Bestärkung auf dem LebenswegErzbischof Heiner Koch zum Tag der Ehejubiläen und zum Gottesdienst für Getrenntlebende

Nur eine Woche liegt zwischen dem ökumenischen Gottesdienst für Getrenntlebende und Geschiedene und dem Tag der Ehejubiläen. Erzbischof Heiner Koch über die Menschen, die sich das Jawort gegeben haben, und ihre Beziehungen zur Kirche. 

Herr Erzbischof, am 18. September feiert Prälat Dybowski einen Gottesdienst für Getrenntlebende und Geschiedene; eine Woche später folgen Sie selbst mit einem Segnungsgottesdienst für Ehejubilare. Wie passt das zusammen? 

Ganz hervorragend passt das zusammen! Von außen gesehen muten die zwei Gottesdienste vielleicht sehr verschieden an. Beiden gemeinsam ist aber die Wertschätzung des Sakramentes der Ehe und derer, die sich dieses Ja-Wort einmal gegeben haben. Kirche begleitet Menschen, die ihre Ehe in guten und in schwierigen Zeiten leben, und sie begleitet Menschen, die in ihrer Ehe scheitern und sich aus unterschiedlichsten Gründen trennen. Getrenntlebende erwarten den Segen der Kirche zur Bestärkung auf ihrem Lebensweg genauso wie auch Paare den Segen Gottes brauchen.

Warum sollten Ehejubilare ihre Ehe am 25. September „erneut unter den Segen Gottes stellen“?

Wer miteinander durch Höhen und Tiefen geht, weiß, wie gut es tut, Gott als Wegbegleiter dabeizuhaben. Und es tut gut, Gottes Segen auch ganz konkret im Segenswort und in der Handauflegung zu spüren. Ob ein Paar noch keine 5 Jahre oder schon mehr als 50 Jahre gemeinsam unterwegs ist: alle sind eingeladen. Wir sprechen in der Kirche mehr von der Familie als von der Ehe. Ehe und Partnerschaft sind aber ein ganz eigener Wert, auch wenn es Zeiten gibt, in denen sich Ehepaare überwiegend als Mütter und Väter, oder auch als pflegende Angehörige erleben. Dann tut es gut, sich als Paar zu erleben – das ist ein großer Schatz! 

Was kann die Kirche Menschen in Trennung und Scheidung Ermutigendes sagen? 

Um es ganz deutlich zu sagen: Ihr gehört dazu! Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Ehe gelingt und ich erlebe beim Zuhören in den Gemeinden, wie gerade die Trennung von einst geliebten Menschen für viele Frauen und Männer einen Bruch, manchmal auch eine Katastrophe in ihrem Leben bedeutet. Die Kirche lässt die Menschen in ihrer Enttäuschung, ihrem Schmerz, manchmal auch in ihrer Leere und Ratlosigkeit nicht allein. Rituale erleichtern den Umgang mit dieser schmerzlichen Erfahrung. Der Segen, den in dem Gottesdienst für Geschiedene und Getrenntlebende jeder Einzelne bekommen kann, ist eine Bestärkung für das eigene Leben, das weitergeht und weitergestaltet werden will. Genauso wichtig ist, dass sie Platz und Annahme in ihrer Situation in unseren Gemeinden finden. 

Warum sollen Paare heutzutage noch heiraten? 

Umfragen zeigen, dass auch in unserer heutigen Gesellschaft gerade junge Menschen die Ehe und den Wert einer verbindlichen Beziehung hochschätzen. Was sie brauchen und was ihnen oftmals fehlt, ist eine Ermutigung sich auf solch einen gemeinsamen Lebensweg verbindlich einzulassen, und eine Begleitung auf diesem Weg in all seinen unterschiedlichen Phasen. Gerade wenn wir die Ehe als Sakrament feiern, sehen wir sie auch als Weggemeinschaft des Paares mit Christus, dem Weggefährten. Das kann Mut machen. Zwei Menschen trauen sich in ihrer Trauung also nicht nur sich selbst an, sondern auch Gott. Für uns ist die Trauung eben auch ein Glaubensakt. 

Was bringen Männer und Frauen, deren Ehe zerbrochen ist, in die Kirche ein? 

Lassen Sie mich Papst Franziskus zitieren, der im Hinblick auf die vergangene römische Weltsynode zu Ehe und Familie sagte: „Das Ergebnis der Synode ist nicht ein Stereotyp der Idealfamilie, sondern die herausfordernde Collage aus vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten voller Freuden, Dramen und Träumen“. Geschiedene und Getrenntlebende, ja, alle Menschen, die durch Krisen gegangen sind, bringen in die Gemeinden ein lebendiges Zeugnis ein: Das Leben geht weiter! Sie glauben an die Verheißung, dass es für sie ein Leben in Fülle gibt, auch wenn da etwas Schwerwiegendes anders verlaufen ist als erhofft. Sie bringen durch das, was sie jetzt durchmachen oder durchgemacht haben eine Sensibilität für die Zerbrechlichkeit von Plänen ein, und – so habe ich es oft erlebt – Demut. Mit ihrem Engagement und ihren ganz eigenen Kräften tragen sie dazu bei, dass die Kirche menschlich und lebendig bleibt.

Und wie steht es mit Paaren, die zusammenbleiben, obwohl es in der Ehe Konflikte gibt? 

Paare, die gemeinsam unterwegs sind, können ermutigen, sich einem anderen Menschen gegenüber ganz zu öffnen und sich auf ihn einzulassen. Ältere Paare, die den jüngeren nicht verheimlichen, dass sie auf ihrem gemeinsamen Lebensweg nicht immer auf Rosen gebettet waren, können ein Ansporn sein, schwierige Situationen zu meistern. Kein Ehepaar in unserer Kirche gleicht dem anderen und die Unterschiedlichkeit, in der sie ihre Treue und Verbindlichkeit, ihre gegenseitige Loyalität, einbringen, bereichert die Kirche, macht sie bunt und vielfältig.

Terminhinweise

Den ökumenischen Gottesdienst für Getrenntlebende und Geschiedene feiern Generalsuperintendentin
Ulrike Trautwein und Prälat Stefan Dybowski am 18. September um 17 Uhr in St. Michael, Waldemarstr. 8–9, Berlin-Kreuzberg.

Die Eucharistie zum Tag der Ehejubiläen zelebriert Erzbischof Heiner Koch am 25. September um 14 Uhr in der St.-Hedwigs-Kathedrale. Wegen des parallel stattfindenden Berlin-Marathons empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Im Anschluss an die Gottesdienste ist Gelegenheit zur Begegnung. Für die Begegnung zum Tag der Ehejubiläen ist eine Anmeldung erbeten.