Eine Chance auf Bildung

Der Sri-Lanka-Projektverantwortliche in der Gemeinde Heilige Familie/Prenzlauer Berg, Andreas Suhl. Foto: Walter Plümpe

Milchkühe und Kreativkurse helfen in der Diözese Jaffna in Sri Lanka, die Wunden von über 25 Jahren Bürgerkrieg zu heilen. Den finanziellen Aufwand für das Projekt „Eluchiyaham“ trägt auch das Erzbistum Berlin mit.

Fischen und Ackerbau stehen auf dem Ausbildungsplan in „Eluchiyaham“. So heißt das Pastoralzentrum der Diözese Jaffna im Norden von Sri Lanka für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. In weiteren Kursen kann man Orgel, Gitarre, Violine, Miruthangam (zweifellige Doppeltrommel), Tanz und Fremdsprachen oder Betriebswirtschaft lernen.

Mit Mitteln aus dem Weltkirchenfonds

Gefördert wird „Eluchiyaham“ durch Missio und Pax Christi und seit zehn Jahren auch vom Erzbistum Berlin – dafür steht der Fonds zur Förderung weltkirchlichen Engagements zur Verfügung. Ein Vergabeausschuss mit Generalvikar Pater Manfred Kollig und Hermann Fränkert-Fechter vom Erzbischöflichen Ordinariat verwaltet mit zwei Mitgliedern aus dem Diözesanrat die Gelder.

Von 1983 bis 2009 herrschte in Sri Lanka ein grausamer Bürgerkrieg. Ethnische Konflikte zwischen Singhalesen und Tamilen rissen tiefe Wunden, die bis heute nicht verheilt sind. Zur besseren Zukunft trägt auch das Bistum Jaffna bei. Es zählt 100 000 Katholiken unter insgesamt 1,4 Millionen Einwohnern. Ein Hoffnungsträger ist „Eluchiyaham“. Der Name ist tamilisch und bedeutet „Aufbruch“. „Wir wollen die Menschen aufrichten, ihnen nach Krieg, Zerstörung und Vertreibung ihre Würde, kulturelle Kreativität zurückgeben; dafür fördern wir Bildung und den Wiederaufbau sozialer Strukturen in den Dörfern und Gemeinden“, sagt Jeya Cornelis, der aus Sri Lanka stammt und 1981 als Flüchtling nach Berlin kam. Er reist jährlich mit seiner Frau in seine alte Heimat, um das Pastoralzentrum und weitere Projekte zu betreuen.

Nachholbedarf in Musik, Tanz und Literatur


Von Berlin aus begleitet Cornelis die Entwicklung, die Vernetzung mit staatlichen Stellen, die Finanzen, die Unterstützung der schulischen und kulturellen Bildung. Nach den Jahrzehnten in Flüchtlingslagern gibt es kulturellen Nachholbedarf in Musik, Tanz, Literatur, tamilischer und englischer Sprache: dafür bietet „Eluchiyaham“ einen Ort der qualifizierten Schulung – bis hin zur Professionalität einzelner Kurse.

Dank der weltkirchlichen Kollekte im Erzbistum Berlin zahlen Kursteilnehmer nur einen geringen Monatsbeitrag. „Kontinuierlich und verlässlich arbeiten kann das Pastoralzentrum nur durch die Unterstützung aus Deutschland“, sagt Cornelis. Angeregt durch ihn fördert die Gemeinde Heilige Familie in Berlin-Prenzlauer Berg das „Arobanam Boy‘s Home“ im selben Bistum. Das Gemeindeprojekt hilft seit fünf Jahren dem Heim für Kriegswaisen und Jungen aus sozial schwachen Familien: Reaktivierung kriegszerstörter Brunnen und Gebäude, Ankauf von Milchkühen und einer Kokosnüsse verarbeitenden Maschine.

Andreas Suhl, Sprecher des „Arobanam“-Projekts, sagt: „Wir ergänzen die Initiative des Erzbistums, indem wir Jungen im Alter von neun bis 16 Jahren eine Chance auf Erziehung und Bildung bieten, die sie sonst nicht hätten.“ Für Kommunionkinder und Firmlinge, aber auch die ganze Gemeinde bietet „Arobanam“ die Chance, über den Tellerrand der eigenen Gemeinde hinaus zu schauen und weltkirchliche Mitverantwortung konkret werden zu lassen.