„Engagieren Sie sich aus Ihrem Glauben heraus“Treffen der Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände aus dem ganzen Erzbistum

Der Markt der Möglichkeiten gab Raum für Begegnung. Foto: Alexandra Wolff

450 Pfarrgemeinderäte und Kirchenvorstände trafen sich am 20. Februar mit Erzbischof Heiner Koch in der Kirche St. Elisabeth in Berlin-Mitte und der benachbarten Villa Elisabeth. „Aus Platzgründen mussten wir sogar noch gut 100 Absagen verschicken“, sagt Uta Raabe, die das Dezernat Seelsorge leitet. Beide Gebäude waren voll mit engagierten Katholiken aus Berlin, Brandenburg und Vorpommern.

Erzbischof Koch feierte eine heilige Messe und verbrachte den Tag mit ihnen. In seiner Predigt ging der Erzbischof auf das 26. Kapitel des Buchs Deuteronomium (Verse 16-18) ein. Drei Mal benutzt Moses dort das Wort „heute“: Heute hat Gott das Volk Moses ausgerufen, heute hat das Volk Ja zu Gott gesagt und heute hat Gott das Ja angenommen. Über dieses Heute spannte Erzbischof Koch einen Bogen in die Gegenwart, denn der Tag des Treffens war zugleich der Todestag des Berliner Arbeiterpriesters Carl Sonnenschein, der – so Erzbischof Koch – auch sehr im Heute gelebt habe.

Nach dem Gottesdienst hielt der Erzbischof ein Impulsreferat. Er erzählte von einer Begegnung, die ihn nicht mehr loslässt: Nach einer Firmung begrüßte er auf dem Kirchplatz eine Mutter und fragte, wann denn ihr Kind gefirmt werde. „Gar nicht“, antwortet die Frau und ihre Augen füllten sich mit Tränen. „Ich bin gottlos. Leider.“ 70 Prozent der Bevölkerung in den Grenzen des Erzbistums sind keine Christen; die Mehrheit von ihnen stelle die Frage nach Gott nicht (mehr).

Hier sah der Erzbischof Ziel und Zielgruppe aller pastoraler Raumplanung: die Gottesfrage wach halten, dafür sorgen, dass „das Gerücht von Jesus Christus nicht verstummt“ in Vorpommern, in Brandenburg, in Berlin. „Wir können den Glauben nicht ‚machen‘, aber wir können Räume erschließen, in denen er sich entwickeln kann.“ Dafür müsse jeder seine Charismen entdecken und sie in Solidarität mit den Mitchristen in den Kiez, den Landkreis, in die Gesellschaft einbringen: „Engagieren Sie sich aus Ihrem Glauben heraus, schaffen Sie Beziehungen, bauen Sie Lebens- und Glaubensgemeinschaften auf.“ Schwere Wege seien das, gab Erzbischof Koch zu, weil das Gesetz der Trägheit nicht nur in der Physik gelte und Menschen sich nur ungern veränderten. Deshalb machte er Mut: „Es ist kein Zufall, dass Sie jetzt und hier in den Pfarrgemeinderat, in den Kirchenvorstand gewählt wurden. Möge Gott das Gute, dass er in Ihnen begonnen hat, in Ihnen vollenden!“

Auch die Diskussionsrunden für die Kirchenvorstände (Grundlagen kirchlicher Vermögensverwaltung) und Pfarrgemeinderäte (Erfrischend vielfältig – Kirche vor Ort) hörte er sich an. Vor dem Abschluss-Segen gab es noch einen Markt der Möglichkeiten, bei dem sich die Teilnehmer beispielsweise über ethische Geldanlagen, Arbeitsschutz oder Ökumene informieren konnten.