Gedanken zum Abschied einer Kühlkombi

Foto: privat

Kürzlich haben wir eine neue Kühl-Gefrier-Kombination bekommen. Als die Mitarbeiter des Elektrogroßhändlers die alten Geräte – eingebaut in einen wahrhaft hässlichen braun-beigen 80er-Jahre Hochschrank – abtransportierten, erfasste mich Wehmut. Der Schrank hat uns 30 Jahre lang quer durch Deutschland begleitet – durch viele Familienphasen und Krisen hindurch. Übernommen haben wir ihn in unserer ersten Wohnung von unseren Vormietern in Mainz. Dort kam vier Jahre später unser erstes Kind zur Welt. Wir haben frisch pürierten Babybrei im Gefriefschrank eingefroren und im Kühlschrank schonend aufgetaut. Zwei Jahre später zogen wir aus beruflichen Gründen nach Bonn um. Der Schrank kam mit. Drei Wochen später wurde unser zweites Kind geboren. Wieder: Babybrei, Muttermilch – die Kühlkombi leistete gute Dienste. Drei Jahre später: Umzug nach Berlin. Die beige-braune Kombi kam mit. Nach zwei Jahren: Geburt unseres dritten Kindes. Die Wohnung wurde zu klein – Umzug in eine größere 500 Meter weiter. Mit dabei: unser altbewährtes Haushaltsgerät. Kein prominenter Platz mehr in der Küche, sondern Ersatzgerät im Keller. Kein Kühlort mehr für Kleinkindnahrung, sondern Zusatzraum für kalte Getränke und alles, was man aus Gründen der Vorratshaltung in einer größeren Familie benötigt. Nun geht eine Ära zu Ende. In unserem Keller steht eine moderne weiße Kombi.

Warum schreibe ich hier davon – in der Rubrik über „Amoris Laetitia”? In seinem Schreiben spricht Papst Franziskus davon, dass es in einer Ehe immer wieder Veränderungen gibt, Krisen zu bewältigen und neue Schritte notwendig sind. Das symbolisiert für mich unser beige-brauner Mitbewohner. Am Tag, als er uns verließ, schrieb unser jüngstes Kind (die beiden großen sind bereits ausgezogen) seine erste Abiturklausur. Da steht bald wohl wieder eine Veränderung an …

Bettina Schade
Referentin für Familienpastoral im Erzbistum Berlin, verheiratet mit Thomas Schade