„Eine intensive Entscheidung“Anfrage zum Kirchenasyl in Greifswald gibt der Gemeinde einen Impuls für mehr Engagement

Foto: Anja Goritzka

„Wir müssen uns auch hier in Greifswald Gedanken machen, was wir als katholische Gemeinde für Flüchtlinge tun können“, ist der Pfarrer von St. Joseph, Frank Hoffmann, überzeugt.

Ganz nah kam ihm dieser Gedanke, als der Leiter der Caritas in Anklam, Ulrich Höckner, anfragte, ob die rund 20 Kilometer entfernte Gemeinde einen zum Christentum konvertierten Iraner ins Kirchenasyl aufnehmen könne. Diese Anfrage konnte Pfarrer Hoffmann Anfang März jedoch nicht positiv beantworten: „Wir hatten uns als Gemeinde noch gar nicht mit diesem Thema befasst und positioniert.“

Dennoch ging von der Gegebenheit ein Impuls aus, der zu einem ersten Gesprächsabend über das Thema Kirchenasyl mit Ulrich Höckner führte. Denn so eine Entscheidung, einen Menschen oder eine ganze Familie aufzunehmen, sei intensiv und nicht einfach mal schnell gemacht, ist Pfarrer Hoffmann überzeugt.

Wenn eine christliche Gemeinde einen Flüchtling in den neutralen Kirchraum aufnimmt, sei das eine, zwar nicht rechtliche, so doch moralische geschichtlich gewachsene Sonderform in Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich derzeit keine Flüchtlinge im Asyl einer katholischen Gemeinde. Anders sieht es bei den evangelischen Gemeinden aus: Allein in Greifswald haben sich vier Gemeinden für den Einsatz des Kirchenasyls ausgesprochen. „So eine Form des Schutzes birgt auch immer Risiken“, räumt Ulrich Höckner ein, der auch in der Härtefallkommission des Landes sitzt. So müsse einer Gemeinde klar sein, dass der Flüchtling ab Aufnahme ins Kirchenasyl keinerlei Gelder vom Staat mehr erhalte. Die Gemeinde muss sich also in allen Belangen um ihn kümmern. Sie muss die Lebenshaltungskosten ebenso aufbringen, wie auch den rechtlichen Beistand sichern.

Es gab auch Stimmen gegen Kirchenasyl

In der anschließenden Diskussion wurden auch Stimmen laut, die sich gegen das Kirchenasyl aussprachen. So gebe es in der evangelischen Kirche eindeutige Richtlinien und Stellungnahmen zum Kirchenasyl, die auf katholischer Seite für das Erzbistum Berlin hingegen fehlen würden. Auch sei der Punkt, wer über die Aufnahme innerhalb einer Gemeinde entscheide, eine schwierige Frage. „Die Gemeinde darf auf keinen Fall zerreißen“, meinte Christine Deutscher vom Psychosozialen Zentrum Greifswald im Kreisdiakonischen Werk Greifswald-Ostvorpommern, die als Zuhörerin zu Gast war.

Noch zu früh, aber ein erster Schritt sei gemacht

Den Gemeindemitgliedern von St. Joseph war am Ende des Abends klar, dass es für die prinzipielle Einrichtung des Kirchenasyls noch viel zu früh ist. Dennoch sei ein erster Schritt in Form eines Gespräches gemacht, wie Pfarrer Frank Hoffmann betonte. Eine kleine Gruppe, die dem Pfarrgemeinderat angeschlossen ist, will sich nun zusammen mit ihrem Pfarrer weitere Gedanken machen, wie sie sich für Flüchtlinge stark machen können. Ein Anfang ist auch die Einrichtung eines Spielzimmers im Greifswalder Asylbewerberheim und ein Gesprächsangebot für Flüchtlinge und Einheimische der Caritas Greifswald: Im Format „Zweiplus- zwei-Gespräche“ treffen sich zwei Flüchtlinge mit zwei Einheimischen zweimal zum Kaffee oder Abendessen. Ziel ist es, gemeinsam Deutsch zu sprechen und in Kontakt zu kommen.