast zu haben und ihnen Berlin zu zeigen.

Erwin, Anibal, María und Ana nahmen alles mit wachen Augen wahr. Erwin, der Agrarwissenschaft studiert, nimmt aus Deutschland vor allem die Umweltschutzmaßnahmen als Anregung mit. Maria, die angehende Juristin, ist beeindruckt von der Art, wie die Deutschen ihre schlimme Vergangenheit aufgearbeitet haben, etwas, das für Guatemala nach ihrer Einschätzung noch aussteht. Anibal und Ana haben sich das Bildungssystem genau angesehen. Sie alle wollen etwas für ihr Land und ihr Volk tun. Gut, dass sie dabei von Glaubensgeschwistern aus Deutschland unterstützt werden. Für Klaus-Peter Heyduck gibt es dafür ein Wort aus dem Johannesevangelium, in dem es heißt: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt.“