Barmherzigkeit praktisch erlebtGrundschule St. Ludwig pilgert zur Heiligen Pforte

„Er hält die ganze Welt in seiner Hand“: Angekommen an der Kirche St. Paulus singen die Drittklässler mit Lehrerin Agnes Prüfer. Foto: Cornelia Klaebe

Mit allen 300 Schülern besuchte die katholische Grundschule St. Ludwig die Heilige Pforte in der Kirche St. Paulus in Berlin-Moabit. Der Ausflug war Teil der Projekttage der Schule zum Thema „Barmherzigkeit“.

Die Kinder der dritten Klasse singen: „Er hält die ganze Welt in seiner Hand.“ Dass diese ganze Welt eine Einheit ist und dazu eine gegenseitige Unterstützung aller Menschen gehört, damit werden die Schüler sich an diesem Tag auseinandersetzen. Mit ihrer ganzen Schule sind die beiden dritten Klassen aus St. Ludwig zur Heiligen Pforte gepilgert, um sich mit dem Thema Barmherzigkeit auseinanderzusetzen.

„Stellt euch mal vor, wie das wäre, wenn ihr mit allen Kindern hier in einem Raum schlafen würdet. Da würde einer husten und ein anderer hätte einen schlechten Traum und würde rufen.“ Mittlerweile sitzt die Klasse in einem großen Saal in den Räumen der Caritas gleich neben der Kirche und beschäftigt sich mit dem Thema „Fremde aufnehmen“ – einem von sieben Werken der Barmherzigkeit. Christin Drüke und Joachim Wübbe erzählen den Kindern von ihrer Hilfe im Flüchtlingsheim.

Das hat für die Kinder einen ganz besonders aktuellen Bezug: Am Vortag hatte in der Grundschule St. Ludwig eine Willkommensklasse den Unterricht aufgenommen. Wie die neuen Mitschüler leben und was viele auf der Flucht erlebt haben, schildern Drüke und Wübbe den Drittklässlern und fordern sie auf: „Bleibt in der Pause nicht immer nur bei eurem Freund stehen. Geht mal hin und redet mit denen!“ Währenddessen spricht in der Kirche Diakon Rui Wiegand mit den Fünftklässlern über das Heilige Jahr. „Das wird alle 25 Jahre gefeiert“, weiß einer. „Toll, ihr wisst schon eine ganze Menge“, lobt Wiegand. Dann zieht er eine grüne Jacke mit gelben Reflektorbändern an. Wofür die wohl stehe, fragt er die Schüler der fünften Klasse. „Rettungssanitäter“, „Helfer“, „grüne Partei“, raten die Schüler. Auf Notfallseelsorger kommt keiner, aber alle hören gespannt zu, als Wiegand von seiner Tätigkeit berichtet.

Jede Klasse beschäftigt sich heute mit einem Werk der Barmherzigkeit, bevor Diakon Wiegand die Heilige Pforte öffnet. „Da könnt ihr dann durchgehen und euch Gedanken machen: Wie sieht‘s denn bei mir mit der Barmherzigkeit aus?“, hatte er den Fünftklässlern vorher erklärt. In der Kirche feiern alle gemeinsam einen Gottesdienst. Die Projekttage an der Grundschule St. Ludwig wollen nicht bloß in der Theorie die Barmherzigkeit behandeln. Am Vortag hatten sich alle Schüler bereits über die Partnerschule in Brasilien informiert. Und am Tag nach dem Ausflug steht zu Gunsten eben dieser Partnerschule ein Sponsorenlauf an.