Geknüpfter Glauben

Sylvia Vandermeer (mitte) stellt derzeit in Stella Maris in Binz aus. Die Ausstellung „Atemholen im Glauben“ nutzt auch die Referentin für Tourismuspastoral, Marion von Brechan (links), für Herbstaktionen und Gespräche. | Foto: Anja Goritzka

In der Binzer Kirche Stella Maris sind außergewöhnliche Wandteppiche der Künstlerin Sylvia Vandermeer zu sehen. „Atemholen im Glauben“ heißt die Ausstellung, die in die Tourismuspastoral Rügens mit einbezogen ist. Denn bis Anfang November ist auf der größten Insel Deutschlands noch Feriensaison.

„Oh, das sind ja wirklich Teppiche“, so eine Gottesdienstbesucherin erstaunt. Sie steht vor einem von fünf Teppichen im Vorraum von Stella Maris auf Binz. Diese wurden nach Malereien der Künstlerin Sylvia Vandermeer erstellt und haben bis jetzt eine lange Reise hinter sich: Die erste Ausstellung fand nämlich zum Katholikentag statt. „Gerade kommen sie von Sylt“, erzählt ihr Mann Frank Meierewer. Ihm ist es auch geschuldet, dass diesmal Teppiche genutzt wurden. „Sie sind praktischer als die Stelen der Betenden oder große Bilder. Wir können sie einfach zusammenrollen und im Ausstellungsraum aufhängen oder auch hinlegen“, meint die Künstlerin.

Die Originalbilder stehen in ihrem Atelier auf Rügen. Die gebürtige Österreicherin griff diesmal zu knalligen Farben, fast real wirken ihre Motive auf den Ausstellungsstücken. Die Frage, der sie nachgeht, ist diesmal gut fassbar: Wo finde ich Ruhe, wo kann ich „Atemholen im Glauben“? Die Idee dazu kam während eines Gesprächs mit einer Freundin: „Sie stellte fest, dass ihr so ein Ruhepol im Leben gerade fehle.“ Aus diesem Gespräch entstand eine Interviewreihe. „Die Interviewten haben mir ganz intime Dinge erzählt, über ihre Kindheit, über ihre Orte des Glaubens“, berichtet Sylvia Vandermeer. Diese Interviews setzte sie dann in 2 mal 1,4 Meter große Bilder um. 14 Kunstwerke entstanden und wurden von einer Spezialmanufaktur zu Teppichen gewebt: Da ist eine Treppe an einem Wasser, über die ganz unterschiedliche Menschen gehen oder das Labyrinth von Chartres oder ein Mann am Meer vor einem Lagerfeuer.

Begleittexte vom prominentesten Mönch Deutschlands

Zu zehn dieser Kunstwerke hat Anselm Grün, der bekannte Benediktinermönch Texte verfasst, die sich in einem dazugehörigen Büchlein finden. Das war nicht die erste Zusammenarbeit von Sylvia Vandermeer mit ihm und sie freut sich immer wieder darüber: „Wir hatten uns in Münsterschwarzach getroffen und ich zeigte ihm die Bilder. Er hatte sich spontan bereit erklärt, Texte zu verfassen und nach zwei Tagen hatte ich sie schon per Mail erhalten.“

Sie persönlich kann in ihrem Glauben vor allem in der Natur Atemholen, bei wunderbaren christlichen Veranstaltungen „wie an Palmsonntag in Chartres“ und morgens bei einer Tasse Kaffee in ihrem Atelier vor ihren Bildern. „Hier meditiere ich oft und dann entstehen die Ideen“, berichtet sie.

Auch für die Besucher der Gottesdienste in Binz auf Rügen steht das Atemholen meist im Vordergrund, denn es ist Ferienzeit – Saison bis Anfang November – wie der Rüganer Pfarrvikar Bernhard Scholtz meint. Deshalb bietet auch die Referentin für Tourismuspastoral, Marion von Brechan, momentan unterschiedliche Veranstaltungen an: Vom Freitagspilgern mit Besinnungsstopp bei der Ausstellung über Taizé-Andachten in der Kirche bis hin zum Bibelkrimi für Groß und Klein.

Die fünf Wandteppiche von Sylvia Vandermeer werden auch über den Winter in Stella Maris zu sehen sein. 2019 gehen sie dann zusammen mit den anderen auf Tour durch das gesamte Erzbistum Berlin: In der Fastenzeit werden sie einzeln als „fliegende Teppiche“ unterwegs sein.