Reingelesen

Denkmal regt zum Nachdenken an

Freude über das Denkmal (v. l.): Cornelia Wehr, Pfarrer Lutz Nehk, Seena Ashine, Anton Drooff und Jonas Cichon. | Foto: Patrick Pehl

Auf dem Vorplatz der katholischen Schule Liebfrauen in Berlin-Charlottenburg steht seit Anfang Juni ein Denkmal für Bernhard Lichtenberg. Entworfen hat es eine Schülerin im Rahmen des Kunstunterrichts.

Das Denkmal aus Roststahl befindet sich auf dem neu gestalteten Vorplatz der Liebfrauenschule in Berlin-Cahrlottenburg, der nun Bernhard Lichtenberg Platz heißt. Entworfen hat es Seena Ashine. Die Schülerin freut sich darüber, dass ihr Entwurf so gelungen ist und jeder in dem Kunstwerk etwas anderes sehen kann. Die zwei Elemente korrespondieren miteinander und schaffen eine Verbindung. Auf der Seite ist der Vers Mt 22, 39 verewigt: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Das ist für Ashine, die nach ihrem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr machen wird, die wichtigste Botschaft für die Menschen.

„Auch die Schülervertreter freuen sich über das gelungene Denkmal, da es schon jetzt zum Nachdenken angeregt hat“, sagte Schülersprecher Anton Drooff. Bereits Anfang Juni wurde das Denkmal enthüllt. Es wurde aufgestellt, um des ehemaligen Schulgeistlichen der katholischen Schule Liebfrauen, Bernhard Lichtenberg, zu gedenken. Von 1913 an bis 1930 leitete er die Gemeinde Herz Jesu in Charlottenburg und regte die Gründung einer neuen katholischen Schule in seinem Pfarrgebiet an. Im Jahr 1926 konnte er die „Schwestern unserer Lieben Frau“ gewinnen, deren Name die Schule bis heute trägt. Der Gemeindepfarrer erteilte Schülerinnen auch selbst Religionsunterricht. Später wurde er Dompropst an der St. Hedwigs- Kathedrale und setzte sich öffentlich gegen die Verfolgung der Juden ein. Deshalb wurde er 1942 zu Gefängnishaft verurteilt und starb im Herbst 1943 während der Deportation ins Konzentrationslager Dachau.

Ursprung des Denkmals: Kreative Hausaufgabe

Vor circa zwei Jahren entstand ein Entwurf für das Denkmal. Im Rahmen des Kunstunterrichts sollten die Schüler ihre Ideen als kreative Hausaufgabe zu Papier bringen. Zu diesem Zeitpunkt war der Umfang des Projekts noch nicht klar. Aus mehreren Entwürfen wurde der eines gebrochenen Kreuzes auserwählt. Er rief jedoch Kontroversen im Lehrerkollegium und unter der Elternschaft hervor. Denn auf einem Teil des geplanten Denkmals sollte ein Juden-Stern angebracht werden – und kein bloßer David-Stern. Man fürchtete, die Kunst würde zu kontrovers aufgenommen oder gar zu Vandalismus führen. Doch eventuell auftretende Reinigungskosten waren für die scheidende Schulleiterin Cornelia Wehr kein Grund, das Projekt nicht umzusetzen.

In vielen Gesprächen und Diskussionen fanden die Positionen zueinander. Als Darstellung der Haft in Konzentrationslagern wurde über dem Juden-Stern ein stilisiertes Gefängnisgitter angebracht. Gleiches wurde mit der Unterschrift des Bernhard Lichtenberg getan. „Beide Elemente sind auf stählernen Stelen aufgebracht, welche durch die Verschiebung im Raum ein gebrochenes Kreuz darstellen“, so der heutige Schulpfarrer Lutz Nehk.