Die Kirche und ihr GeldEine Podiumsdiskussion mit Caritas und Diakonie, Landeskirche und Erzbistum

Ulrich Seelemann, Ulrike Kostka, Martin Matz und Bernd Jünemann, Foto: Gunnar Lammert-Türk

„Die Kirche und ihr Geld – Finanzen und Haushalt in Kirche, Diakonie und Caritas“ – zu diesem Thema äußerten sich im Rahmen einer Podiumsdiskussion jeweils zwei Vertreter von katholischen und evangelischen Institutionen.

Von katholischer Seite sprachen Diözesancaritasdirektorin Ulrike Kostka und der Dezernatsleiter für Finanzen und Bau des Erzbistums Berlin Bernd Jünemann. Von evangelischer Seite Ulrich Seelemann, der Präsident des Konsistoriums der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, und Martin Matz, Vorstand des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.

Nach den vielen Medienberichten der letzten Zeit zu den Finanzen von evangelischer und katholischer Kirche, aber auch zu Diakonie und Caritas, wollten Vorstandsoberin Constanze Schlecht und der Kaufmännische Vorstand Jan Dreher, beide vom Evangelischen Diakonieverein Berlin-Zehlendorf, mit dieser Veranstaltung Transparenz in das Thema bringen. So fand auch die Podiumsdiskussion im Van-Delden-Haus des Diakonievereins statt.

Beide Kirchen müssen mit erheblichen Einbußen bei ihren Finanzen umgehen. Die Frage ist, wie darauf reagiert wird. Jedenfalls nicht mit gewagten finanziellen Manövern. Das stellten Seelemann und Jünemann gleich eingangs klar. „Wir sind um ein nachhaltiges Anlageverhalten bemüht“, betonte Seelemann. Das heißt, keine dubiosen Fondsanlagen, keine Spekulationsaktionen. Stattdessen sorgsamer Umgang mit dem Bestand, der sichere Einnahmen garantiert. Insbesondere den kirchlichen Immobilien.

Grundstücke, Häuser und Landbesitz kritisch gesichtet

Zu diesem Zweck haben beide Kirchen in den letzten Jahren ihre Grundstücke, Häuser und ihren Landbesitz kritisch gesichtet, einiges veräußert, anderes modernisiert und energetisch saniert, um damit besser als zuvor Einnahmen erzielen zu können. Sie haben aber auch ihre Arbeitsbereiche und den Personalbestand gesichtet, teils reduziert, teils Umstellungen vorgenommen. Auf katholischer Seite im Rahmen der „neuen pastoralen Räume“ unter anderem dadurch, dass den Pfarrern Verwaltungsaufgaben abgenommen wurden, wodurch sie mehr Kapazität für ihre seelsorgerlichen Aufgaben erhielten.

Denn zum Umgang mit der angespannten Finanzlage gehört es auch, neue Mitglieder zu gewinnen und in nahen Kontakt zu den Menschen zu treten. Neben der Pfarrseelsorge auch durch Sozialund Bildungsarbeit. Auf letztere konzentriert sich, wie Seelemann erläuterte, die evangelische Kirche Berlin-Brandenburgs, insbesondere auf eine zeitgemäße religionspädagogische Ausbildung für die Mitarbeiter der Kindertagesstätten und den Aufbau evangelischer Schulen. Die katholische Kirche des Erzbistums Berlin favorisiert laut Kostka im Rahmen der Caritasarbeit ein breites Spektrum sozialer Projekte, auch auf dem Land.

„Positives Risiko-Potenzial einsetzen“

Beides sind Investitionen in die Zukunft. Insofern risikobehaftet, aber, wie Kostka es ausdrückte, „wir müssen positives Risikokapital einsetzen“. Etwas einfacher gesagt, heißt das wohl: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und um dieses Wagnis kommen die Kirchen nicht herum, ihrer Finanzen wegen und der Menschen wegen, für die sie da sein wollen.