Einfach nur helfen

Bernhard Klinner mit seiner Frau Gisela im heimischen Garten. Foto: Gunnar Lammert-Türk

Um Mutter Teresas Schwestern der Barmherzigkeit zu unterstützen, gründete Bernhard Klinner die Sankt Martin-Gesellschaft. Sein Einsatz für Menschen in Not wurde sogar mit dem Bundesverdienstorden gewürdigt.

„Sein Engagement beweist, dass jeder Großes zu leisten vermag, wenn er sich im passenden Moment für das Richtige entscheidet“ – mit diesen Worten wurde Bernhard Klinner gewürdigt, als ihm der Verdienstorden der Bundesrepublik verliehen wurde.

Er wurde für sein soziales Engagement als Gründer und Motor der Sankt Martin-Gesellschaft ausgezeichnet. Für die Verleihung wünschte sich Klinner keine große Rede, da er in Bezug auf Auskünfte über ihn einfach etwas sparsam und bescheiden ist. Dabei ist er sich seines Tuns und der Gründe dafür durchaus bewusst und vor allem ist er voll feinem Humor, der immer wieder als freundlich-spöttisches Lächeln in seinem Gesicht aufscheint. Dieser zeigt sich auch, wenn er anmerkt, dass die Sankt Martin-Gesellschaft trotz ihres Vorsitzenden erfolgreich gewesen sei.

Mit Disziplin und Zielstrebigkeit

Klinner musste früh Verantwortung übernehmen und meisterte sie mit Disziplin, etwas, das ihn neben ausgeprägter Zielstrebigkeit auszeichnet. Er führte den Haushalt für den jüngeren Bruder und die Mutter, die das Eisenwarengeschäft der Eltern in Prenzlauer Berg allein betreiben musste, weil der Vater im Krieg geblieben war. Die Ware für den Laden holte Klinner mit einem Leiterwagen zu Fuß aus Treptow. Viel Zeit verbrachte er außerdem in der Gemeinde Heilige Familie am Humannplatz, wo er auch eine Jugendgruppe leitete.

Kurze Zeit erwog er, Priester zu werden, ließ sich dann aber zum Großhandelskaufmann ausbilden und trat 1956 eine Stelle als Exportsachbearbeiter in einem DDR-Außenhandelsunternehmen an, mit der Auflage, Westberlin nicht zu betreten. 1959 erhielt er Besuch von zwei Männern, die ihn für die erst vor ein paar Jahren gegründete Nationale Volksarmee werben wollten. Das war für ihn der Anlass, die DDR doch zu verlassen. Klinner hatte schon als Schüler Ärger bekommen, weil er in einem Diktat „sogenannte“ vor „DDR“ gesetzt hatte, denn demokratisch erschien sie ihm nicht. Auch lehnte er als Katholik den atheistischen Staat ab. Er betont: „Das Wort Freiheit steht ganz groß über meinem Leben.“

Über Westberlin, wo er Verwandte hatte, zog er weiter zu anderen Verwandten nach Wolfsburg. Dann, weil er dort Arbeit fand, nach Mannheim. Im August 1964 kehrte er schließlich zurück nach Westberlin.

Zuvor hatte er als Küchenkraft und Kellner vier Monate auf einem Frachter Richtung Mittelamerika verbracht. Die Armut dort, wo die Menschen in den Häfen die Abfälle aus den Tonnen klaubten, machte auf ihn starken Eindruck. Das war vermutlich einer der Gründe, die zur Gründung der Sankt Martin-Gesellschaft beitrugen. Bis dahin verging aber noch einige Zeit. Klinner lernte seine Frau kennen, heiratete 1967, zwei Söhne wurden geboren. Neben seiner Arbeit, erst bei Telefunken, dann bei der Berliner Industriebank, war er in der Rosenkranzgemeinde in Steglitz sehr aktiv.

1997 trat er in den Ruhestand und hatte Kapazitäten für neue Tätigkeiten. Dann starb im September dieses Jahres Mutter Teresa. Klinner besuchte das Requiem in St. Marien Liebfrauen, wo sich die Berliner Suppenküche der Schwestern der Barmherzigkeit befindet. Für deren Absicherung wollte er einen Förderverein gründen, musste aber erfahren, dass Mutter Teresa verfügt hatte, dass kein Verein mit ihrem Namen gegründet werden dürfe.

Die Gründungsversammlung war jedoch schon einberufen, in zeitlicher Nähe zum Martinstag. Das war die Lösung: Der zu gründende Sozialverein erhielt den Namen des Mantelteilers, die Sankt Martin-Gesellschaft war entstanden. Bis 2018 sammelte sie um die 226 000 Euro und unterstützte vor allem drei Projekte: Zwei Dritteln gingen an das Kinderhaus Sonnenblume in Bernau und die Drogentherapieeinrichtung Fazenda Gut Neuhof bei Nauen. Das restliche Drittel der Einnahmen kam der Berliner Stadtmission, der Berliner Suppenküche der Schwestern der Mutter Teresa sowie der Initiative Evas Haltestelle zugute.

Abschied und Würdigung

Tobias Dünow, Wissenschaftsund Kulturstaatssekretär des Landes Brandenburg, fand in der Laudatio zur Übergabe des Verdienstordens an Klinner nur anerkennende Worte: „Herr Klinner ist ein gutes Beispiel für solidarisches Engagement und gesellschaftlichen Einsatz. Er unterstützte über viele Jahre Einrichtungen in Berlin und Brandenburg, die in Notsituationen befindliche Frauen, Wohnungslose und Drogenabhängige betreuen. Herr Klinner organisierte mehr als dreißig Benefizveranstaltungen. Ihm war stets wichtig, dass Menschen in Not ohne Ansehen ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Nationalität geholfen wird.“

Gefragt, ob es ihn geschmerzt habe, nach gut zwanzig Jahren die Gesellschaft aufzulösen, antwortet der 84-Jährige: „Man muss auch aufhören können.“ Und zeigt noch einmal sein freundlich-spöttisches Lächeln.