„Die Chancen nutzen, die jetzt da sind“

Um die Reformation und die Ökumene ging es bei einem Podium auf dem Kirchentag.

„Was die Reformation mit uns allen gemacht hat“, darüber sprachen beim 3. Ökumenischen Kirchentag Pastorin Friederike Kirchbach von der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg- schlesische Oberlausitz, Erzbischof Heiner Koch und Pastor Friedrich Schneider vom Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Die Fragen, die zum Teil aus den vollbesetzten Reihen des Publikums kamen, beinhalteten dabei manchmal vorsichtige Provokation: „Wäre es zur Reformation gekommen, wenn der Papst damals Franziskus geheißen hätte?“, lautete eine davon. Erzbischof Koch betonte in seiner Antwort, dass manches anders hätte laufen können, wenn der junge Luther in Rom auf Papst Hadrian VI. getroffen wäre: „Der hat die gleichen Fragen gestellt.“ Doch man habe sie nicht zusammenkommen lassen. „Man kann Geschichte nicht planen, sie kommt nicht wieder. Aber wir müssen die Chancen nutzen, die jetzt da sind“, fordete er auf, den Blick auf die Gegenwart zu richten.

Das taten die Gesprächspartner, indem sie auf die Ökumene der Gegenwart blickten: „Das Wort vom Kreuz verbindet“, betonte Baptist Schneider – obwohl seine Konfession mit der Verehrung von Reliquien und Heiligenverehrung in anderen Kontexten wenig anfangen könnten. Schneider kritisierte, dass die kleineren Kirchen in der Ökumene manchmal außen vor blieben: „Als Freikirchen nehmen wir wahr, dass das Reformationsjubiläum in weiten Teilen rein bilateral ökumenisch ist.“ Es sei gut, dass die beiden großen Kirchen „gegenseitig ihre Wunden heilen, aber wir sind außen vor.“ Friederike von Kirchbach unterstrich die Wichtigkeit, gerade in der Diaspora gute ökumenische Kontakte zu pflegen: „Wir brauchen Freunde, mit denen wir uns abstimmen können.“ Auch bei Schwierigkeiten sei es wichtig, miteinander zu sprechen: „Manchmal treten wir uns auf den Schlips, ohne das zu merken.“ Sie plädierte dafür, sich in Zeiten rückgängiger Zahlen nicht zu überfordern: „Wenn wir etwas machen, sollten wir immer auch überlegen, was wir stattdessen lassen.“

Koch forderte abschließend auf, Konflikte nicht überzubewerten: „Eine gute Ökumene ist eine dankbare Ökumene“, fand er. Auch sollten sich mehr Christen in Politik und Gesellschaft engagieren.