Beziehung zu dritt – mit Gott In einem Bibelgesprächskreis für Paare wird die Beziehung gepflegt und meditiert

Berlin. Alle zwei Wochen tauschen sich fünf Paare über eine Bibelstelle aus. Auf das Treffen
bereiten sie sich einzeln und als Paar intensiv vor. Die Gruppe wollen sie nicht mehr missen: Sie gehen hin, weil es ihre Beziehung belebt. „Wie ist es mit meinem Auto? Ich gehe nicht erst dann in die Werkstatt, wenn es kaputt ist! Eine regelmäßige Inspektion ist wichtig“, zitiert Matthias Schauer einen früheren Teilnehmer seiner Paargruppe, der schon mehrfacher Großvater ist. Auch Schauer, Vater einer siebenjährigen Tochter, findet es „heilsam“, für die Ehe einen häufigen „Checkup“ zu machen. Deswegen nimmt er mit seiner Frau an der Berliner Paargruppe „Zusammen-Wachsen mit Jesus Christus“ teil.

Schauer ist bewusst, dass der Vergleich mit der Technik etwas hinkt – dennoch setzt er ihn fort: „Jede Ehe verliert an Glanz mit den Jahren. Es ist nötig, sie zu polieren, damit neue Verliebtheit entstehen kann. Natürlich kann man das nicht befehlen, man kann aber den Rahmen für ein neues Herzklopfen schaffen.“ Der Rahmen besteht pro Jahr aus 14 Abendterminen in den Räumen der Gemeinschaft Monte Crucis in Kreuzberg und aus zwei Seminarwochenenden im Haus Sankt Ursula in Kirchmöser. Das Angebot entwickelte Jesuitenpater Hubertus Tommek zusammen mit der Paartherapeutin Maria El-Safti im Jahr 2001. Mittlerweile sind sie nicht mehr dabei, aber zwei Berliner Gruppen – eine in Kreuzberg und eine in Charlottenburg– tauschen sich bis heute nach demselben Prinzip weiter aus. Die Paare bekommen für die Treffen jeweils eine kurze Bibelstelle, die sie zum einen für sich allein täglich lesen oder meditieren und zum anderen zu zweit mindestens eine Stunde lang vor dem nächsten Treffen besprechen.

In der Gruppe berichten sie über ihre Erkenntnisse. „Jeder braucht nur das zu sagen, was er möchte. Es wird kein Seelenstriptease erwartet und auch nicht, dass wir unsere schmutzige Wäsche vor allen waschen. Die Qualität der Gespräche geht oft weit über das Alltägliche hinaus“, betont Michael Schlüter, der seit 15 Jahren mit seiner Frau Petra dabei ist.

Stehen lassen und an Gott abgeben

Diese erklärt: „Zu zweit besprechen wir, inwiefern die Bibelstelle uns einzeln und auch in Bezug auf unsere Paarbeziehung in psychologischer Hinsicht angesprochen hat.“ Der zusätzliche spirituelle Aspekt sei aber der Wichtigste: „Wenn wir unterschiedliche Ansichten haben, dann lassen wir es so stehen, wie es ist, und geben es Gott ab. Wir vertrauen, dass es dort gut aufgehoben ist. Wir müssen nicht alles klein reden.“ Dieses Vertrauen sei die Grundstimmung, die die Paare eint, erklärt Petra Schlüter weiter.

„Deswegen ist es wichtig, dass Christus der Dritte im Bunde ist. Das schafft auch einen friedvolleren Austausch.“ Wenn sie einmal ein Treffen verpasst, vermisst Petra Schlüter die Aussagen der anderen Paare. „Die anderen holen andere Aspekte aus der Bibelstelle heraus. Außerdem berichten sie manchmal über ihre eigenen Schwierigkeiten. Das zeigt uns, dass überall mit Wasser gekocht wird und dass wir nicht allein mit unseren Fragen sind.“ Auch Denny Herhausen findet es wichtig zu hören, „wie andere Paare ihre Beziehung pflegen und mit Hindernissen umgehen“. Sie schätzt insbesondere die „wunderbare Atmosphäre von Vertrautheit und Akzeptanz und die garantierte Verschwiegenheit in der Gruppe. Man kann sich gegenseitig inspirieren und helfen“. Die Teilnahme mit ihrem Mann Andrew seit 2004 wirke auf ihre Beziehung wie ein „Lebenselixier“. Als sie anfingen, hatte sich in ihrer zehnjährigen Partnerschaft „eine bestimmte Gleichförmigkeit und Stagnation eingeschlichen“. Die „erfrischende Auswirkung der Übungen aus der Gruppe unter dem gütigen Blick aus Gottes liebenden Augen“ ließ nicht lange auf sich warten: „Wir entdeckten uns und die Anteile des anderen, die wir ursprünglich geliebt hatten, wieder und begannen eine neue Menage à trois mit Gott zusammen.“

Wiederkommen aus Eigeninteresse

Zu den Bibelthemen, die bisher behandelt wurden, gehörte zum Beispiel die Geschichte der Heilung des Taubstummen. Katharina Schauer hat eine Antwort auf die Frage gesucht: „Wo bin ich taub und stumm gegenüber meinem Partner?“ Auch über die Seligpreisungen, insbesondere über den Satz „Selig sind, die arm sind“ haben die Paare in Bezug auf ihre Beziehung meditiert. Häufig sind es die Frauen, die ihre Männer zur Teilnahme animieren. „Viele skeptische Männer haben aber entdeckt, wie gut es ihrer Ehe tut. Dann kommen sie weiter – aus Eigeninteresse“, betont Matthias Schauer.