„Er bügelte für eine arme Frau“Interview mit Dr. Gotthard Klein zum 20. Jahrestag der Seligsprechung Bernhard Lichtenbergs

„Er stieg in den Bus ein und grüßte: Gelobt sei Jesus Christus.“ Foto: Diözesanarchiv Berlin

Berlin. Vor 20 Jahren, am 23. Juni 1996, sprach Papst Johannes Paul II. Bernhard Lichtenberg selig. Seit 1985 hat Dr. Gotthard Klein darauf hingearbeitet – heute leitet er das Diözesanarchiv und drängt als Postulator auf die Eröffnung des Heiligsprechungsverfahrens.

Herr Dr. Klein, haben Sie noch Weggefährten Lichtenbergs kennengelernt?

Als Mitarbeiter beim Seligsprechungsprozess habe ich etwa Dompropst Wolfgang Haendly, der Kaplan bei Bernhard Lichtenberg war, und Lichtenbergs langjährige Haushälterin, Schwester Stephana Ostendorf, kennengelernt.Der frühere Kaplan konnte über das geistliche Leben Auskunft geben. Schwester Stephana hat Lichtenberg im Gefängnis besucht. Die erhaltenen Briefe aus dem Gefängnis richten sich an sie.

Was haben die beiden Ihnen erzählt?


Sie haben erzählt von der Konsequenz dieses vielleicht auch sperrigen Heiligen. Heilige sind nicht nur zum Wohlfühlen und Anfassen da. Lichtenberg ist beispielsweise eine Gestalt von unbändigem Feuer, unermüdlich tätig und ohne viel Freizeit oder Feierabend. Das Priestertum war seine Lebensmitte. Mich fasziniert die Konsequenz, nicht nur den anderen zu predigen, sondern auch selbst so zu leben.

Haben Sie Beispiele?


Etwa, dass Brevier, Messopfer, öffentliches Abendgebet Fixpunkte seines Alltags geblieben sind, auch wenn es drunter und drüber ging oder Projekte anstanden. Selbst seine Feinde haben an der Glaubwürdigkeit und Geradlinigkeit dieses Priesters nicht gezweifelt. Er war politisch tätig, aber durchaus auch caritativ. Da gab es auch Dinge, die erst später bekannt wurden. Abends wusste oft keiner, wo Lichtenberg war – da ist er zu einer armen Familie gegangen und hat der Frau mit vielen Kindern, die von ihrem Mann sitzen gelassen worden war, die Wäsche gebügelt.

Ist die Konsequenz im geistlichen Leben ein Kriterium für Heiligkeit?


Für sein sogenanntes heroisches Tugendleben ist das durchaus wichtig, zumal die Kirche ihn als Vorbild empfiehlt und offiziell in ihr Gedächtnis einschreibt. Beim Seligsprechungsprozess haben wir uns aber auf das Martyrium konzentriert.

Hatte Lichtenberg auch Schattenseiten?


Seine Konsequenz schüchterte so manchen ein. Wenn er zum Beispiel mit der Krankenkommunion durch Charlottenburg ging, erwartete er, dass die Gläubigen mitten auf der Straße hinknien, weil er mit dem Allerheiligsten kam. Für ihn war es eben selbstverständlich, vor dem Heiland in die Knie zu gehen. Er stieg in Ubahn oder Bus und grüßte: „Gelobt sei Jesus Christus.“ Er hatte ein glühendes Temperament und war oft maßlos.

Was für eine Erinnerung haben Sie an die Seligsprechung?


Wenn man Jahre an der Positio gearbeitet hat, der Zusammenstellung aller Dokumente für das römische Seligsprechungsverfahren, dann ist das natürlich ein besonderes Erlebnis. Im Olympiastadion, an dem Ort, an dem das nationalsozialistische Regime den schönen Schein des Dritten Reichs inszeniert hat, da werden Märtyrer des Dritten Reichs selig gesprochen. Dass der Papst, bevor er durch das Brandenburger Tor ging, vor Lichtenbers Grab gebetet hat, das bleibt mir besonders in Erinnerung.

Wie ist der aktuelle Stand des Heiligsprechungsverfahrens?


Wir hoffen und warten auf Meldungen über Gebetserhörungen und Wunder.

Mitteilungen über Gebetserhörungen auf die Fürsprache des Seligen Bernhard Lichtenberg werden erbeten an: postulator@bernhard-lichtenberg-kapelle.de