Ein Sommer mit Musik und Ausflügen

In Zinnowitz wurde während einer Familienfreizeit ein Musical aufgeführt. Foto: Anja Goritzka

„Jeder hat etwas, was er mitbringt und kann sich gut einbringen“, so Constance Krüger aus Berlin. Sie nahm mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann an einer Familienfreizeit im Haus für Begegnung und Familienferien St. Otto in Zinnowitz auf Usedom teil. Einiges war anders als in den Jahren zuvor: Die Schwestern fehlten und aufgrund der Pandemie mussten andere Wege gegangen werden, sowohl bei der Freizeitgestaltung als auch beim Essen im Haus.

So stellte Direktor Marcus Constantin die zwei Freizeiten, die durchgeführt wurden, unter zwei unterschiedliche Themen. In der Woche vom 10. bis zum 24. Juli stand Musik im Vordergrund: „Sommer mit Musik“ hieß es da. Ein von Marcus Constantin geschriebenes Musical mit drei Liedern über den Auszug der Israeliten aus Ägypten wurde gemeinsam einstudiert. Das Erstaunliche: Die Schauspieler spielten Pantomime. Die Stimmen kamen von anderen Teilnehmern aus dem Hintergrund. Am 19. Juli wurde es in der heiligen Messe mit Prälat Stefan Dybowski unter freiem Himmel anstatt einer Predigt aufgeführt. Zusammen singen war endlich wieder möglich und das Musical sorgte für einige Schmunzler. Die Kinder indes hatten Spaß und ihre Eltern eben auch. „Schön ist es“, so ein 15-jähriger Teenager und seine Mutter ergänzte: „Ein bestimmter Zusammenhalt und ein Zusammensein war möglich. Wir hatten ein gutes Miteinander.“ 

Familienfreizeiten erstmals integrativ 

Der zweite Durchgang vom 24. Juli bis 7. August stand hingegen ganz im Zeichen der Entdeckung der Natur: „Im Sommer unterwegs“. Ausflüge auf Usedom, vor allem mit dem Rad, standen auf dem Programm. „Wir erkundeten Deiche und Wiesen im Hinterland, dem Achterwasser. Aber besuchten auch den Tierpark in Wolgast“, erzählt Marcus Constantin, der selbst begeisterter Radfahrer ist. Für diejenigen, die nicht so gut mit dem Rad unterwegs waren, gab es zu den Tagesausflügen auch Anreisemöglichkeiten mit dem Busshuttle.

2020 waren erstmals auch Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Downsyndrom im Rahmen von „Down & Mee(h)r“ dabei. Beim ersten Durchgang war es eine Elfjährige mit ihrer Mutter aus Berlin. Die Tochter fand das Thema Musik wirklich toll. Sie durfte beim Musical trommeln. „Eine andere Familie ist wieder abgereist, weil das Kind mit dem Warten beim Essen nicht so gut umgehen konnte“, räumt die Berlinerin ein. Ihre Tochter schaffe es jetzt langsam. „Gerade bei Downkindern geht vieles über Körperlichkeit, übers Anfassen, was derzeit gar nicht möglich ist. Das ist schwer.“

Wesentlicher Bestandteil der Familienurlaube sind neben den Angeboten die täglichen Abendund Morgenimpulse, wie das Dünensingen oder Trommeln auf Bällen. Für den Mann von Constance Krüger war das gerade essenziell „Ich bin nicht gläubig, aber mein Mann. Ihm ist das wichtig“, erzählt sie. So genoss René Packmann auch gerade an seinem Geburtstag, der in ihren Urlaub fiel, mit seinen Töchtern den Besuch der Kapelle auf dem Gelände von St. Otto.