Der die Orden holteBernhard Lichtenberg prägt das katholische Leben in Berlin-Charlottenburg bis heute

Ein glühender Prediger: Bernhard Lichtenberg auf der Kanzel. Foto: Diözesanarchiv Berlin

Berlin. Bernhard Lichtenberg war 43 Jahre als Priester in Berlin tätig, die längste Zeit – von 1913  bis 1931 – als Pfarrer von Herz Jesu. Seine Spuren sind im katholischen Charlottenburg bis heute deutlich sichtbar. „Herz Jesu war die größte Pfarrei in Preußen, die Mutterpfarrei von Charlottenburg, alle anderen hat Lichtenberg begründet“, erzählt der Leiter des Diözesanarchivs, Dr. Gotthard Klein. Eine besondere Leistung sei, dass Lichtenberg in der Zeit der Inflation fünf Kirchen errichtet habe: St. Canisius, Heilig Geist, Mariä Himmelfahrt, St. Thomas und St. Kamillus. Lichtenberg habe in einer schwierigen Zeit die Orden für die Berliner Diaspora interessiert. „Am Lietzensee wollte er ursprünglich Benediktiner haben“, so der Lichtenberg-Experte. Die Beuroner Kongregation habe überlegt, aber abgesagt. 1917, nach dem Fall des Jesuitengesetzes, konnten die Jesuiten erstmals wieder im Deutschen Reich Fuß fassen. Ein Jahr später trat Lichtenberg mit dem Orden in Verhandlung. Die Gesellschaft Jesu kam und ist bis heute präsent. Am Standort ihrer Gemeindekirche St. Canisius war damals eine alte Fabrik. Klein: „Die haben sie umgebaut.“ Und sie gründeten ein katholisches Jungengymnasium – das Canisius-Kolleg. Lichtenberg wünschte ebenfalls ein katholisches Mädchengymnasium. Es entstand die Schule Liebfrauen in der Ahornallee. Schulträger waren bis 1970 Schwestern Unserer Lieben Frau. Er holte auch die Steyler Missionare, die die Gemeinde Heilig Geist leiten. 1926 hatte er auf einer Bettelreise nach Chicago von den Steyler Anbetungsschwestern erfahren und wollte fortan ein Anbetungskloster für Charlottenburg. 1936 wurde das Kloster St. Gabriel dann eingerichtet und erst kürzlich entschied sich der Orden für die Weiterführung. Die Kamillianer kamen ebenfalls auf Lichtenbergs Bitte. „Auch als Kirchenbauer blieb Lichtenberg in erster Linie leidenschaftlicher Seelsorger“, sagt Gotthard Klein. „Er war kein Manager- Typ.“ Sein Tag sei immer geistlich geprägt gewesen. „Das begann morgens um vier Uhr mit der geistlichen Schriftlesung und ging abends bis zum öffentlichen Abendgebet.“ Dieses wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Die noch heute bestehende Gemeindestruktur geht auf Lichtenberg zurück. „Das Umfeld in Charlottenburg hat sich aber sehr verändert. Viele Charlottenburger sind nach dem Krieg nicht da geblieben“, so Klein. Die starke Präsenz der Orden in Charlottenburg darf als Lichtenbergs Vermächtnis gelten.