Glauben gegen „Heidenangst“

Foto: Diakon Thomas Marin

Der Dekanatstag für Brandenburg und Potsdam-Luckenwalde am Pfingstmontag stand in diesem Jahr im Zeichen des heiligen Bonifatius. Die Jugend der Region traf sich zuvor in Brandenburg.

Dekanatstag und Pfingstnacht der Jugend – dieses Doppel in Brandenburg an der Havel und im Kloster Lehnin entwickelt sich langsam zu einer Tradition. Zum dritten Mal waren Jugendliche aus den Gemeinden der beiden Dekanate am Pfingstsonntag in die Havelstadt gekommen, um die Nacht vor dem Dekanatstag
mit Anbetung und Lobpreis zu gestalten. Mehr als 70 junge Christen zwischen 13 und 27 Jahren füllten die kleine mittelalterliche Nikolaikirche mit ihrem Gesang und mit Kerzenschein. Nach der Übernachtung in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit fuhren sie ins nahegelegene Kloster Lehnin, wo der traditionelle Dekanatstag
stattfand, diesmal mit Prälat Stefan Dybowski.

Das Fest des Apostels der Deutschen fiel in diesem Jahr auf den Pfingstmontag, Grund genug, den heiligen Bonifatius zum roten Faden der Gestaltung zu machen. „Mit Axt und Gloria“ war das Motto des Tages, der im Blick auf das erwartete Verschwinden der Dekanate zugunsten pastoraler Räume schon den Untertitel „Der Märkische Katholikentag“ trug.

Die ausrichtenden Dekanate dokumentierten damit, dass das Katholikentreffen der Gemeinden westlich und südlich der Hauptstadt auch in Zukunft einen privilegierten Platz im Kalender behalten soll. Gleichzeitig erinnerten sie an die gleichnamigen Treffen der Diasporakatholiken bis in die 1930er Jahre. Christus in der Diaspora zu bezeugen, ist nicht ohne ökumenisches Miteinander möglich, wie die traditionelle Gastfreundschaft der evangelischen Stiftsgemeinde erneut zeigte.

Das Grußwort der Gastgeber sprach die Freude aus, die ehemalige Zisterzienserklosterkirche wieder mit rund 1000 Christen gefüllt zu erleben. Ausdrücklich wurde die Verehrung der Heiligen gewürdigt, die im mittelalterlichen Flügelaltar gegenwärtig waren. Aus der Bonifatiuspfarrei in Bad Belzig wurde zudem eine Bonifatiusstatue mitgebracht.

Christianisierung nicht abgeschlossen

Das Evangelium solle man nicht „wie die Axt im Walde“ unter die Leute bringen, betonte Prälat Dybowski in der Predigt. Das berühmte Fällen der Donareiche durch den Missionar habe damals wie heute aber deutlich gemacht, dass Christen der „Heidenangst“ die frohe Glaubensgewissheit der Nähe und Liebe Gottes entgegenzusetzen hätten.

Als Stärkung des eigenen Glaubenszeugnisses konnten die Teilnehmer einzeln den Segen mit einer besonderen Bonifatiusreliquie empfangen. Der Fuldaer Bischof Joseph Damian Schmitt hatte sie 1936 dem jungen Bistum Berlin geschenkt – mit dem Hinweis, Bonifatius hätte in Sachen Christianisierung seinen Auftrag noch nicht ganz erfüllt. Damals ging es um das aufkommende Neuheidentum der Nazis, heute mehr um die vielen Sinnsuchenden außerhalb der Kirche.

Gestärkt durch Wort und Sakrament, Segen und Gesang, aber auch durch den Einsatz der Fazenda und des Friesacker Vereins Deo Iuvante an Grill und Kuchenstand ging es zurück in den Alltag, in dem sich das Glaubenszeugnis bis zum nächsten „Märkischen Katholikentag“ in Lehnin bewähren soll.