„Begreift ihr meine Liebe?“Impulse sammeln bei der Bildungsveranstaltung für den Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen

Fußwaschung bei den Weltgebetstags-Frauen auf den Bahamas und in den Vorbereitungsveranstaltungen für die Gottesdienste zum Weltgebetstag hier in Deutschland. Foto: WDPIC

Traumstrände, Korallenriffe und glasklares Wasser – die Bahamas sind nicht nur ein Paradies für Tauchbegeisterte und Sonnenhungrige. In der sozialen Entwicklung und bei der Gleichstellung von Frauen und Männern schneiden sie im internationalen Vergleich recht gut ab. Auf den Bahamas sind zum Beispiel sehr viel mehr Frauen in den mittleren und höheren Führungsetagen zu finden als in Deutschland.

Warum wird dann der karibische Inselstaat Thema des Gottesdienstes für den Weltgebetstag der Frauen (WGT) im März? Weil die Zahlen zu häuslicher und sexueller Gewalt gegen Frauen und Kinder erschreckend hoch sind, weil die Bahamas eine der weltweit höchsten Vergewaltigungsraten haben und weil in kaum einem anderen Land der Welt Teenager so früh Geschlechtsverkehr haben; jede vierte Mutter auf den Bahamas ist jünger als 18 Jahre.

Bahamas: Ein Paradies mit Schattenseiten

Mehr über die Sonnen- und Schattenseiten der Bahamas erfahren die Teilnehmerinnen bei Bildungsveranstaltungen zur Vorbereitung des WGT-Gottesdienstes. „Allein in Berlin kommen immer gut 100 Frauen“, erzählt Gabriele Kraatz vom Dezernat Seelsorge – Frauenseelsorge des Erzbischöflichen Ordinariats. „Sie alle sind Multiplikatoren und feiern dann einen Gottesdienst in ihrer Gemeinde.“

Gabriele Wilms organisiert seit 1999 ehrenamtlich den Weltgebetstag in Berlin-Reinickendorf. „Diese Veranstaltungen bieten tolle Anregungen“, erzählt sie. „Und es kommt immer jemand, der in dem entsprechenden Land war und viel von seiner Reise zu erzählen hat.“ Darüberhinaus wird gesungen und getanzt, es gibt eine Bibelarbeit zum Thema, bahamaisches Essen („Ein Reisgericht mit Kokos“, verrät Kraatz), Meditation und Fürbitten. Verschiedene Workshops vertiefen die Bibelarbeit, beschäftigen sich mit dem Gottesdienst, der liturgischen Präsenz oder der Musik. „Die Frauen sollen die Lieder ja schon gut singen können“, erläutert Kraatz. „Und der karibische Rhythmus ist ganz anders als wir es hier gewohnt sind.“

Mit Jesu Fußwaschung das Motto umsetzen

Weitere Workshops heißen „Gewalt gegen Frauen“ und „In Jesu Spuren weitergehen“. In diesem Kurs waschen sich die Frauen gegenseitig die Füße. Die biblische Fußwaschung (Joh 13,1-17) verstehen die bahamaischen Frauen als Symbolhandlung, die Wandlung und Veränderung ermöglicht. Entsprechend benennen sie an dieser Stelle in ihrer Gottesdienstordnung soziale Probleme in ihrem Land wie etwa die wachsende Armut, die Gewalt gegen Frauen oder die hohe Zahl an Brustkrebserkrankungen.

In diese Situationen hinein versuchen die Beteiligten durch ihr Handeln auch auf die Frage von Jesus zu antworten: „Begreift ihr meine Liebe?“ – das Motto des WGT 2015. „Wir tun viel Gutes, aber haben wir auch die innere Haltung dazu?“, erläutert Kraatz. „Wir sollen Gutes nicht nur mit den Händen, sondern auch mit dem Herzen tun.“

Kontakt und Termine

Weitere Informationen zu der Bildungsveranstaltung gibt es bei Gabriele Kraatz unter Tel.: 0 30 / 3 26 84 5 33. Die Veranstaltung ist am 17. Januar von 10 bis 17 Uhr im Haus der Kirche, Goethestraße 26-30, in Berlin-Charlottenburg. Bei den Kirchen und Kirchenkreisen kann ein Antrag auf Fortbildungszuschuss für die Teilnahmegebühr (ungefähr 15 Euro) gestellt werden.