Es leuchten die Sterne

Mechanischer Weihnachtsberg, Detail, Erzgebirge, um 1885. | Foto: Staatliche Museen zu Berlin/David von Becker

Kennen Sie die Glöcklerkappe? Oder den Hartensteiner Stern? Zusammen mit vielen anderen Exemplaren zeigt das Museum Europäische Kulturen beide in der Ausstellung „Sterne, nicht nur zur Weihnachtszeit“.

Wer mag sich der Faszination eines nächtlichen Sternenhimmels entziehen? Wer möchte nicht nach den Sternen greifen? Seit je her und in allen Kulturkreisen beflügeln Sterne die Fantasie der Menschen und wecken Hoffnung.

Nun widmet sich eine Ausstellung im Museum Europäischer Kulturen diesem Thema: „Sterne, nicht nur zur Weihnachtszeit“. Gezeigt werden die greifbaren, von Menschenhand geschaffenen Sterne, die den Betrachter gerade zur Advents- und Weihnachtszeit in ihren Bann ziehen. Ein breit gefächertes Themenspektrum informiert darüber hinaus über die Bedeutung und Verwendung von Sternen in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen, wie zum Beispiel den Sternen in den Religionen, in der Wissenschaft oder den Sternen in Flaggen.

 

Lichtdurchlässige Farbigkeit wirkt

Die ausgestellten Leuchtsterne in ihren vielfältigen Gestaltungsformen gehen auf Vorbilder zurück, die vor mehr als hundert Jahren in Sachsen entstanden sind. Aus Papier oder Kunststoff hergestellt, mag uns ihre Formgebung vielleicht bekannter vorkommen als ihre Namen, die zumeist auf ihre Herstellungsorte zurückgehen. Der „Sebnitzer Weihnachtsstern“, der „Herrnhuter Advents- und Weihnachtsstern“, der „Hartensteiner Stern“, sie alle sind kunstvoll gestaltet und entfalten eine besondere Wirkung durch ihre lichtdurchlässige Farbigkeit und ihre Komposition. In der Ausstellung kann man auch Wissenswertes über die Herstellungsweise dieser traditionsreichen Sterne erfahren.

Auch weniger Vertrautes ist zu entdecken. So überrascht der aus Polen stammende „Drehstern“ den Betrachter durch seine eigenwillige Formgebung und kräftigen Farben. Über seine Entstehungsgeschichte geben drei kurze Filme Auskunft. Nicht allen dürfte die prachtvoll gestaltete „Glöcklerkappe“ bekannt sein, ein Stern, der in Zusammenhang mit dem weihnachtlichen Brauchtum der österreichischen Region Traunsee steht. Glöckler läuten mit ihren sternförmigen, beleuchteten Glöcklerkappen die Nacht zum 6. Januar ein und wollen so, in Verbindung mit ihrem Lauf bestimmter Figurenformationen, die bösen Rauhnachtsgeister vertreiben.

Von den Leuchtsternen wenden wir uns nun den Sternen in ihrer Funktion als Symbole und Kennzeichen zu, wie dem Stern in den drei monotheistischen Religionen. Das Zeichen des Christentums ist das Kreuz, doch es kennt auch einen symbolisch bedeutsamen Stern, den „Stern von Betlehem“, dem Geburtsort Jesu, aus der Weihnachtsgeschichte.

 

Nationalsymbole und Himmelsgloben

Dieses Zeichen der Geburt Jesu diente bekanntlich den Weisen aus dem Morgenland als Wegweiser. Im Judentum versinnbildlicht der nach dem König David aus dem Alten Testament benannte Davidstern die Nähe des Menschen zu Gott. Neben dem Glaubenssymbol ist er aber auch politisches Symbol des Volkes Israel. Auf der ausgestellten Sabbatdecke ist er zusammen mit den Gesetzestafeln zu sehen. Das Motiv des Halbmondes in Verbindung mit einem Stern dagegen weist auf den Islam hin. Sterne als Ornamente spielen auch in der islamischen Kunst eine Rolle.

So wie die Astronomie in den Sternen weit entfernte Sonnen sieht, dienten sie früher der Seefahrt zur Orientierung. Zwei beeindruckende Himmelsgloben mit Sternbildern versinnbildlichen dies. Auch in den Nationalflaggen sind Sterne präsent, von den Stars and Stripes bis hin zu den zwölf Sternen der Europa- Flagge.

Doch es gibt noch mehr Sterne und Weihnachtliches im Museum zu entdecken: Ein „Sternenpfad“ führt uns zum Beispiel zum mechanischen Weihnachtsberg, einer besonderen Form der Weihnachtskrippe aus dem Erzgebirge.

Museum Europäischer Kulturen, Arnimallee 25, Berlin-Dahlem. Dienstag bis Freitag 10-17 Uhr, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr; bis 3.2.2019.