Gremium der vielen NationenRat der Muttersprachlichen Gemeinden im Erzbistum konstituiert

Der Vorstand des neuen Rats (von links): Anica Krstanovic´(Vorsitzende, Kroatische Gemeinde), Pfarrer Marek Ke¸dzierski (Polnische Gemeinde), Kaplan Exiquio Estrada Ramirez (Spanischsprachige Gemeinde), Dunja Apikian

Über 90 000 Katholiken anderer Muttersprachen gehören dem Erzbistum Berlin an – das ist ein Viertel aller Gläubigen. Jetzt schlossen sich die muttersprachlichen Gemeinden in einem gemeinsamen Rat zusammen. Sie wollen viel bewegen – füreinander und für das Erzbistum.

Der Gemeindesaal der Polnischen Mission füllt sich. Aber ungewöhnlich: Heute wird hier Englisch genauso gesprochen wie Japanisch, Kroatisch ebenso wie Tamil, Französisch und Spanisch. Auch Polnisch fehlt natürlich nicht. Und dann setzen sich alle zusammen und beraten auf Deutsch. Die über 30 Personen, die sich hier zu einem neuen Rat konstituieren, haben ihre Wurzeln oft außerhalb Deutschlands, zumindest teilweise. Sie eint ihr katholischer Glaube und, dass sie eine der muttersprachlichen Gemeinden im Erzbistum Berlin vertreten. Hier passiert etwas ganz Neues – das ist schon daran zu erkennen, dass die Sitzung eine eröffnet, die keiner dieser Gemeinden angehört: Seelsorgeamtsleiterin Uta Raabe leitet den Beginn, denn es gibt noch keinen Vorstand. Bei der Vorstellung der einzelnen Gemeindevertretungen wird noch einmal deutlich, wie unterschiedlich die Nationalitäten und Kulturen sind. Doch sie drücken ihre Freude aus, zusammen etwas Neues zu beginnen.

Nach der Neugründung folgen die Wahlen

Was jetzt kommt, ist „ein bisschen typisch Deutsch“, wie Raabe fast entschuldigend ankündigt. Bevor der Rat seine eigentliche Arbeit aufnehmen kann, muss er erst einmal nach teils komplizierten Verfahren seine Vertreter wählen. Und gewählt wird viel an diesem Abend: Erst der Vorstand aus fünf Laien und zwei Priestern. Dann zwei Delegierte für den Pastoralrat und drei für den Diözesanrat. Und für Letzteren auch noch drei Vertreter. Bei den Wahlen sind noch mehr Gesichtspunkte zu berücksichtigen als sonst bei Gremien-Wahlen. Denn alle sind bemüht, die verschiedenen Gemeinden einzubeziehen. Manche davon setzen sich noch aus mehreren Unter-Gemeinden zusammen: So heißt es, die englischsprachige bestehe eigentlich aus fünf Gemeinden verschiedener Nationalitäten. Dem solle auch in den noch ausstehenden Berufungen weiterer Mitglieder Rechnung getragen werden, wünscht sich Anica Krstanovic´.

Zweieinhalb Jahre Vorarbeit in Arbeitsgemeinschaft

Der Gemeinderatsvorsitzenden der Kroatischen Gemeinde ist der neue Rat ein besonderes Anliegen.Denn sie war es, die vor zweieinhalb Jahren gemeinsam mit Suzana Smolkovic´ die Initiative zur Gründung ergriffen hatte. „Kardinal Woelki hatte im November 2013 die Muttersprachlichen Gemeinden aufgerufen, sich ins Erzbistum einzubringen“, erinnert sich Krstanovic´, und so hätten sie die Arbeitsgemeinschaft Muttersprachliche Gemeinden ins Leben gerufen. An ihr beteiligten sich elf der 16 Gemeinden. Zusammen mit Uta Raabe und Hermann Fränkert- Fechter vom Seelsorgeamt erarbeiteten sie ein Modell, wie die muttersprachlichen Gemeinden in den Pastoralen Prozess eingebunden werden sollen. Denn so wolle es auch das Erzbistum, erzählt Krstanovic´später. Von deren Seite sei man zunächst skeptisch gewesen, bedeute das doch, dass die Gemeindeleiter nicht mehr dem Ordinariat direkt, sondern dem jeweiligen Leiter des Pastoralen Raumes unterstellt sind. „Wir wollten da einen gewissen Schutz.“ Das Engagement, das Anica Krstanovic´ von Anfang an zeigte, hat sicher seinen Anteil daran, dass sie bei der Vorstandswahl die meisten Stimmen erhält und kommissarisch die Leitung der Sitzung übernimmt. Die Wahl der Vorsitzenden innerhalb des Vorstands wird pragmatisch auf nach der Sitzung verschoben – genau wie die inhaltliche Arbeit auf das nächste Treffen. Dafür ist Zeit, sich in den Pausen gegenseitig kennenzulernen und die Gastfreundschaft der Polnischen Gemeinde zu würdigen, die für alle das Nationalgericht Bigos – einen Krauteintopf mit Fleisch und Wurst – vorbereitet hat. Wie Anica Krstanovic´ zeigt sich auch Ratsmitglied Dominic Scaife von der englischen Gemeinde sehr glücklich, weil der Rat die Zusammenarbeit der Muttersprachler erleichtere: „Wir brauchen ihn, um uns besser kennenzulernen und Synergien zu nutzen.“