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Gemeinsam auf dem Weg

Cornelia Wehr in ihrem Element: Bis zum Ende unterrichtete die Schulleiterin selbst. | Foto: Patrick Pehl

Nach fast dreißig Jahren als Schulleiterin der katholischen Schule Liebfrauen und vierzig Jahren im Schuldienst geht Cornelia Wehr in den Ruhestand. Ein Rückblick auf ihr Lebenswerk.

Die Liebfrauen-Schule befindet sich in Berlin-Westend, nicht weit entfernt vom Funkturm. In einer Gründerzeitvilla ist das Büro von Cornelia Wehr. Doch nicht dort findet man die Schulleiterin, sondern in einem anderen Teil der Lehranstalt, mitten unter den Schülern. Sie ist in ihrem Element. Als erste Laiin übernahm die Ur-Berlinerin die Schule anno 1992. Zuvor war die erste Tochter von drei Kindern eines Sozialpädagogen und einer Hausfrau bereits im Alter von 32 Jahren stellvertretende Schuldirektorin. Heute wie damals wohnt sie im Süden der Stadt, in Lichtenrade.

Schon früh war es Cornelia Wehrs Wunsch zu unterrichten. „Ich führte ein aktives katholisches Leben, war im Pfarrgemeinderat und Pfarrjugendleiterin, also lag es auch nahe, in den katholischen Schuldienst zu gehen“, so rekapituliert die heute 65-Jährige. Als die Tempelhoferin in den Siebzigern begann, wurden Lehrer nicht gerade gesucht und so trieb sich die Junglehrerin zwischenzeitlich mit dem Gedanken um, eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Neben ihren Staatsexamina hatte die sprachgewandte Frau mit 26 Jahren ihren Magister Artium in der Tasche. Ihre Kollegen sind froh, dass sie 1979 in den Lehrbetrieb kam, denn die fröhliche Dame mit dem Perlenschmuck kümmert sich heute um alle Belange in der Schule und hat drüber hinaus immer ein offenes Ohr für die Anliegen des Lehrerkollegiums und ihrer Schüler. Entscheidungen werden mit Bedacht, aber konsequent getroffen. Nahezu jeden der fast 800 Schüler kennt und erkennt sie. Mit viel Engagement und Herzblut leitet sie die Schule – und bis vor Kurzem pflegte sie auch noch ihre kranke Mutter, die am Karfreitag starb.

Die umtriebige Schulleiterin, die noch immer Unterricht gibt, schreitet bestimmt die Flure entlang. Man hört ihr an, dass sie jeden Quadratzentimeter und jeden Kiesel in der lebendigen Penne kennt. Schüler grüßen die freundliche Dame, ehrliche Sympathie sprüht ihr entgegen. Kollegen bezeichnen sie als „fantastische Schulleiterin“ und loben ihr Engagement für die kreativen Freiräume im Schulalltag. Sie ist bescheiden, aber nicht ohne Ziele.

Für Cornelia Wehr ist die Schule mehr als nur eine Lehranstalt: „Die Schule ist in der Gesellschaft und die Absolventen gehen mündig in die Welt.“ Das kritische Betrachten politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen hat sie aus jungen Jahren übernommen: „Wir sind damals bewusst in West-Berlin geblieben. Wir haben die Hoffnung nicht verloren, unsere Verwandten in Dresden und Frankfurt (Oder) wiederzusehen.“ Heute gibt es die Bedrohung aus dem Osten nicht mehr, aber wichtig sei ein geschärfter Geist heute immer noch und das wollte Cornelia Wehr mit ihrer engagierten Arbeit in den vergangenen Dekaden erreichen.

 

Liebe zu Schülern und Schule

„Ich liebe die Schule, denn hier spielt ja das Leben“, spricht Cornelia Wehr etwas nachdenklich aus. In ihrer nun freien Zeit möchte die lebensfrohe Cornelia Wehr wieder mehr reisen und sich ihrem Garten in Lichtenrade widmen, auch der Kunst der Floristik ist sie zugeneigt. „Sie ist bescheiden, integer und brachte all die Jahre zutiefst menschliche Fähigkeiten ein“, so Musiklehrer Andreas Wittmer. Ohne die gewandte Tempelhoferin wäre die katholische Schule Liebfrauen nicht das, was sie heute ist, ihr Nachfolger wird auf den Schultern von Riesen stehen.

Einen Termin hatte Cornelia Wehr aber noch, bevor sie offiziell verabschiedet wird: der jährliche Abitur-Ball. Hier kann sie einfach nur Gast sein – kann und muss sich um nichts kümmern. Und die sonst nimmermüde Frau bemerkt: „Auch mal schön.“