Begegnung mit dem KlosterlebenEindrücke vom Diözesanen Weltjugendtag in Berlin

Veronika Wagener (als heilige Elisabeth verkleidet) mit Schwester M. Hannelore Huesmann und Schwester M. Juvenalis

Draußen am Winterfeldplatz in Berlin-Schöneberg herrschte noch Markttreiben und drinnen in der St. Matthiaskirche sah es nicht weniger bunt aus. Dort traf sich am 28. März die katholische Jugend aus dem Erzbistum Berlin zum Diözesanen Weltjugendtag.

Darunter waren einige Jungen und Mädchen aus den fremdsprachigen Missionen. Sie brachten die Fahnen ihrer Herkunftsländer mit und in der Messe war nicht nur Deutsch zu hören. Gebete und Lesungen wurden in vielen Sprachen vorgetragen, ebenso die Fürbitten für Menschen in Bedrängnis, wie die Flüchtlinge aus den Bürgerkriegen des Nahen Ostens.

Um die Hinwendung zu Menschen in Not ging es auch in der Predigt des Dözesanjugendseelsorgers Ulrich Kotzur zum Motto des Tages „Selig, die ein reines Herz haben, denn sie werden Gott schauen.“ Das Erlangen des reinen Herzens und die Schau Gottes könnten, so Kotzur, schon in diesem Leben erfahren werden. Dabei spiele die Sorge um das Wohl der anderen eine wichtige Rolle. Er veranschaulichte dies mit einem Erlebnis aus seiner Jugend. Als er 14 Jahre alt war, nötigte ihn seine Mutter am Silvesterabend, mit ihr ein altes krankes Ehepaar, das in einer Laubenkolonie durch meterhohen Schnee von der Außenwelt abgeschnitten war, zu besuchen. Er lernte so, nicht sich selbst, sondern den Anderen in den Mittelpunkt zu stellen. „In dem Moment spürte ich“, sagte Kotzur, „war mein Herz rein und ich habe im Handeln meiner Mutter Gott gesehen.“

Jugendliche informierten sich über Ordenseinsatz

Der Einsatz für den Anderen prägt auch viele Orden und geistliche Gemeinschaften. Nach der Messe in der Matthiaskirche konnte sich die Diözesanjugend über deren Arbeit in der benachbarten Franziskusschule informieren.

Dass sich auch Menschen ihres Alters vorstellen können, in ein Kloster einzutreten, zeigte Veronika Wagener, die von Kotzur auf der Bühne im Schulhof zu ihrer Entscheidung befragte wurde, für einen begrenzten Zeitraum das Leben der Schwestern der Gemeinschaft der heiligen Elisabeth zu teilen. Darauf spielte schon ihre äußere Erscheinung an. Die blonden Haare in einem Kranz um den Kopf gewunden, in einem Kleid, das einer Tracht ähnelte, trug sie einen Korb, in dem unter Rosen Brötchen verborgen waren. Sie erinnerte so an die Legende vom Rosenwunder. Darin wird berichtet, dass die adlige Elisabeth, als sie wieder einmal den Armen Brot bringen wollte, was ihr Mann nicht gerne sah, von ihm gefragt wurde, was sie in ihrem Korbe habe. „Rosen“, sagte sie und als er nachsah, waren statt der Brote tatsächlich Rosen im Korb.

In dieser Kostümierung gab Veronika bereitwillig Auskunft, was sie zum „Kloster auf Zeit“ bewogen habe. Unter anderem war sie von der Begegnung mit Ordensschwestern aller Art auf einer Ministrantenwallfahrt nach Rom sehr beeindruckt.

17-Jährige will Nonne werden

Nun ist die 17-Jährige seit Februar dieses Jahres jedes Wochenende und in den Ferien im Haus der Elisabethschwestern in Schlachtensee oder mit ihnen unterwegs in Projekten sozialer Fürsorge, unter anderem für Obdachlose am Ostbahnhof und prüft so ihren Wunsch, später einmal ein Leben als Nonne zu führen. Vorher möchte sie eine Ausbildung zur Lehrerin absolvieren. Begleitet wird sie von Schwester Bernardetta, die von ihrer Begegnung mit Veronika sagt: „Es ist gut für uns, dass wir die Welt der Jugend von heute durch sie besser verstehen können. Dafür bin ich dankbar.“ Auch Veronika ist dankbar für das Zusammentreffen mit der Ordensfrau.

So ging es am Weltjugendtag des Erzbistums Berlin auch um den Austausch der katholischen Jugend mit den älteren Glaubensgeschwistern, der im Jahr des geweihten Lebens zugleich ein Gespräch mit den Ordensgemeinschaften war.