„Gottes Liebe spürbar machen“125 Jahre St. Josefsheim in der Berliner Pappelallee

Provinzoberin Schwester Maria Claudia Remki vor dem Haus in der Pappelallee 61, in dem die selige Maria Teresa Tauscher vor 125 Jahren ihr Werk begonnen hat. Foto: Walter Plümpe

Vor 125 Jahren eröffnete die selige Maria Teresa Tauscher das erste St. Josefsheim in Berlin-Prenzlauer Berg. Mit drei heimatlosen Kindern, einer Erzieherin und einem Dienstmädchen zog sie am 2. Juli 1891 in das angemietete Haus auf der Pappelallee 61 ein.

Mit der Eröffnung des Kinderheims in der Pappelallee legte Maria Teresa Tauscher neben dem Fundament für eine wichtige soziale Einrichtung auch den Grundstock für eine neue Ordensgemeinschaft, den Karmel vom Göttlichen Herzen Jesu. Wie kam es zu dieser Gründung, die heute von 380 Schwestern weltweit fortgeführt wird? Es war die Armut im Norden Berlins, die den äußeren Anstoß zur Gründung des ersten „Heims für Heimatlose“ gab. Unaufhörlich sandte sie in jenen Jahren Bittbriefe in alle Welt, ihr bei ihrer Aufgabe zu helfen. Dabei ging es ihr sowohl um die äußere als auch um die innere Not der Kinder und ihrer Angehörigen.

Verstoßen, verleugnet, nicht beachtet

Der 2. Juli 1891 wurde zum großen „Gnadentag“ für die am 13. Mai 2006 Seliggesprochene und ihre Ordensfamilie. Am Fest „Mariä Heimsuchung“ stiftete sie – vom Geist der heiligen Teresa von Avila durchdrungen – den Karmel D.C.J.. Zu dieser Zeit scharten sich junge Frauen um sie, die ihr mit Herz und Engagement zur Seite standen.

Ihr Vater, ein evangelischer Pfarrer, verstieß sie. Ihre Bischöfe verleugneten sie. Ihre Eingaben wurden nicht beantwortet. Armut, Einsamkeit und Krankheit waren ihre ständigen Begleiter. Doch Anna Maria Tauscher, so ihr bürgerlicher Name, war mit einer inneren Kraft begabt, die stärker war als alle Schwierigkeiten. So zog sie schon 1896 mit 80 Kindern und ihren Mitarbeiterinnen in das große Haus um, das nach ihren Plänen direkt an der Pappelallee erbaut wurde und noch heute in der Fassade so erhalten ist. Sie stellte das Kinderheim unter den Schutz des heiligen Josef. Es wurde zur Keimzelle der zahlreichen St. Josefsheime in weiten Teilen der Welt, die sie in den folgenden Jahren gründete. In Berlin wurde sie von vielen Priestern und Gläubigen scharf dafür angegriffen, dass sie eine neue Ordensgemeinschaft bilden wollte. Jungen Frauen wurde unentwegt abgeraten, ihrer Bewegung beizutreten. Aber 1904 folgte nach vielen Schwierigkeiten die kirchliche Anerkennung ihrer klösterlichen Gemeinschaft als „Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu“. Während ihrer letzten Lebensjahre leitete die Gründerin ihren Orden von Sittard in den Niederlanden aus, wohin das Mutterhaus 1922 verlegt worden war. Als ihr Körper schon vom Alter geschwächt war, verbrachte sie immer noch Stunden kniend im Gebet vor dem Allerheiligsten. Kontemplation und apostolisches Wirken waren für sie bis zu ihrem Tod am 20. September 1938 ihre Lebensziele und ihr Vermächtnis an ihre Schwestern. Der selige Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg, der 1943 auf dem Weg ins Konzentrationslager Dachau ums Leben kam, schrieb nach ihrem Tod: „Wenn man von dem kleinen Häuschen im Hofe des St. Josefheims der Berliner Pappelallee einen Blick auf die 58 Klöster des Karmel in der Alten und Neuen Welt tut, öffnet sich eine andere Welt, in der die Stifterin und Generalsuperiorin Mutter war, Mutter für 1000 Schwestern und 10 000 verlassene Kinder. Ein von Gott im höchsten Maß gesegnetes Leben!“

Stets die Bedürftigen im Blick

Aufgabe und Anliegen haben sich seit diesen Jahren nicht verändert, erzählt Provinzoberin Schwester Maria Claudia Renki. „Aus tiefer Liebe zu Gott wollen wir Schwestern seine Liebe zu den Menschen spürbar werden lassen. Das gilt für die Kinder in den früheren Kinderheimen ebenso wie für die heutigen Kindergärten, aber auch für hilfsbedürftige Menschen in Seniorenheimen.“ Während und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das St. Josefsheim zur Herberge für obdachlose Menschen und kirchliche Einrichtungen. Als Bischöfliches Bildungsheim vermittelte es über Jahrzehnte religiöse und fachliche Weiterbildung. Heute gibt es als Seniorenheim der Caritas Altenhilfe Heimat für 74 Menschen. Hauseigene Grünanlagen im Hinterhof bieten eine Oase der Ruhe. Die Karmelitinnen vom Göttlichen Herzen Jesu leben und wirken mittlerweile in 15 Ländern Europas, Amerikas und Afrikas. Der Geist des teresianischen Karmels und apostolische Tätigkeit sind die spirituellen Fundamente des Ordens.

Termin
Die Gründung des St.-Josefsheims und des Karmels DCJ wird am Samstag, 2. Juli, 10 Uhr mit einem Dankgottesdienst der Kirche, Pappelallee 61, Berlin- Prenzlauer Berg, gefeiert. Auch die Generaloberin Mutter Angelina wird mit einer Delegation aus Holland erwartet. Hauptzelebrant und Prediger ist Weihbischof em. Wolfgang Weider. Es singt die Jugendschola der Gemeinde Heilige Familie. Anschließend ist ein Stehempfang im Hof und Mittagessen im Zelt.