Die erste neue Pfarrei Gremienwahl in Reinickendorf-Nord für St. Franziskus

Foto: Alfred Hermann

Berlin. Am 1. Januar ist es soweit: Im Rahmen des Pastoralen Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ wird aus dem ersten Pastoralen Raum die erste neue Pfarrei im Erzbistum. Reinickendorf-Nord mit
Maria Gnaden, St. Hildegard und St. Martin werden St. Franziskus. Bereits jetzt wählen die Gläubigen die neuen Gremien. Während zahlreiche Pfarreien gerade erst in die dreijährige Entwicklungsphase einsteigen, schließt Reinickendorf-Nord seinen Pastoralen Prozess in diesen Tagen ab.

Das Pastoralkonzept liegt vor, der Name der neuen Pfarrei steht. Der Grund für die schnelle Entwicklung: Die drei Pfarreien mit ihren rund 16 000 katholischen Christen und sieben Gottesdienstorten arbeiten schon länger eng zusammen. Bereits seit 2011 bilden sie einen gemeinsamen Pastoralverbund, haben mit
Norbert Pomplun einen gemeinsamen Leitenden Pfarrer und neben den drei Pfarrgemeinderäten
einen alle Pfarreien verbindenden Pastoralverbundsrat.

Gemeinderat und Pfarreirat

Nun gibt es ganz neue Gremien für die neue Pfarrei St. Franziskus. Ein traditioneller Pfarrgemeinderat
gehört nicht dazu. Seine Arbeit teilt sich künftig auf die Ebene der Pfarrei und die Ebene der Gemeinden auf: auf einen Pfarreirat, der die pastorale Arbeit in der Gesamtpfarrei im Blick behält, und auf drei Gemeinderäte, die sich in den drei ehemaligen Pfarreien für die Pastoral vor Ort einsetzen. „Wichtig ist uns, dass das kirchliche Leben in den Gemeinden bleibt und mit den Gemeinderäten vor Ort aktiv mitgestaltet wird“, erklärt Pfarrer Pomplun die neue Gremienordnung. „Der Pfarreirat soll die übergeordnete Sicht einnehmen, Impulse setzen und die Gemeinden miteinander verbinden.“ Neu ist den Gläubigen in Reinickendorf-Nord eine solche Aufteilung nicht. Auch der Pastoralverbund verfügte über
örtliche Pfarrgemeinderäte sowie über einen übergeordneten Pastoralverbundsrat.

„Die künftige Arbeit im Pfarreirat lässt sich am ehesten mit dem bisherigen Pastoralverbundsrat vergleichen“, meint daher auch Antje Markfort, Vorsitzende dieses Gremiums. Nun werden jeweils sechs Vertreter für jeden Gemeinderat gewählt, dem außerdem der Pfarrer oder ein von ihm beauftragter Priester, ein Mitglied des Kirchenvorstandes, ein Jugendvertreter und zwei Vertreter für die Orte kirchlichen Lebens angehören. Die drei Gemeinderäte entsenden je zwei Mitglieder in den übergeordneten Pfarreirat. Sechs Vertreter des Pfarreirates werden zudem durch die Pfarrei gewählt. Ihm gehören außerdem der Pfarrer, ein Mitglied des Kirchenvorstandes, zwei Vertreter der Spanischen Mission, zwei Jugendvertreter sowie zwei Vertreter der Orte kirchlichen Lebens an. Hinzu kommen in beratender Funktion der Verwaltungsleiter, zwei Vertreter des pastoralen Personals sowie ein Vertreter der Ökumene.

Nähe zu den Menschen soll erhalten bleiben

Geleitet werden Pfarreirat wie auch Gemeinderäte nicht mehr durch einen alleinigen Vorsitzenden.
Vorgesehen ist ein Sprecherteam, bestehend aus dem Pfarrer oder dem delegierten Priester sowie
einer Frau und einem Mann aus dem jeweiligen Gremium. „Ein Sprecherteam hat durchaus Vorteile“, findet Markfort, „wenn damit die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt werden kann. Denn vier Jahre Pfarrgemeinderatsvorsitzender, das ist lange und sehr bindend.“ Der Kirchenvorstand der neuen
Pfarrei steht nicht zur Wahl. Vielmehr entsenden die bestehenden Kirchenvorstände je vier Mitglieder,
bevor sie sich selbst auflösen. Diese zwölf Gesandten bilden mit dem Pfarrer als Vorsitzenden sowie
einem Mitglied des Pfarreirates die stimmberechtigten Mitglieder des neuen Kirchenvorstandes. Hinzu kommt als beratendes Mitglied der Verwaltungsleiter.

„Zwar scheiden mit der Fusion einige Kirchenvorstände aus, faktisch brauchen wir diese dann ehemaligen Kirchenvorstände aber weiterhin ganz dringend“, betont Pfarrer Pomplun. „Zum Beispiel macht es für einen Bauausschuss durchaus Sinn, einen Experten vor Ort zu haben.“ Grundsätzlich vergleicht Pfarrer Pomplun die Gründung der Pfarrei mit einer Hochzeit: „Mit der Hochzeit nennt sich die Beziehung anders, sie hat eine höhere Verbindlichkeit und eine größere Endgültigkeit. Aber sie ist von den beteiligten Menschen wie auch von dem, was diese miteinander machen, nichts Neues.“