Beherzt durch das Tor der BarmherzigkeitEindrücke vom Bußgang der Berliner Katholiken

Als Ausdruck ihrer Bereitschaft dazu waren die Katholiken vor Beginn der Messe durch die heilige Pforte gegangen, manche hatten andächtig eines der sieben Tonmedaillons berührt, mit denen die Brandenburger Künstlerin Thekla Janke die Pforte geschmückt hatte, um die sieben Werke der leiblichen Barmherzigkeit symbolisch auszudrücken. Foto: Gunnar Lammert-Türk

„Es war ein total schöner Weg!“ schwärmte Uta Raabe, die Leiterin des Dezernats Seelsorge beim Erzbischöflichen Ordinariat Berlin, nach der heiligen Messe zum Abschluss des Bußgangs der Berliner Katholiken am 5. März.

Gut 1000 Berliner Katholiken hatten den neuen Weg mit Erzbischof Heiner Koch unter Gebeten und Gesängen zurückgelegt. Er führte diesmal nicht wie in den Jahren zuvor von den Kirchen St. Elisabeth in Schöneberg und St. Bonifatius in Kreuzberg zur St. Johannesbasilika, sondern von den weiter auseinander liegenden St. Sebastian im Wedding und St. Clemens in Mitte zum Dominikanerkloster St. Paulus in Moabit. Das Brandenburger Tor ging es auch entlang.

Nicht nur die Wegstrecke war eine andere. Der Bußgang wurde in diesem Jahr mit der Aktion „24 Stunden für den Herrn“ verbunden, die Papst Franziskus initiierte. In Kirche St. Clemens, die indische Patres der Vinzentiner- Kongregation als Ort ewiger Anbetung nutzen, konnten sich die Gläubigen seit dem Vorabend des Bußgangs in Stundengebeten und thematisch am Barmherzigkeitsmotiv orientierten Andachten darauf einstimmen. „Wir haben das bewusst miteinander verbunden“, erklärt Christoph Kießig, der an der Vorbereitung des Bußgangs maßgeblich beteiligt war.

Üblicherweise findet der Bußgang nämlich eine Woche später statt. Auch das Ziel des Bußgangs wurde mit Blick auf das Heilige Jahr der Barmherzigkeit gewählt, das der Papst ausgerufen hat. Denn das Pauluskloster liegt in einem sozialen Brennpunkt und gemahnt schon dadurch an die Werke der Barmherzigkeit, ebenso wie die Tür rechts von seinem Hauptportal, die im Januar, gestaltet nach einem Konzept von Kießig, als Heilige Pforte eingeweiht wurde.

Passend zum Thema handelte das Evangelium vom verlorenen Sohn, den sein Vater freudig wieder aufnimmt.

In seiner Auslegung veranschaulichte Koch daran die Besonderheit des christlichen Glaubens. Bei aller Gemeinsamkeit mit anderen monotheistischen Religionen, hob er hervor, sei der wesentliche Unterschied im Christentum, dass es Gott als eine Person ansehe, die gewissermaßen ein Herz habe, das ihn mit seinen Geschöpfen mitfühlen lasse. Engagiert forderte er, auf die Barmherzigkeit Gottes, seine Zuwendung und Geduld, mit dem eigenen Leben zu antworten.

„Du musst wie der verlorene Sohn zu Gott zurückkehren!“ rief er aus. Und mit Blick auf die Heilige Pforte: „Du musst den Mut haben, durch solch ein Portal hindurchzugehen und bei Gott zu bleiben.“ Er hob so hervor, dass sowohl der Glaube als auch die Werke der Barmherzigkeit den bewussten Einsatz und eine kraftvolle Entscheidung erfordern. Beinahe kämpferisch sagte er: „Der christliche Glaube ist nichts für Weicheier.“ Abschließend wünschte er den Gläubigen, dass sie in der verbleibenden Fastenzeit beherzt durch die Tore gehen mögen, die sie Gott und den Werken der Barmherzigkeit näher bringen. Schon bei der Einweihung der Pforte sind, wie sich Christoph Kießig erinnert, etwa so viele Gläubige wie zum Bußgang hindurchgegangen. Wer es noch nicht getan hat oder es noch einmal tun möchte, kann das bis zum Ende des Jahrs der Barmherzigkeit im November jeden Mittwoch, Freitag und Sonntag tun. Das Kloster befindet sich in der Oldenburger Straße 46 in Berlin- Moabit.