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Die Presse als zweite Kanzel

Nahm die Herausforderung als Kirchenzeitungsredakteur im geteilten Berlin an: Prälat Wolfgang Knauft. | Foto: Thomas Marin

Als junger Priester wurde Prälat Wolfgang Knauft für die kirchliche Presse- und Rundfunkarbeit beauftragt. Im geteilten Berlin prägte er das Petrusblatt. Am 25. April feiert er sein 65. Priesterjubiläum.

Mit zwanzig Neupriestern aus dem stärksten Weihejahrgang der Bistumsgeschichte konnte Bischof Wilhelm Weskamm vor 65 Jahren die Seelsorge in der Berliner Diözese deutlich aufbessern. Die letzte Phase ihrer Ausbildung hatten die Neugeweihten in Neuzelle absolviert. So konnten sie auch im Ostteil des Bistums eingesetzt werden, wo die DDR-Regierung keine im Westen Deutschlands ausgebildeten Priester zuließ.

Für den gebürtigen Spandauer Wolfgang Knauft führte der Weg jedoch in den Westteil Berlins. Als Kaplan in St. Elisabeth und St. Klara tat er Dienst in sehr unterschiedlichen Gemeinden. Der Weg in die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche war ihm zu dieser Zeit nicht vorgezeichnet, eher im Gegenteil. Das Bild des reinen „Mappenpriesters“ sei ihm zuwider gewesen, sagt der Prälat rückblickend. Als er 1959 zur Unterstützung Erich Klauseners in den Morus-Verlag entsandt wurde und später die Redaktion des Petrusblattes übernahm, fand er in der Steglitzer Rosenkranzbasilika eine priesterliche Wirkungsstätte. Vierzig Jahre hindurch war er hier jeden Samstag als Beichtvater anzutreffen.

Für die Presse- und Rundfunkarbeit, die über Jahrzehnte Knaufts Arbeitsfeld war, brachte er keine besondere Ausbildung mit, auch keine eigentliche Neigung. Aus seiner Zeit als Kaplan in Schöneberg kannte er allerdings die Familie Bengsch. Der Sohn des Rendanten von St. Elisabeth und spätere Kardinal kannte die Predigten des jungen Priesters und mag bei der Auswahl mitgewirkt haben. Für die damalige Sicht auf die Kirchenpresse, die als „zweite Kanzel“ vor allem Mittel der Verkündigung sein sollte, war Predigttalent ein Kriterium.

Ein Kirchenzeitungsredakteur im geteilten Berlin hatte sich allerdings auch ganz anderen Herausforderungen zu stellen. Zwar waren die Zeitungen im Westteil des Bistums vergleichsweise frei und hatten sich auch an den Kiosken im Verkauf zu behaupten. Als Sprachrohr der Kirche und des Bischofs wurden die Ausgaben des Petrusblattes aber auch im Osten argwöhnisch beobachtet – von den staatlichen Stellen der DDR. Der im Osten residierende Bischof war davon abhängig, sein Amt auch im Westteil ausüben zu können, wo zwei Drittel der Katholiken des Bistums lebten. Artikel, die als kirchenpolitische Provokation verstanden werden konnten, hätten die Einschränkung der Bewegungsfreiheit des Bischofs nach sich ziehen können. Als Gratwanderung beschreibt Wolfgang Knauft seine damalige Aufgabe, die Ost-West-Problematik in der Kirchenzeitung und später in seinen kirchenpolitischen Kommentaren im Rundfunk zu bewältigen.

Als besonders spektakuläres Beispiel ist ihm der August 1961 in Erinnerung. Das Petrusblatt musste auf den Bau der Berliner Mauer reagieren, möglichst ohne die Lage der Katholiken im Osten zu verschärfen. Man behalf sich mit einem Foto der St. Michaelskirche mit den bereits aufgestellten Grenzsperren. Knauft schrieb dazu einen Artikel über die Einheit, allerdings über die Einheit der Kirche im Allgemeinen. Die Kirchenzeitungsleser mussten also nicht nur im Osten zwischen den Zeilen lesen.

 

Biograf der Kardinäle Preysing und Sterzinsky

Ein besonderes Augenmerk legt der 1979 zum Prälaten und 1988 zum Domkapitular ernannte Wolfgang Knauft bis heute auf die zeitgeschichtliche Forschung. Mit 15 Jahren als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst eingezogen, war er bis Ende Januar 1945 in Auschwitz eingesetzt, wo er außerhalb des Vernichtungslagers „gesehen und nicht gesehen“ hat, was dort geschah. Seine Entscheidung, Priester zu werden, und die Neigung, sich mit der Geschichte zu befassen, sieht er von diesen Erlebnissen beeinflusst. Die Arbeit in Verlag und Rundfunk bot die Gelegenheit, sich mit Menschen, Orten und Quellen zu beschäftigen. Biographien über die Kardinäle von Preysing und Sterzinsky entstanden, Arbeiten über den katholischen Widerstand in der NSZeit, die Seelsorge an Zwangsarbeitern und über Persönlichkeiten aus der Bistumsgeschichte. Sein jüngstes Werk ist ein Heft über den Kurfürstendamm und die Kaiser- Wilhelm-Gedächtniskirche, in deren Nähe Wolfgang Knauft seit 1963 lebt.