Eine ganze Generation geprägtMit Sr. Ulrike Stein verlässt die letzte Dillinger Franziskanerin das Christian-Schreiber-Haus

Ungezählte Kurse hat sie begleitet: Sr. Ulrike (Mitte hinten) mit Müttern, Vätern und Kindern im Christian-Schreiber-Haus in Alt-Buchhorst. Foto: privat

Schwerer Abschied: Sr. Ulrike Stein Foto: Cornelia Klaebe

Grünheide. 15 Jahre lang gab sie „AB“ ein Gesicht – dabei hätte nach ihrem eigenen Bekunden 70 Prozent ihrer Arbeit auch jeder andere machen können. Nun verlässt mit Sr. Ulrike Stein die letzte Dillinger Franziskanerin das Christian- Schreiber-Haus.

Erst wollte sie eigentlich gar nicht kommen, nun fällt ihr der Abschied schwer: Als Sr. Ulrike Stein im Jahr 2001 gefragt wurde, ob sie nicht nach Alt-Buchhorst(„AB“) gehen wollte, sagte die Gemeindereferentin: „Ich kann da nicht hin.“ Zu wichtig sei sie in ihrer Gemeinde im Erzbistum Bamberg gewesen, unvorstellbar, eine neue Aufgabe anzunehmen. Aber eine Provinzrätin bohrte und so zog Sr. Ulrike am 1. Oktober 2001 gemeinsam mit Sr. Hermengild Hanner und Sr. Otthilde Baur ins Christian-Schreiber-Haus ein. Wenn sie nun an den Abschied nach exakt 15 Jahren denkt, holt die 56-jährige Ordensfrau tief Luft: „So langsam gewöhne ich mich daran, aber es tut immer noch weh“, offenbart sie ihre Gefühle. Schließlich sei eine ganze Generation Kinder und Jugendliche des Erzbistums durch ihre Hände gegangen. Doch nach den altersbedingten Abschieden von Sr. Hermengild 2011 und von Sr. Otthilde letztes Jahr im November blieb Sr. Ulrike allein übrig; es fand sich keine Mitschwester bereit, nach Alt-Buchhorst zu gehen, und: „Ich bin nicht in eine Gemeinschaft gegangen, um allein zu leben.“ So heißt es jetzt Koffer packen und umsiedeln ins Bistum Würzburg, wo sie wieder mit Schwestern zusammenleben und als Gemeindereferentin arbeiten wird. Dabei wird sie die Zeit in Alt- Buchhorst sicher nicht vergessen: „Besonders schön waren immer die Oster- und Adventskurse“, erinnert sie sich. Aber auch viele andere bleiben gut im Gedächtnis, wie das Arbeitsdiakonat und die Begleitung der Freiwilligen – auch wenn es hart war, von diesen nach einem Jahr wieder Abschied zu nehmen. „Ich habe von den Jugendlichen viel Zuneigung und Bestärkung erfahren“, sagt Sr. Ulrike. Dabei hat sie vor den Diaspora-Kindern und Jugendlichen durchaus Respekt und bewundert es, wenn manche als einziger Katholik in einer Schulklasse sind. „Ich habe erlebt, dass hier die Jugendlichen, die sich für den Glauben entscheiden, entschiedener sind“, vergleicht sie mit ihrer eigenen Kindheit.

Beten und reden bis in die Nacht

Sie selbst ist in einer ländlichen Gegend in Bayern aufgewachsen, da habe die Kirche dazugehört. „Ich war in der Mädchenschola und Gruppenleiterin. Was anderes gab es da ja nicht.“ Sieben Jahre arbeitete sie bereits als Gemeindereferentin im Bistum Würzburg, bevor sie 1990 in Bamberg ins Noviziat der Dillinger Franziskanerinnen eintrat. Dort machte sie 1992 auch die erste Profess und arbeitete danach wieder als Gemeindereferentin – wenn auch im Erzbistum Bamberg. Wenn sie an Alt-Buchhorst denkt, ist Sr. Ulrike klar: „70 Prozent meiner Arbeit hätte jeder andere machen können. Aber entscheidend waren die anderen 30 Prozent: Beten und reden mit den Jugendlichen bis in die Nacht.“ Dabei habe sie sich auf jeden neuen Kurs gefreut, auch wenn manche Jugendliche Unsinn gemacht hätten. „Irgendwann erschüttert einen manches nicht mehr so sehr. Es sind halt Jugendliche.“

Schade um die beiden Schafe

Ein Höhepunkt zum Abschluss war die Begleitung einer Gruppe zum Weltjugendtag in Krakau und das Erleben des barmherzigen Jesus: „Das Wort ‚Jezu ufam tobie‘ – ‚Jesus, ich vertraue dir‘ sitzt noch sehr im Kopf und muss jetzt noch ins Herz wandern“, bekennt die Schwester mit Blick auf die Zukunft. Sie hoffe dabei, dass es auch für „AB“ wieder eine gute Lösung geben werde. Jugendseelsorger Ulrich Kotzur werde verschiedene Gemeinschaften anfragen. Was sie bedauert? „Mir sind die Kinder und Jugendlichen, viele der Mitarbeiter und auch die zwei Schafe ans Herz gewachsen.“ Letztere müssen jetzt gehen, weil niemand da ist, der sie an Feiertagen füttert.