Brücken und ÜbergängeEindrücke von der Familienwallfahrt im Erzbistum Berlin

Foto: Gisela Gürtler

Nicht mit Kirchenfahnen, Kreuzen und religiösen Gesängen ging es durch den Wald. Und auch die Zeichen, die auf dem Weg von Erkner zum Christian- Schreiber-Haus in Alt Buchhorst zu sehen waren, verrieten kaum, dass sie zum Innehalten auf einer Familienwallfahrt dienten.

Den Einstieg machte Rolf Hoth, der die geistlichen Impulse lieferte, an einem unbeschränkten Bahnübergang, der von der Straße in Erkner auf den Waldweg führte. Der im Wedding tätige Religionslehrer wies auf die Andreaskreuze hin und knüpfte daran eine kurze Betrachtung zu den Übergängen im Leben. Sie seien auch Herausforderungen für den Glauben, sagte er, und wollten von ihm getragen und gestaltet werden, ob es sich nun um solche handele, die sich durch Lebensalter und -phasen ergeben, oder jene, die durch familiäre und berufliche Umstände entstehen bis zu denen, die durch schmerzhafte Einschnitte verursacht werden. Die Andreaskreuze tauchten später noch einmal aus Papier an Bäumen auf, versehen mit Stichworten zum Nachsinnen.

Zunächst einmal aber wurde eine Brücke über die Autobahn zum Aufhänger für eine kurze Anregung. An den Stäben des metallenen Gitters war der Text aus dem Rockschlager „Über sieben Brücken musst du gehen“ angebracht. Hoth nahm das Brückenmotiv zum Anlass, mit einem kurzen Schwenk zum Katholikentagsmotto von Regensburg („Mit Christus Brücken bauen“) über das Brücken bauen zwischen Menschen zu sprechen und dem, was Christen dazu leisten können und sollen.

Mit diesen beiden Themen im Hinterkopf zogen die Familien angeregt plaudernd durch den sommerlichen Mischwald ihrem Ziel entgegen. Auf dem Platz vor der Wallfahrtskapelle trafen sie auf die anderen Wallfahrer, von denen die meisten wohl mit dem Bus vom Bahnhof Erkner gekommen waren. Unter den Fußwallfahrern war manche polnische Familie. Beim Picknick nach der Messe ging es im Gespräch auch darum, wie die Wallfahrten in Polen so gestaltet werden. Ja, sagte Magdalena Fidos, die wären schon prächtiger und feierlicher, aber ihr gefiele es in Deutschland besser. Die polnischen Priester wären so streng und unnahbar. „Hier sind sie lockerer, ganz normal, so wie du und ich.“

Ihr Mann Dariusz und die Freundin Ewa stimmten ihr bei. Vielleicht hat Magdalena auf dem Weg durch den Wald über die Übergänge im Leben nachgedacht. Ihr steht jedenfalls ein wichtiger bevor. Wie die ausgebildete Sozialpädagogin, die seit vier Jahren in Berlin lebt, erzählte, tritt sie demnächst eine Stelle bei der Caritas an, wo sie mit behinderten Menschen arbeiten wird.

Eine freudige Nachricht an einem freundlichen Tag, den nicht nur die polnischen Katholiken des Erzbistums Berlin genossen haben.