„Hauptziel ist das Heil aller Menschen“Bernd Streich sieht den Diözesanrat in der Verantwortung für das Erzbistum Berlin

Will Türen öffnen, damit alle zusammenfinden: Bernd Streich an der St.- Hedwigs-Kathedrale. Foto: Cornelia Klaebe

Seit dem 9. Juli ist er der Vorsitzende des Diözesanrats – und das nicht zum ersten Mal. Vor 25 Jahren war Bernd Streich Erster Vorsitzender des ersten gemeinsamen Diözesanrats im vereinten Berlin. Seitdem hat sich in seinen Augen viel geändert.

Bewegen will er auf vielen Feldern etwas: Bernd Streich freut sich auf seine neue und alte Aufgabe als Diözesanratsvorsitzender. „Wir haben eine frohe Botschaft, die wir allen Menschen verkünden sollen“, sieht er den Hauptauftrag der Kirche. Und damit sieht er sich selbst in der Verantwortung, denn: „Der Diözesanrat ist so etwas wie das Parlament der Katholiken im Erzbistum und trägt neben dem Erzbischof dafür Verantwortung“, sagt der 63-jährige stellvertretende Kanzler der Katholischen Hochschule für Sozialwesen in Berlin (KHSB).

„Präsenz kann heute nur ökumenisch sein“

Dabei ist ihm die Aufgabe des Diözesanratsvorsitzenden bereits vertraut: Schon vor 25 Jahren hatte er diesen Posten inne, er war Vorsitzender des Diözesanrats im Ostteil des Erzbistums und dann gemeinsam mit Jürgen Meyer- Wilmes im vereinten Erzbistum Berlin von Herbst 1990 bis 1991. Seitdem habe sich vieles verändert, was die Stellung des Diözesanrats angeht: „Damals waren beim Jahresempfang des Diözesanrats drei Ministerpräsidenten und etliche Landesminister anwesend – das wird heute nicht mehr so sein.“ Damals habe die politische Öffentlichkeit Glückwünsche zur Wahl überbracht, diesmal habe er aus diesem Kreis keine bekommen. Umso wichtiger sei es heute, dass die Kirche in der Gesellschaft Präsenz zeige, so Streich, „und das kann heute nur ökumenisch sein“. Überhaupt will er Ökumene, interreligiösen Dialog und die Vielfalt in seiner Amtszeit weiter in den Blick nehmen. Das Thema wird ihm als Steckenpferd nachgesagt – dabei sei es eher „Schicksal“, dass es zu seinem Feld geworden sei: „Im Jahr 2000 wurde ich im Diözesanrat zum Vorsitzenden des Ausschusses Ökumene und interreligiöser Dialog gewählt.“ Daraus sei ein Engagement gewachsen, das heute in vielfältigem Ehrenamt, unter anderdem als Vorsitzender der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Berlin und Vertreter im Islamforum, gipfele. Ökumene kennt der in Berlin- Prenzlauer Berg aufgewachsene Streich schon aus Kindheit, Jugend und Studentenzeit, als er Kirche als großen Freiheitsraum erlebte: „Ich kann mich noch an den ersten Ökumenischen Gemeindetag in unserer Gemeinde Heilige Familie erinnern“, sagt er. Darüber hinaus habe er Ökumene auch in der Studentengemeinde und besonders intensiv in den 18 Monaten als Bausoldat erlebt. Seit 1979 liest er neben der katholischen auch die evangelische Kirchenzeitung, in der es damals zensurbedingt immer wieder weiße Flecken gab. In der Kirche sei es gewesen, dass er eine intensive Ost-West-Arbeit erlebt und während des Datenverarbeitungs- Studiums auch immer wieder Kontakte nach West-Berlin und ins Bundesgebiet gehabt habe. 1981 ging er als Mitarbeiter in die Studentenseelsorge, 1988 dann in den Krankenhausbereich und 1999 fing er bei der KHSB an. Eines hat Bernd Streich in den Vollversammlungen des Diözesanrats und in den Vorstandssitzungen überrascht: Manche Mitglieder sähen immer noch Unterschiede zwischen Ost und West. Das seien nicht die einzigen: Auch zwischen Stadt und Land, Urberlinern, Zugezogenen aus Deutschland und aus Gebieten anderer Muttersprachen gebe es sie. Deshalb will er im Diözesanrat Regionalausschüsse für Brandenburg und Vorpommern aktivieren, die die Gespräche vor Ort führen und darauf achten sollen, dass diese Regionen genügend Beachtung in der Arbeit finden. „Wir müssen das in den Blick nehmen, im Sinne einer Vielfalt. Gemeinde ist in Vorpommern anders als in Berlin, in Marzahn anders als in Charlottenburg.“

Neue christliche Orte schaffen

Ein wichtiges Anliegen ist Bernd Streich der Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“: „Das ist nicht in erster Linie ein Strukturprozess“, mahnt er, „sondern das Hauptziel ist das Heil aller Menschen. Wir müssen nahe bei den Menschen sein, nicht nur bei den Katholiken!“ Dafür müsse man „gucken, wie man neue christliche Orte schaffen kann“. Angesprochen auf die Zukunft der St.-Hedwigs-Kathedrale, für deren Umbau nach dem Siegerentwurf der letzte Diözesanrat votierte, sagt Streich: „Ich stehe zum Votum des letzten Diözesanrats, so wie der Diözesanrat generell zu den Voten aus vorhergegangenen Amtsperioden steht.“